Wirtschaft

Kampf gegen Lieferengpässe Wettbewerbshüter lassen Absprachen zu

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Die Versorgung der Bevölkerung hat auch bei den Kartellwächtern oberste Priorität.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch die EU-Wettbewerbshüter reagieren auf die Coronavirus-Krise. Weil bestimmte Waren Mangelware sind, dürfen Unternehmen bei der Verteilung Absprachen vornehmen. Bei Preistreibereien wollen die Kartellwächter allerdings aktiv werden.

Zur Vermeidung von Lieferengpässen wegen der Coronavirus-Pandemie haben die europäischen Wettbewerbshüter den Unternehmen grünes Licht gegeben, sich bei der Verteilung knapper Waren abzusprechen. Dies soll den Firmen die Sorge nehmen, Kartellregeln zu brechen. Die Wettbewerbshüter warnten die Firmen jedoch vor Preistreiberei.

Die Entscheidung des Europäischen Wettbewerbsnetzwerks (ECN), dem die EU-Kommission und die 27 nationalen Kartellbehörden angehören, folgte damit einem ähnlichen Beschluss Großbritanniens. Dort waren die Wettbewerbsregeln gelockert worden, um Supermärkten die Zusammenarbeit und sogar die Rationierung knapper Waren zu ermöglichen. Auch die Kartellbehörden in Deutschland und Griechenland gestatten bereits Ausnahmen wegen der Epidemie.

Das ECN erklärte, man sei sich der sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise bewusst. "Diese Ausnahmesituation könnte bei den Firmen Bedarf zur Abstimmung schaffen, um eine faire Verteilung knapper Güter an alle Verbraucher sicherzustellen." In der aktuellen Lage werde die Behörde daher nicht aktiv gegen nötige und vorübergehende Maßnahmen dieser Art vorgehen.

Sollten Unternehmen aus der Krise allerdings Profit schlagen wollen und die Preise für Mangelwaren wie Schutzmasken und Handreinigungsgel maximieren, werde man nicht zögern einzugreifen, warnte das ECN. Um ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu unterbinden, könnten etwa Höchstpreise festgesetzt werden.

Drogeriemärkte mit Problemen

Wer in diesen Tagen in den Supermarkt geht, wird keinen Zweifel daran haben, dass die Geschäfte glänzend laufen. Weil mittlerweile auch Restaurants und Kantinen geschlossen bleiben, brauchen die Bürger mehr Lebensmittel zuhause - ein Plus für den Handel.

Tatsächlich deutlich mehr verkauft wird außerdem in Drogeriemärkten, die in den vergangenen Tagen Mühe hatten, die leeren Klopapier- oder Seifenregale zeitnah wieder aufzufüllen. Die Drogeriekette dm verzeichnet eine im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegene Nachfrage nach Seife und Toilettenpapier. "So erklärt sich auch, dass diese Produkte temporär in vielen Märkten nicht verfügbar waren oder sind", sagte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer. Der dm-Konkurrent Rossmann hat spezielle Pläne aktiviert, um dem Ansturm der Kunden Stand zu halten.

Quelle: ntv.de, wne/rts/dpa