Wirtschaft

Einigung mit Gewerkschaft Werksschließungen bei Siemens vom Tisch

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In Görlitz, an anderen Standorten und in der Hauptstadt hatten Tausende Siemensmitarbeiter und Unterstützer gegen die Werksschließungen mobilgemacht.

(Foto: picture alliance / Monika Skolim)

Die heftigen Proteste haben Erfolg: Nachdem Siemens vor Monaten die Schließung mehrerer Produktionsstandorte und die Streichung Tausender Stellen verkündet hatte, macht der Konzern nun einen Rückzieher. Harte Einschnitte wird es trotzdem geben.

Siemens wird bei seinen angekündigten Einschnitten im Kraftwerksgeschäft und in der Antriebssparte nach Möglichkeit betriebsbedingte Kündigungen vermeiden und auf die umstrittene Schließung ganzer Produktionsstandorte verzichten. Darauf haben sich Siemens und die IG Metall nach monatelangen Sondierungsgesprächen in der Nacht geeinigt. Bis Ende September wollen beide Seiten die Details für einen Interessenausgleich und Sozialplan aushandeln.

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Zusätzlich stellt Siemens über einen Zeitraum von vier Jahren 100 Millionen Euro bereit, um Mitarbeiter fortzubilden, deren Arbeitsplatz möglicherweise wegen des technologischen Fortschritts wegfallen wird.

Siemens-Arbeitsdirektorin Janina Kugel sagte in einer Telefonkonferenz, man sei sich mit der IG Metall vor allem einig geworden, dass mit den Maßnahmen ein bestimmtes Einsparziel erreicht werden müsse. In der Höhe wollte sie dies nicht genau beziffern, sprach aber von einem hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. An einem massiven Stellenabbau geht nach ihren Worten damit kein Weg vorbei. Es könnte aber sein, dass er durch intelligente Maßnahmen geringer ausfalle, als zunächst vorgesehen.

Weltweit wollte Siemens nach der im November vorgestellten Planung in beiden Sparten 6900 Stellen abbauen, davon knapp 3400 in Deutschland. An den ausländischen Standorten habe der Abbauprozess bereits begonnen, sagte Kugel.

Eine Woche Zwangsurlaub

Vom Tisch ist die Schließung des Standorts Görlitz - ein Vorhaben, das massive Proteste auch in der Politik ausgelöst hatte. Das Werk soll künftig weltweite Zentrale für das Industrieturbinendampfgeschäft werden. Den ebenfalls von der Schließung bedrohten Standort Leipzig will Siemens verkaufen, allerdings nur mit einer gesicherten Perspektive. In Erfurt ist dieses Vorhaben gescheitert.

Das Geschäft mit großen Gasturbinen ist im Zuge der weltweiten Abkehr von fossilen Brennstoffen von einem tief greifenden Strukturwandel betroffen. Die Zahl der gebauten Turbinen sinkt in dramatischer Weise. Nach Darstellung von Siemens-Chef Joe Kaeser übersteigen die Kapazitäten zum Bau großer Turbinen die Nachfrage demnächst um das Vierfache. Im März sagte Finanzchef Ralf Thomas, das Auftragsvolumen in diesem Jahr werde noch 10 Prozent schwächer ausfallen als im vergangenen Herbst angenommen.

Um Kosten zu sparen, soll nach Pfingsten die Produktion an allen Standorten weltweit für eine Woche eingestellt werden. Zehntausende Siemens-Mitarbeiter haben damit eine Woche Zwangsurlaub.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ