Wirtschaft

Reaktion auf den Apple-FBI-Streit WhatsApp steigt auf Verschlüsselung um

RTR4TKZB.jpg

Kulturkampf oder PR-Maßnahme: WhatsApp reagiert auf den Streit zwischen dem FBI und Apple und verschlüsselt die Kommunikation von einer Milliarde Nutzer.

(Foto: REUTERS)

Die Datenschutz-Debatte zwischen dem Silicon Valley und Washington tritt in eine neue Phase ein: Der Facebook-Dienst WhatsApp prescht vor und entzieht die Kommunikation von einer Milliarde Nutzern dem Zugriff der Justizbehörden.

Der zu Facebook gehörende Kommunikationsdienst WhatsApp reagiert auf den Streit zwischen dem iPhone-Anbieter Apple und den US-Justizbehörden und kündigt den Wechsel zur automatischen Verschlüsselung an. Künftig seien alle Inhalte, die über WhatsApp laufen, geschützt, erklärten die WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton dem US-Magazin "Wired". Der Datendienst mit seinen mittlerweile mehr als einer Milliarde Nutzer führt demnach eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein.

Dadurch werden die Texte, Fotos, Videos oder Anrufe nur für die beteiligten Nutzer sichtbar sein - aber auch nicht mehr für WhatsApp selbst. Damit könne WhatsApp die Inhalte auch nicht mehr an Sicherheitsbehörden weitergeben, betonten Koum und Acton. Ob die Konzernmutter Facebook sich dem Schritt anschließen wird, ist noch offen.

WhatsApp für Whistleblower

Die Maßnahme mache "die Welt sicherer", erklärte Acton, "auch wenn viele Leute in den Sicherheitsbehörden da anderer Meinung sind". Durch die Verschlüsselung könne "jeder unbeirrt seinen Geschäften nachgehen oder mit einem Arzt reden", ohne "heimliche Lauscher" befürchten zu müssen. "Mit Verschlüsselung kannst du auch zum Whistleblower werden - ohne dir Sorgen machen zu müssen."

Die neue Linie gleicht der Herangehensweise des iPhone-Anbieters Apple, setzt den Ansatz allerdings in einem viel größeren Maßstab um, wie "Wired" betont. WhatsApp hatte im Februar bei der Zahl der Nutzer eigenen Angaben zufolge die Schwelle von einer Milliarde überschritten. Verschlüsselt werden demnach ab der neuesten WhatsApp-Version nicht nur Textnachrichten, sondern auch Telefonanrufe, Fotos und Videos - also im Prinzip alles, was zwischen WhatsApp-Nutzern an Daten ausgetauscht werden kann.

Der Schritt von WhatsApp dürfte Branchenkennern zufolge die Spannungen zwischen dem Silicon Valley und Washington erheblich verschärfen. Denn im Unterschied zu Apple betrifft die neue Verschlüsselung eine sehr viel größere Zahl - und sie funktioniert angeblich über alle Geräte und Betriebssysteme hinweg. Zu erwarten steht, dass sich weitere Message-Dienste dem Vorgehen anschließen.

Präzedenzfall Apple

Aus der Sicht der Justizbehörden versuchen damit immer mehr Hightech-Unternehmen, die Daten ihrer Nutzer dem Zugriff der Ermittler zu entziehen. Längst sehen Beobachter damit Grundsatzfragen von Verfassungsrang berührt: Wie stark ist das Recht auf Privatsphäre im Netz?

In dieser Frage hatte sich Apple zuletzt mit der US-Ermittlungsbehörde FBI angelegt. Im Kern ging es bei dem Aufsehen erregenden Streit um das iPhone eines Attentäters. Das US-Justizministerium wollte Apple auf dem Gerichtsweg dazu zwingen, den Behörden beim Aushebeln des Passwortschutzes behilflich zu sein.

Vorherrschaft im Internet

Apple lehnte das mit Verweis auf den Datenschutz kategorisch ab. Konzern-Chef Tim Cook kündigte an, in der Sache zur Not bis zum Obersten Gerichtshof zu ziehen. Das FBI kam schließlich mit Hilfe eines externen Dienstleisters an die Daten heran, das Verfahren gegen Apple wurde damit hinfällig. Die Debatte um Hintertüren und Zugriffsrechte für Justiz und Geheimdienste lässt die Branche seitdem jedoch nicht mehr los.

Zeitweise schien das Thema Datenschutz sogar zum Dauerbrenner im US-Präsidentschaftswahlkampf zu werden. Der republikanische Bewerber Donald Trump ging dabei sogar so weit, seine Anhänger zu einem Apple-Boykott aufzurufen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema