Wirtschaft

"Black Monday" für den Dax Was kommt nach dem Crash?

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Ungläubiges Staunen auf dem Parkett.

(Foto: AP)

Dieser Wochenstart hat es in sich: Innerhalb von Minuten verliert der Dax hunderte Punkte. Die Prognosen der Analysten vom Freitag? Pulverisiert. Was nun?

2000 Punkte innerhalb von 10 Tagen – so stark ging es in Punkten beim Deutschen Aktienindex noch nie abwärts. Wer einen Crash fühlen will und Worte wie Panik, Ausverkauf und Aufgabestimmung spüren mag, der musste nur den Dax an diesem Montag verfolgen.

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Klassisch war dabei, dass es pünktlich zur Eröffnung der US-Börsen einen finalen "Sell-off" gab, Computerprogramme und Investoren noch einmal zusätzlich den letzten Schlag vornahmen. Danach ging es in einer ersten technischen Reaktion nochmal ein ganzes Stück wieder nach oben – das Szenario erinnert an den September 2011, als der Dax binnen weniger Wochen von 7200 auf 5000 Punkte stürzte.

Eine Lehre aus den vergangenen Monaten ist somit auch, dass Bewegungen nach unten oder oben mitunter ungemein schnell und brutal deutlich vor sich gehen. Dies sah man am Währungsmarkt bei Euro, Dollar, Franken oder Rubel, dies ist am Ölmarkt oder bei Kupfer zu spüren und dies spiegelt sich nun bei Aktien wieder.

Was aber ist nun zu tun, wie kann man die Scherben zusammenkehren? Und sind dies nun Einstiegsmöglichkeiten? Viele Investoren führen den Kursrückschlag neben Sorgen um die chinesische Wirtschaft auch auf eine bevorstehende Zinserhöhung in den USA zurück. Genau diese wird angesichts der Entwicklung am Finanzmarkt aber zusehends unwahrscheinlicher. Riskieren Anleger, die schon jetzt einsteigen, den Griff ins "fallende Messer" oder werden sie bis zum Jahresende für ihren Mut belohnt werden?

Einsamer Warner

Die Analysten kann man derzeit kaum fragen: Viele der Prognosen, die die Aktienstrategen und andere Experten erst am vergangenen Freitag gemacht haben, sind bereits am heutigen Montag reine Makulatur. "Sorgen um die chinesische Wirtschaft und die sich abzeichnende erste Leitzinserhöhung in den USA haben den Dax unter seine 200-Tage-Line gedrückt. 1994 und 2004 zeigt der Dax eine ähnliche Entwicklung, als die Fed begann, die Leitzinsen zu erhöhen. Ähnlich wie 2004 könnte der Dax nun für einige Wochen im Bereich von 10.200 bis 11.000 (Punkte) unter seiner 200-Tage-Linie notieren", schrieb Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank am vergangenen Freitag.

Charttechniker der DZ Bank hatten am heutigen Montag die Marke von 10.050 bis 9800 Punkte ins Visier genommen und gewarnt:"Gelingt zum Wochenanfang nicht die Verteidigung dieser Zone, muss im weiteren Verlauf auch mit einem Rutsch bis auf 8.900 Punkte gerechnet werden. Auf Basis einer erst am Anfang stehenden Abwärtsbewegung am US-amerikanischen Aktienmarkt (Abschluss eines "Rechteck"-Tops beim S&P500 Index am Freitag) und dem ungünstigen zyklischen Ausblick eines traditionell schwachen Aktienmonats "September" verbleiben weitergehende Kursrückschlagsrisiken.“

Soweit die Analysten. Doch hatten jene noch vor Wochen ein ganz anderes Bild gezeichnet und zyklisch eher zum Einstieg am Aktienmarkt geblasen. Bei 12.000 Zählern konnte manche Abteilung ihr Dax-Kursziel für das Jahresende gar nicht schnell genug nach oben korrigieren.

Dies ging zeitlich einher mit den Prognosen eines schwächeren Euro, für den 0,90 und 0,85 Dollar als Kursziel just da ausgerufen wurde, als die Währung ihr Mehrjahrestief markierte – ein prima Kontraindikator also für Euro und für den Aktienmarkt, denn der Dax hing und hängt wesentlich am Euro/US-Dollar-Verhältnis.

Ebenfalls als Kontraindikator konnte man Währungen wie den australischen Dollar hinzuziehen, denn der hängt nah an der chinesischen Wirtschaft. Eine Immobilienblase in Australien und euphorische Stimmungen von dort waren weitere Warnsignale.

Immerhin - die Analysten der Helaba hatten schon lange vor der hohen Bewertung des Dax gewarnt und sahen mit ihrem Kursziel von 10.700 Punkten für das vierte Quartal lange Zeit wie der einsame Rufer im Wald aus. "Die Talfahrt an den Aktienmärkten wird mit immer größerer Dynamik vollzogen. Das überrascht uns wenig, da die Rahmenbedingungen an den Aktienmärkten bereits seit geraumer Zeit ungünstig sind. Dies trifft sowohl auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne als auch auf die Bewertung zu. Erst die deutlichen Kursverluste am chinesischen Aktienmarkt und die Turbulenzen in den Emerging Markets so scheint es, haben die Marktteilnehmer wachgerüttelt, was deutliche Kursrückschläge nach sich zieht", schrieb Gertrud R. Traud, Chefvolkswirt der Helaba.

Und nun?

Die Bewertungen der Dax-Aktien sind kräftig zurecht gerückt, der Markt notiert fast 3000 Punkte tiefer als im April diesen Jahres. Manches erinnert an den Herbst 2011 und ein mögliches Szenario wäre nun, dass der Dax bei dann wieder fallender Volatilität einen schnellen, zügigen Kurzsprint über 10.000 Punkte hinlegt.

In der Folge testen Investoren für gewöhnlich noch einmal das alte Ausverkaufsniveau, ehe es zu einer nachhaltigen Herbst- und Erholungsrally kommen könnte. Die Risiken sind nun ausreichend am Markt abgebildet, nun wechseln die Aktien von den schwachen in die starken Hände.

Übrigens – will man einmal die Bilanz auf drei Jahre ausweiten und schaut sich die Indizes weltweit an, so notiert Japan noch immer weit im Plus mit fast 100 Prozent, auch die Nasdaq hat mit plus 55 Prozent noch eine ordentliche Fallhöhe. Der Dax inklusive Dividenden ist jedoch auf 35 Prozent zurecht gestutzt – der Kursindex auf gut 25 Prozent - beim Dow bleiben 20 Prozent, für die Briten nur magere drei Prozent und am chinesischen Markt fünf Prozent. Die Börse in Brasilien liegt sogar 10 Prozent im Minus.

Quelle: ntv.de

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