Wirtschaft

Regeln statt Recht des Stärkeren Wem nützt die Globalisierung?

101135856.jpg

(Foto: picture alliance / Mark/EPA/dpa)

Der Befund ist eindeutig: Die Globalisierung sorgt weltweit für Wohlstandsgewinne. Und ebenso eindeutig ist die Warnung der Bertelsmann-Studie. Der Mehrwert muss klug verteilt werden. Auch zwischen den Staaten.

Von der weltweiten Globalisierung haben in den vergangenen knapp 30 Jahren vor allem Industrieländer profitiert. Deren Wirtschaftsleistung legte dabei im Schnitt zwischen 1990 und 2016 um jährlich rund eine Billion Euro pro Jahr zu, wie aus einer entsprechenden Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. "Globalisierung kann eindeutig Wohlstandsgewinne schaffen. Protektionismus ist der falsche Weg", sagte der Vorstandschef der Stiftung, Aart De Geus. Das größte Problem ist indes die aus Sicht der Studienautoren ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne zwischen Industrie- und Schwellenländern sowie innerhalb einzelner Staaten.

"Wir müssen eine internationale Wirtschaftsordnung fördern, die nicht auf das Recht des Stärkeren, sondern auf gemeinsame, verbindliche Regeln und Standards setzt", sagte die Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung, Cora Jungbluth. Ein Weg dahin sei eine Wiederbelebung der Handelsrunden der Welthandelsorganisation WTO. So müssten Schwellenländer ihre Märkte öffnen und Industriestaaten ihre Subventionen abbauen. Zudem sollten gerade die hoch entwickelten Staaten die Wohlstandsgewinne besser verteilen. Nur so gehe die Akzeptanz für offene Gesellschaften nicht verloren.

USA im Mittelfeld bei Zugewinnen

Hintergrund dieser Forderungen sind die teils gravierenden Unterschiede der Globalisierungsgewinne pro Einwohner. So haben hier laut dem "Globalisierungsreport 2018" die Schweiz und Japan die höchsten Zuwächse pro Einwohner. Dabei nimmt Deutschland den sechsten Platz ein. Die USA kommen demnach auf den 25 Platz. Am Ende rangieren China und Indien.

In Deutschland legte der Erhebung zufolge das Bruttoinlandsprodukt zwischen 1990 und 2016 von 21.940 Euro pro Einwohner auf 30.910 Euro zu. Ohne die Effekte der Globalisierung wären es indes nur 29.640 Euro gewesen. Daraus errechnen die Experten einen Globalisierungsgewinn von 1270 Euro pro Einwohner. Bei Spitzenreiter Schweiz waren es sogar 1900 pro Kopf. Die USA verzeichnen ein Plus von weniger als 500 Euro pro Kopf. Bei den Schusslichtern China und Indien sind es 80 und 20 Euro.

Industriestaaten müssen sich öffnen

Doch gerade die Schwellenländer haben laut der Erhebung noch große Globalisierungspotenziale. Sie müssten sich allerdings allerdings stärker öffnen, also Handelshemmnisse abbauen und den freien Kapitalverkehr fördern. Parallel können Industriestaaten ihre Märkte für Produkte aus diesen Ländern stärker öffnen, ohne dies zugleich von den Schwellenländern zu fordern. Denn deren Volkswirtschaften seien in einigen Bereichen noch nicht voll wettbewerbsfähig.

Für ihre Untersuchung haben die Autoren nach eigenem Bekunden die Zuwächse beim realen Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner von 42 Industrie- und Schwellenländern in den Blick genommen. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass Belgien, Irland und die Niederlande sowie die Schweiz den höchsten Globalisierungsgrad aufweisen. Einer der Gründe sind vergleichsweise kleine Binnenmärkte und dadurch stärkere Handelsverbindungen zum Ausland. Im Gegenzug erreichen etwa die USA, Deutschland und Japan nur mittlere Globalisierungswerte. Für bemerkenswert halten es die Autoren dabei etwa, dass in 31 der 42 Länder der Globaliserungsgrad seit der Finanz- und Wirtschaftskrise abgenommen hat.

Grafik_Globalisierungsgewinne_Deutschland.jpg

 

Quelle: n-tv.de, jwu

Mehr zum Thema