Dow macht großen Satz nach obenWaffenstillstand mit Iran beflügelt Wall Street

Mit großer Erleichterung nimmt die Wall Street die Nachricht über eine zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran auf. Die Aussicht auf eine Öffnung der Straße von Hormus lässt die Ölpreise wieder in den zweistelligen Bereich sinken.
Die Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hat an der Wall Street eine Kursrally ausgelöst. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Mittwoch 2,9 Prozent höher auf 47.914 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 2,5 Prozent auf 6783 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 2,8 Prozent auf 22.637 Stellen. Der konjunktursensible Transport-Index erreichte ein Allzeithoch, während der Nebenwerteindex Russell 2000 die Standardwerte übertraf.
Das von Pakistan vermittelte Abkommen sorgte bei Anlegern für Erleichterung. Einem iranischen Regierungsvertreter zufolge könnte die für den weltweiten Öltransport wichtige Straße von Hormus am Donnerstag oder Freitag im Vorfeld von Friedensgesprächen wieder geöffnet werden. Voraussetzung sei eine Einigung auf einen Rahmen für die Waffenruhe, sagte der Insider. Durch die Meerenge wird ein Fünftel des weltweit geförderten Öls verschifft.
Die Aussicht auf eine Entspannung ließ die Ölpreise einbrechen: Die Nordseesorte Brent und das US-Leichtöl WTI verbilligten sich um bis zu 16,4 Prozent und fielen jeweils unter die Marke von 100 Dollar pro Barrel (159 Liter). Damit liegen sie allerdings immer noch rund ein Drittel über Vorkriegsniveau. "Es gibt noch viel zu tun, der Markt ist jedoch ziemlich erleichtert", sagte Mike Dickson von Horizon Investments. Die Sache hätte auch weitaus schlimmer ausgehen können, fügte er hinzu.
Die Erholung beschränkte sich nicht auf die US-Indizes. Die europäischen Börsen stiegen um 3,9 Prozent, während der MSCI World Index um mehr als drei Prozent zulegte. Beide verzeichneten damit ihren größten prozentualen Tagesgewinn seit einem Jahr. Der Volatilitätsindex VIX, ein Barometer für die Nervosität der Anleger, fiel auf den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn. "Die meisten anderen Länder waren einem Energie- und Lebensmittelschock stärker ausgesetzt als die USA", erklärte Ross Mayfield, Investmentstratege bei Baird. Daher sei die kurzfristige Erleichterung für internationale Aktien viel größer.
Zinserhöhungen werden wahrscheinlicher
Aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der März-Sitzung der US-Notenbank Fed ging zudem eine wachsende Bereitschaft zu Zinserhöhungen hervor. Die Währungshüter hoben ihre Inflationsprognose für 2026 aufgrund des kriegsbedingten Ölschocks an.
Auf Unternehmensseite profitierten vor allem Sektoren, die seit Beginn des Konflikts stark gelitten hatten. Aktien von Fluggesellschaften wie Delta Air Lines, Southwest Airlines und United Airlines legten deutlich zu. Delta verzichtete wegen der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Krieg auf eine Aktualisierung der Jahresprognose, was die Anleger jedoch nicht abschreckte. Zudem verzeichneten die Kreuzfahrtanbieter Carnival und Norwegian Cruise Line kräftige Gewinne. Levi Strauss sprangen nach einer Anhebung der Jahresumsatz- und Gewinnprognosen nach oben.