Wirtschaft

Anmietung plötzlich eingestellt Wework lässt Immobilienmärkte zittern

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In New York ist WeWork zum größten Büromieter aufgestiegen.

(Foto: imago/Levine-Roberts)

Innerhalb weniger Jahre steigt Wework vom kleinen Startup zur treibenden Kraft auf den teuersten Immobilienmärkten der Welt auf. Doch nun steckt das Unternehmen in der Krise. Vermieter müssen um Milliardeneinnahmen fürchten.

Die Krise des Bürovermieters Wework droht die Balance auf den größten Immobilienmärkten der Welt zu stören. Das Unternehmen hatte vor wenigen Tagen Gründer Adam Neumann als Chef abgesetzt, den geplanten Börsengang verschoben und mit dem Verkauf von Tochterfirmen und Werten wie dem Privatjet für die Führungskräfte begonnen, um finanziellen Spielraum für die kommenden Wochen und Monate zu gewinnen. Zudem berichtet unter anderem die britische "Financial Times" (FT), WeWork habe den Abschluss von neuen Anmietungen mit sofortiger Wirkung gestoppt. Damit ist unter anderem in New York und London der größte Mieter von Büroflächen plötzlich vom Markt.

Wework mietet große Büroflächen langfristig an und vermietet sie kurzfristig in teils kleinen Einheiten an Mitglieder. Das können einzelne Freiberufler, kleine Startups oder ganze Abteilungen großer Konzerne sein. Bislang verbrennt Wework mit diesem Geschäft Geld in atemberaubender Geschwindigkeit. Im vergangenen Jahr fuhr das Unternehmen einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar ein, bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar. In diesem Jahr sollen allein die Mietkosten durch die Anmietung immer neuer großer Flächen auf geschätzt 2,5 Milliarden Dollar gestiegen sein. Um den Verlust einzugrenzen, soll die neue Unternehmensführung nun die Notbremse gezogen und das Anmieten neuer Flächen mit sofortiger Wirkung gestoppt haben.

Der FT zufolge hat Wework inzwischen Mietverträge mit Laufzeiten von bis zu 15 Jahren abgeschlossen, aus denen sich Verpflichtungen von mehr als 40 Milliarden Dollar ergeben. Diese riesigen Verbindlichkeiten könnten nicht nur für das Unternehmen selbst und seine Investoren zum Problem werden, sondern für ganze Immobilienmärkte.

Hauptmieter bei Sparkassen-Fonds in London

Berechnungen des Ökonomen Dan Alpert von der Cornell Law School in New York zufolge mietete Wework in Manhattan, einem der teuersten Immobilienmärkte der Welt, in den vergangenen 24 Monaten knapp 300.000 Quadratmeter Bürofläche an. Allein Weworks Neuverträge sorgten dafür, dass die Nachfrage nach Büros in New York größer war als die in dieser Zeit neu auf den Markt gekommenen Flächen. Ohne Weworks Expansion wäre der Büro-Leerstand in der US-Metropole in dieser Zeit gestiegen, wie Alpert im "Business Insider" schrieb. Ähnlich sieht es in London aus, wo Wework inzwischen mehrere Dutzend Bürostandorte in bester Lage betreibt.

Auch in der britischen Hauptstadt könnte sich das Gleichgewicht auf dem Immobilienmarkt ohne eine weitere Expansion des aggressiven Startups spürbar verschieben. Unter anderem ist Wework Hauptmieter in einem im vergangenen Jahr vom Sparkassen-Fondsanbieter Deka für knapp 100 Millionen Euro gekauften Bürohaus im Zentrum der Finanzmetropole.

Viele Vermieter haben ihre Immobilien für die Anforderungen von Wework mit hohen Investitionen umgebaut. Scheitert Wework damit, sein Geschäftsmodell bald profitabel zu machen, müssten die Immobilienbesitzer einen Teil der erhofften Milliardeneinnahmen wohl abschreiben. Zugriff auf die – ohnehin knappen - Reserven von Wework haben sie trotz der langfristigen Mietverträge nicht. Denn die Anmietung der einzelnen Standorte von Wework erfolgt in der Regel durch jeweils extra gegründete Tochtergesellschaften, sogenannte Special Purpose Vehicles, für die die Muttergesellschaft nur in engen Grenzen haftet.

Quelle: n-tv.de

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