Wirtschaft

Eigener Streaming-Dienst Wie sich RTL von Netflix abgrenzen will

DSC03694.JPG

Mit eigenen Inhalten den Heimatmarkt bedienen: Diese Strategie verkündet Jan Wachtel (r.) für TVNOW.

(Foto: Kai Stoppel)

Die Mediengruppe RTL will sich mit "einheimischen Inhalten" im Wettbewerb der Streaming-Dienste behaupten. Erfolgreiche Fernsehformate wie "GZSZ" sollen dabei helfen und Abonnenten ins eigene Streaming-Portal TVNOW locken.

Den Streaming-Diensten scheint die Zukunft zu gehören: Auch die Mediengruppe RTL Deutschland mischt mit ihrem Streaming-Dienst TVNOW auf dem Markt mit. Doch wie will sie sich gegen die Platzhirsche Netflix und Amazon Prime in Zukunft behaupten?

Jan Wachtel, Geschäftsführer digitale Medien & journalistische Inhalte bei der Mediengruppe RTL, stellt klar, dass er die Branchengrößen nicht als direkte Konkurrenten betrachtet. "Bei Netflix, Amazon, Apple und Disney sprechen wir über globale Produkte für ein globales Publikum. Wir glauben hingegen, dass unsere Stärke einheimische Inhalte sind", sagte er am Freitag auf der Digital-Konferenz Noah in Berlin.

Denn Wachtel ist überzeugt, dass die Menschen sich auch für Produktionen aus ihrer Heimat interessieren: "Sie mögen einheimische Schauspieler und einheimische Geschichten", so Wachtel. Daher sei ein Angebot wie TVNOW kein Ersatz von Netflix und Co., sondern eine Ergänzung. "Wir beobachten bereits heute, dass Menschen in den USA und in anderen europäischen Ländern mehr als nur einen Streaming-Dienst abonnieren." Es sei also kein Markt, wo es nur einen Gewinner geben wird.

Aber kann man mit Fernsehinhalten, wie sie die Mediengruppe RTL produziert, auch Abonnenten zu einem Video-on-Demand-Portal locken? Wachtel hat da wenig Zweifel: "Wenn ich mir anschaue, wie viele Menschen 'Gute Zeiten, schlechte Zeiten' sehen - das ist eine große, bedeutende Marke in Deutschland. Und wir bekommen viele Abonnenten durch dieses Free-TV-Format." Er hält es zudem für einen Fehler, in Video-on-Demand- und Fernsehinhalte zu unterscheiden. "Ich glaube vielmehr, dass es gute Inhalte und schlechte Inhalte für eine bestimmte Zielgruppe gibt."

"Müssen massiv in Technologie investieren"

Die große Herausforderung für alle Medienprodukte sei es, die Inhalte individuell anzupassen, so Wachtel – "egal, ob es Musik oder Streaming-Videos sind". Allerdings müsse dafür auch massiv in Technologie investiert werden. Gemeinsam mit anderen Video-on-Demand-Angeboten der RTL Group (Gesellschafter der Mediengruppe RTL), etwa in den Niederlanden, in Frankreich und Kroatien, werde man die Kräfte bündeln, um die Technologie für Video-on-Demand weiterzuentwickeln.

Auch der Medienkonzern ProSiebenSat.1 geht derzeit mit seinem Streamingdienst Joyn an den Start -  neben den Inhalten des ProSieben-Konzerns sind dort etwa auch öffentlich-rechtliche Sender live abrufbar. Raum für eine Kooperation mit dem Konkurrenten sieht Wachtel aktuell jedoch nicht: "Im Augenblick konzentrieren wir uns sehr auf Inhalte und haben ein Inhalte-Produkt." Joyn hingegen sei eher ein Sammel-Produkt - zwei völlig unterschiedliche Ansätze. Zudem sei der Markt noch jung und wachse schnell. "Wir sollten uns jetzt Marktanteile sichern, bevor wir über Konsolidierung und Joint Ventures sprechen", so Wachtel.

Der Fernsehsender n-tv gehört zur Mediengruppe RTL

Quelle: n-tv.de, kst

Mehr zum Thema