Wirtschaft

Elendscocktail für Simbabwe Wie aus Hyperinflation Hungersnot wird

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Wegen Dürre und Hyperinflation kehrt der Hunger nach Simbabwe zurück.

(Foto: REUTERS)

Im Armenhaus von Afrika addieren sich Wirtschaftskollaps und Wetterchaos zur Katastrophe: Simbabwe droht die schlimmste Hungersnot aller Zeiten. Schon bald könnten Zustände wie in Venezuela herrschen.

Was ist schlimmer: Wenn eine furchtbare Dürre die Ernte eines ganzen Landes vernichtet? Oder wenn die Wirtschaft eines Landes zusammenbricht, so dass die Regierung kein Geld hat, um Lebensmittel im Ausland einzukaufen? Für die Menschen in Simbabwe stellt sich diese Frage nicht. Denn sie ereilt beides gleichzeitig: Durch den beispiellosen Wirtschaftscrash und verheerende Unwetterfolgen könnte das Land schon bald zum Venezuela Afrikas werden.

Simbabwe steht die schlimmste Hungersnot aller Zeiten bevor. Bis Januar werden dem südafrikanischen Land wahrscheinlich die Maisvorräte ausgehen und rund 60 Prozent der Bevölkerung wird nicht genug zu essen haben, warnt das Welternährungsprogramm (WFP) der Uno. Engpässe bei der Lebensmittelversorgung gibt es in Simbabwe zwar schon seit Jahrzehnten: Im Welthungerindex des WFP rangiert das Land auf Platz 107 von 119, fast die Hälfte der Einwohner ist unterernährt.

Doch diesmal wird das Problem wohl nicht auf die Landbevölkerung beschränkt bleiben: 3 Millionen der 8,5 Millionen von Hunger bedrohten Menschen leben in Städten, zitiert "Bloomberg" Eddie Rowe, den WFP-Direktor in Simbabwe. "Es werden viel mehr Menschen in Simbabwe hungern als jemals zuvor", sagt Rowe. "In der Vergangenheit haben die Alarmglocken in urbanen Gegenden nicht geklingelt."

Mit 70 Prozent Zinsen gegen den Crash

Eine schwere Dürre hat die Ernte des Landes weitgehend ausgelöscht, zudem hat der Zyklon "Idai", der im März Mosambik verwüstete, auch auf den Feldern Simbabwes schwere Schäden angerichtet. Verschlimmert wird die humanitäre Katastrophe noch durch den beispiellosen Wirtschaftskollaps des Landes.

Die Hyperinflation ist wieder auf dem Vormarsch: Inzwischen ist die jährliche Teuerungsrate auf 288 Prozent geklettert, die Zentralbank hat die Zinsen auf unvorstellbare 70 Prozent hochgeschraubt, um die Preisexplosion abzuwürgen - vergeblich. Ursache für die Wirtschaftskrise ist die Währungspolitik: Um vom starken Dollar unabhängig zu werden und die Wirtschaft anzukurbeln, hatte die Regierung im Februar die feste Dollar-Bindung aufgegeben und den Simbabwe-Dollar wieder eingeführt.

Der hat seitdem mehr als 80 Prozent seines Werts verloren. Selbst die Währungskrise in Argentinien wird im Vergleich dazu zur Petitesse. Nur in Venezuela, wo die offizielle Statistik faktisch eingestellt worden ist, galoppiert die Inflation weltweit noch stärker und verfällt die Währung noch schneller. Erinnerungen an die dunkelsten Stunden von Simbabwes Geschichte werden wach, als die Teuerungsrate unter dem kürzlich verstorbenen Diktator Robert Mugabe auf über 500 Milliarden Prozent explodierte.

Simbabwe kann sich keine Vorräte leisten

Für die hungernden Menschen in Simbabwe, wo die meisten Waren ohnehin importiert werden, ist der Währungscrash verheerend: Dem Land fehlen dadurch Kaufkraft und Devisen, um Lebensmittelvorräte gegen die drohende Hungersnot im Ausland einzukaufen. "Die Dürre hat die Situation noch verschlechtert", zitiert "Bloomberg" einen Ökonomen der Analysefirma NKC African Economics. Sie werde sich "bis zu dem Punkt verschlimmern, wo Simbabwe ausländische Hilfslieferungen braucht".

Laut Informationen der Finanzagentur hat Simbabwe versucht, 750.000 Tonnen Mais auf dem Weltmarkt einzukaufen, um seine Vorräte aufzufüllen. Die Order scheiterte offenbar aber daran, dass sich die Regierung mit den Bietern nicht auf einen Preis einigen konnte, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider. Stattdessen sollen 150.000 Tonnen Mais aus Südafrika gekauft worden sein. Laut Analysten könnte das Land aber bis zu eine Million Tonnen Mais benötigen.

Die Zeit arbeitet gegen Simbabwe: Wegen der maroden Infrastruktur und ohne direkten Zugang zum Meer werden Hilfslieferungen Wochen brauchen, um zu den hungernden Menschen zu gelangen. Die meisten Lebensmittel müssen von Häfen in Simbabwes Nachbarländern per LKW herangeschafft werden. Auch andere südafrikanischen Ländern wie Malawi oder Namibia könnten auf Hilfslieferungen angewiesen sein, schätzt WFP-Direktor Rowe. Simbabwe aber werde am härtesten getroffen: "Der Unterschied ist die Wirtschaft", sagt Rowe zu Bloomberg.

Quelle: n-tv.de

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