Chipwerte auf HöhenflugWall Street streckt sich zu neuen Höchstständen

Die Bilanzsaison geht zu Ende und das Fazit fällt ziemlich positiv aus: Die meisten Unternehmen stehen besser da als erwartet. Und so setzt sich auch zu Wochenbeginn die Rekordjagd an der Wall Street fort, wenn auch in kleinen Schritten.
Angetrieben von der anhaltenden Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) haben die US-Börsen am Montag leicht im Plus geschlossen. Sorgen über steigende Ölpreise und eine hartnäckige Inflation dämpften die Kauflaune der Anleger allerdings. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,2 Prozent auf 49.704 Punkte. Der technologielastige Nasdaq schloss 0,1 Prozent fester mit 26.274 Zählern und der breit gefasste S&P 500 0,2 Prozent höher auf 7413 Stellen.
Besonders Halbleiterwerte waren gefragt. "Der Handel mit Halbleitern und KI-Infrastruktur hat ein völliges Eigenleben entwickelt", sagte Ross Mayfield, Analyst bei Baird. Die Dynamik scheine fast losgelöst von konkreten Nachrichten zu sein. Die Aktien von Intel setzten ihren Höhenflug fort. Nachdem sie bereits am Freitag wegen eines möglichen Abkommens mit Apple um 14 Prozent zugelegt hatten, ging es weitere 3,6 Prozent nach oben. Papiere des Konkurrenten Qualcomm kletterten auf ein Rekordhoch. Auch Fox verbuchte nach übertroffenen Umsatzerwartungen Kursgewinne.
Dagegen gaben einige Fluggesellschaften nach, da steigende Ölpreise die Gewinnmargen zu belasten drohen. Die Sorte Brent legte um 2,9 Prozent zu. Auslöser für den Ölpreisanstieg waren geopolitische Spannungen. US-Präsident Donald Trump hatte eine Antwort des Irans auf einen US-Friedensvorschlag zurückgewiesen. Dies schürte an den Märkten die Sorge, dass ein anhaltender Konflikt die Inflation, insbesondere an den Zapfsäulen, weiter anheizen könnte.
Zugleich neigt sich die Berichtssaison zum ersten Quartal dem Ende zu. Bislang haben 440 Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt, von denen LSEG-Daten zufolge 83 Prozent die Gewinnerwartungen übertrafen. Analysten rechnen nun mit einem Gewinnwachstum von 28,6 Prozent im Jahresvergleich, fast doppelt so viel wie noch Anfang April prognostiziert. "Die Stärke der Rally ist größtenteils eine Folge des Gewinnwachstums, das hervorragend ist", erklärte Terry Sandven, Chef-Aktienstratege bei U.S. Bank Wealth Management.
Mit dem Ausklang der Berichtssaison rücken nun wieder makroökonomische Daten und die Geopolitik in den Fokus. Im Laufe der Woche stehen US-Verbraucherpreise und Einzelhandelsumsätze an. Anleger erhoffen sich davon Hinweise, ob die hohen Energiekosten auf die breitere Wirtschaft übergreifen oder das Konsumverhalten beeinträchtigen. Zudem stehen Daten zu den Erzeugerpreisen und der Industrieproduktion auf der Agenda. Investoren blicken zudem auf ein geplantes Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking. Dabei soll es unter anderem um den Iran-Krieg, Handel, Atomwaffen, Taiwan, KI und die mögliche Verlängerung eines Abkommens über Seltene Erden gehen. Auf Unternehmensseite werden in dieser Woche noch Bilanzen von Cisco und Applied Materials erwartet, bevor später Schwergewichte wie Nvidia und Walmart ihre Bücher öffnen.