Wirtschaft

Spielfeld um Macht und MillionenWie ein Milliardär Trumps Grönland-Ambitionen befeuerte

19.01.2026, 15:52 Uhr
imageVon Juliane Kipper
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US-Präsident Trump und Kosmetikerbe Lauder verbindet eine lange Freundschaft. (Foto: AP)

In der Arktis geht es um mehr als nur Geopolitik: Trumps Grönland-Pläne sind eng verwoben mit den wirtschaftlichen Interessen eines alten Freundes des Präsidenten. Dieser hat in der Vergangenheit nicht gerade mit finanzieller Unterstützung gegeizt.

US-Präsident Donald Trump hält unbeirrt an seinem Vorhaben fest, Grönland unter US-Kontrolle bringen zu wollen. Die weltgrößte Insel ist für Washington nicht zuletzt wegen ihrer bislang kaum genutzten Rohstoffvorkommen von strategischem Interesse.

Inspiriert zu dem Schritt hat Trump einem "Guardian"-Bericht zufolge ein alter Freund: Ronald S. Lauder. Der Erbe des Kosmetikkonzerns Estée Lauder soll Trump demnach bereits in seiner ersten Amtszeit im Jahr 2018 vorgeschlagen haben, die Insel zu kaufen. Das berichtet der ehemalige nationale Sicherheitsberater John Bolton der Zeitung. Im Anschluss an ein Gespräch mit Lauder habe ein Team des Weißen Hauses schon damals Möglichkeiten ausgelotet, wie die USA ihren Einfluss in Grönland erweitern könnten. Das Vorgehen ist laut Bolton typisch für den US-Präsidenten: "Informationen, die er von Freunden hört, nimmt er für bare Münze, und man kann ihn nicht von seiner Meinung abbringen", zitiert ihn der "Guardian".

Trump und Lauder verbindet eine lange Freundschaft. Beide haben in den 60er Jahren die renommierte Wharton Business School besucht. Eine Verbindung, die sich auszahlt: Als Trump das erste Mal zur US-Präsidentschaftswahl antrat, unterstützte Lauder ihn mit einer Spende in Höhe von mehr als einer Million US-Dollar. Das Vermögen von Lauder wird aktuell auf rund 4,9 Milliarden Dollar geschätzt. Als 2018 Trumps geistige Zurechnungsfähigkeit in Frage gestellt wurde, sprang Lauder ihm zur Seite und bezeichnete den US-Präsidenten als "einen Mann von unglaublicher Weitsicht und Intelligenz."

Diese Loyalität wurde zeitweise ernsthaft auf die Probe gestellt, als Trump nicht mehr im Amt war. Die enge Verbundenheit geriet 2022 ins Wanken, als der rechtsextreme Agitator Nick Fuentes zu Besuch in Mar-a-Lago war. Lauder, der den jüdischen Weltkongress leitet, verurteilte das Treffen mit Trump scharf: "Nick Fuentes ist ganz einfach ein virulenter Antisemit und Holocaustleugner", sagte er. "Es ist unvorstellbar, dass sich jemand mit ihm abgibt." Als Trump schließlich erneut ins Weiße Haus einzog, nahm Lauder seine finanzielle Unterstützung trotzdem wieder auf. Im März 2025 spendet der Milliardär fünf Millionen Dollar an die Fundraising-Organisation Maga Inc.

In einem Meinungsbeitrag für die "New York Post" schrieb Lauder einen Monat vorher: "Trumps Grönland-Konzept war niemals absurd – es war strategisch." Aus seinem wirtschaftlichen Interesse an Grönland macht er in dem Beitrag keinen Hehl: "Unter dem Eis und den Felsen verbirgt sich ein Schatz an seltenen Erden, die für KI, fortschrittliche Waffen und moderne Technologie unverzichtbar sind. Mit dem Rückgang des Eises entstehen neue Seewege, die den globalen Handel und die Sicherheit neugestalten." Da Grönland "im Epizentrum des Wettbewerbs der Großmächte" liege, sollten die USA eine "strategische Partnerschaft" anstreben, argumentierte Lauder. Er fügte hinzu: "Ich arbeite seit Jahren eng mit führenden Vertretern der Wirtschaft und Regierung Grönlands zusammen, um dort strategische Investitionen zu entwickeln."

Auffällig ist dabei: Lauders politische Unterstützung für Trumps Grönland-Pläne überschneidet sich mit seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen. Seitdem der Kosmetikerbe 2018 Trumps Aufmerksamkeit auf Grönland gelenkt hat, scheint er selbst viel Geld in das rohstoffreiche Territorium im Nordatlantik gesteckt zu haben. Laut der dänischen Zeitung Politiken investierte der 81-Jährige in ein lokales Unternehmen zur Abfüllung von Süßwasser und engagiert sich über Greenland Development Partners, ein Konsortium mit Sitz in den USA, für den Bau eines Wasserkraftwerks am größten See Grönlands.

Noch ist unklar, welche Auswirkungen eine Übernahme Grönlands durch die USA auf Lauders wirtschaftliche Interessen haben könnte. Laut dem Arktis-Sicherheitsexperten Marc Jacobsen von der Königlich Dänischen Verteidigungshochschule dürften Lauders Investitionen "keine wirtschaftliche Substanz" haben. "Wichtig ist hier die enge Verbindung zu den grönländischen Entscheidungsträgern. Es geht um Strategie und die Erlangung von Kontrolle", zitiert "Forbes" den Experten.

Eines ist allerdings sicher: Lauder ist als Investor in Grönland in bester Gesellschaft. Auch Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg sind auf der Insel aktiv. Hinzu kommt: Es wäre nicht das erste Mal, dass Lauder von seiner Nähe zu Trump profitiert. Erst kürzlich hat er den Zuschlag für die Ausbeutung einer großen staatseigenen Lithiumlagerstätte in der Ukraine erhalten.

Quelle: ntv.de

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