Wirtschaft

Kampfansage des US-Präsidenten Warum Trump von Mercedes besessen ist

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"Kauft amerikanisch": US-Präsident Donald Trump

(Foto: AP)

Donald Trump will auf der Fifth Avenue in New York keine Mercedes-Sterne sehen. Um dieses Ziel zu erreichen, wären ihm Schutzzölle als Mittel recht. Seine Rechtfertigung: Die nationale Sicherheit sei bedroht.

Das nennt man wohl Hassliebe: Privat ist Donald Trump Mercedes nicht abgeneigt. So tauchte bei einem deutschen Oldtimerhändler ein rotes Mercedes-Cabrio auf, das einst dem ehemaligen Immobilienunternehmer und seiner Ex-Frau Ivana gehörte. Doch als US-Präsident tut der Anblick deutscher Nobelkarossen auf amerikanischen Straßen Trump in den Augen weh. Und dieser Schmerz soll ein Ende haben. Er werde seine Handelspolitik beibehalten, bis keine Mercedes-Modelle mehr auf der Fifth Avenue in New York fahren. Das sagte Trump laut "Wirtschaftswoche" beim Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im April.

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Dass Trump schon seit geraumer Zeit in Richtung deutsche Autohersteller schießt, hat einen einfachen Grund: Er ist davon überzeugt, dass Deutschland die USA mit "Mercedes- und BMW-Fahrzeugen zuschüttet". Die "Millionen" verkauften deutschen Autos in den USA seien "fürchterlich". Oder wie er es kurz vor der Amtseinführung in einem Interview mit der "Bild" ausdrückte: "Wenn man durch die Fifth Avenue geht, hat jeder einen Mercedes-Benz vor seinem Haus stehen."

Trump würde nun gerne die Zölle auf Autos aus dem Ausland auf 25 Prozent erhöhen. Um diese zu legitimieren, argumentiert er wie bei den Zöllen auf Aluminium- und Stahlimporte: Trump wies das Handelsministerium an zu prüfen, ob die Auto-Einfuhren die nationale Sicherheit der USA bedrohen. "Schlüsselindustrien wie Autos und Autoteile sind entscheidend für die Stärke unserer Nation", so der US-Präsident. Das Ergebnis der Prüfung steht für Trump offensichtlich bereits fest: "Auf unsere großartigen amerikanischen Automobilarbeiter warten schon bald große Nachrichten", twitterte er. "Nachdem eure Jobs jahrzehntelang ins Ausland verloren gingen, habt ihr lange genug gewartet!"

Da sich Trump "Amercica First" auf die Fahnen geschrieben hat, ist das durchaus konsequent. "Wir werden zwei einfachen Regeln folgen", hatte er bei seiner Amtseinführung gesagt. "Kaufe amerikanisch und stelle amerikanisch ein."

Trump ärgert sich über Defizit

Dabei hat Trump eine klare Interpretation des Kapitalismus: Für ihn gilt hier das Recht des Stärkeren. Das hat er als Immobilienmagnat eindrucksvoll vorgelebt. Die von Trump immer wieder angemahnte Fairness bedeutet für ihn, dass die USA das bekommen, was ihnen (vermeintlich) zusteht - also das Maximum.

Trump ist davon überzeugt, dass der Erfolg deutscher Autokonzerne in den USA zu einem wesentlichen Teil auf ungerechten Handelsvorteilen beruht. Für ihn ist die deutsche Automobilindustrie ein Beispiel dafür, wie die USA von ihren Partnern übervorteilt werden.

Daraus erklärt sich für den US-Präsidenten auch das enorme Handelsdefizit der USA. Wenn US-Präsident Donald Trump sich über unfaire Handelspraktiken der Europäer beschwert, hat er meist Deutschland im Visier. Das hat einen Grund: Die deutsche Wirtschaft steht für mehr als die Hälfte des Exportüberschusses der EU im Warenhandel mit den Vereinigten Staaten. Das Handelsdefizit gegenüber Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 64,2 Milliarden Dollar.

Das ändert allerdings nichts daran, dass Trumps Ärger über deutsche Autos auf Amerikas Straßen auf unzutreffenden Annahmen basiert. So werden nicht so viele deutsche Autos in den USA verkauft wie der US-Präsident suggeriert. Im vergangenen Jahr waren es 1,35 Millionen Stück. Davon wurden nur rund 500.000 in die USA exportiert, die anderen wurden dort gebaut.

Deutsche Hersteller produzieren in den USA

Daimler, BMW und Volkswagen haben große Werke in den USA, sie fertigen dort insgesamt mehr Autos als sie aus Deutschland dorthin importieren. BMW ist nach Konzernangaben sogar -wenn man den Wert der Fahrzeuge als Maßstab nimmt - der größte Autoexporteur der USA.

Bis 2016 stieg die Produktion der Deutschen in den USA, während die Exporte dorthin sanken. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Fertigung von BMW, Daimler und Volkswagen allerdings wegen der Flaute am Automarkt - insgesamt bauten sie in den USA 804.000 Autos.

Der Marktanteil der Deutschen liegt in den USA bei 7,9 Prozent. Die Amerikaner kommen hierzulande auf ebenfalls knapp acht Prozent. Der Löwenanteil geht an Ford. General Motors ist mit seinen Marken Chevrolet und Cadillac nur minimal präsent. Auch Tesla und Chrysler mit seinen Jeeps spielen nur eine geringe Rolle.

Trump schimpft, dass US-Autokonzerne für den Export nach Europa höhere Zölle bezahlen müssen als umgekehrt. Tatsächlich fällt für ein US-PKW ein Zoll von zehn Prozent an, während für ein EU-Export drei Prozent fällig werden. Wenn man allerdings die in den USA beliebten SUVs und Pickups einbezieht, schrumpft der Abstand nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums auf 4,3 zu 3,1 Prozent.

Hinzu kommt: Diese Zölle wurden im Rahmen der Vereinbarungen auf dem Weg zur Welthandelsorganisation WTO festgelegt. Die USA verhängen vor diesem Hintergrund beispielsweise höhere Zölle als die EU auf die Importe von Textilien. Die Zölle variieren bei den verschiedenen Produkten. Von daher führt es in die Irre, sie einzeln und nicht im Gesamtsystem zu betrachten.

Doch davon lässt sich Trump nicht beeindrucken. "Es besteht keine Gegenseitigkeit", schimpfte er in der "Bild". "Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße."

Quelle: n-tv.de

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