Wirtschaft

Erste Tarifrunde nach WeselskyWie viel Lokführer verdienen

10.01.2026, 09:04 Uhr Christina-LohnerVon Christina Lohner
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Ein Lokführer in einem ICE 4. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Deutsche Bahn und ihre Lokführer verhandeln wieder über mehr Gehalt. Streiks soll es vorerst nicht geben. Ordentlich krachen dürfte es aber auch in diesen Tarifverhandlungen.

In Bezug auf Streiks gilt für die Lokführer der Bahn noch bis Ende Februar die Friedenspflicht. Friedlich dürfte es bis dahin trotzdem nicht zugehen in den Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn (DB), die in dieser Woche begonnen haben. Die Tarifparteien widersprechen sich schon bei der Ausgangsbasis: der bisherigen Gehaltshöhe.

So gibt die Bahn das aktuelle Gehalt ihrer Lokführer inklusive Zulagen, etwa für den Schicht- und Wochenenddienst, bei einer 39-Stunden-Woche nach dem GDL-Tarifvertrag mit durchschnittlich rund 55.700 Euro brutto im Jahr an - umgerechnet gut 4600 Euro pro Monat. Je nach Berufserfahrung und Tätigkeit beträgt die Gehaltsspanne bei 39 Wochenstunden inklusive Zulagen 52.000 bis 61.000 Euro im Jahr, wie ein DB-Sprecher ntv.de erläutert. Monatlich gerechnet wären das gut 4300 bis fast 5100 Euro.

Die GDL teilt diese Berechnung nicht, wie ein Pressereferent auf ntv.de-Anfrage mitteilt: "Wenn diese Zahlen stimmen, wären unsere Forderungen nahezu erfüllt." Die Gewerkschaft fordert insgesamt 8 Prozent mehr Geld, davon 3,8 Prozent über eine Gehaltserhöhung. Der Rest soll über Änderungen in der Tarifstruktur, etwa eine neue Tarifstufe oder höhere Zulagen, erzielt werden.

3300 bis 4250 Euro Grundgehalt plus Zulagen

Bisher beginnen die Grundgehälter laut Tarifvertrag bei etwa 3550 Euro brutto im Monat, nach fünf Berufsjahren gibt es knapp 100 Euro mehr. In der höchsten Entgeltgruppe mit mehr als 30 Berufsjahren beträgt das Grundgehalt rund 4080 Euro. Hinzu kommen jeweils die Zulagen.

Außerdem variiert die Vergütung auch je nach Tätigkeit. Wer etwa regelmäßig ins Ausland steuert, verdient mehr: Bei Auslandslokomotivführern beträgt die Spanne des Grundgehalts je nach Berufserfahrung gut 3700 bis knapp 4250 Euro. Rangierlokführer, die nur innerhalb von Bahnhöfen am Steuer sitzen, kommen dagegen nur auf gut 3300 bis rund 3850 Euro Grundgehalt.

Auch die Arbeitszeit wirkt sich entscheidend auf die Entlohnung aus. In der vergangenen Tarifrunde vor zwei Jahren hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, dass die Lokführer individuelle Wochenarbeitszeiten wählen können - bei einer Vollzeitstelle von 35 bis 40 Stunden pro Woche. Bei 35 Stunden kommen Lokführer mit sechs Jahren Berufserfahrung nach Angaben der GDL auf rund 3640 Euro Grundgehalt, bei 36 Stunden sind es knapp 3750 Euro. 40 Wochenstunden ergeben demnach rund 4160 Euro.

Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg lag der mittlere Jahresverdienst von Vollzeitbeschäftigten laut Statistischem Bundesamt 2024 bei knapp 52.200 Euro brutto - die Hälfte verdiente mehr, die Hälfte weniger. Auf den Monat umgerechnet sind das 4350 Euro. Das durchschnittliche Jahresgehalt einschließlich Sonderzahlungen lag bei gut 62.200 Euro, also knapp 5200 Euro monatlich und damit deutlich über dem Durchschnittsgehalt von Lokführern.

Mittlere Gehälter deutlich niedriger als Durchschnittswerte

Diese Zahlen zeigen, dass Durchschnittswerte Gehaltsangaben verzerren. Die sogenannten Mediangehälter liegen deutlich darunter, das sind die mittleren Gehälter: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Gehaltsvergleichsportale kommen auf deutlich niedrigere Werte für Lokführer als die Bahn, dabei fließen allerdings auch die Löhne bei anderen Arbeitgebern ein. Stepstone hat ein Mediangehalt von jährlich knapp 43.000 Euro berechnet, auf den Monat gerechnet wären das weniger als 3600 Euro. Die Arbeitsagentur nennt für die Berufsgruppe, in die Lokführer fallen, ein mittleres Gehalt von knapp 4000 Euro.

Auch innerhalb der Deutschen Bahn gelten unterschiedliche Regelungen. Denn mit der GDL konkurriert eine weitere Gewerkschaft: Mit der größeren EVG schließt die Bahn ebenfalls Tarifverträge. In ihren Tochterunternehmen ist jeweils der Vertrag der Gewerkschaft, die dort die meisten Mitglieder hat, gültig. Größere Gehaltsunterschiede ergeben sich daraus für Lokführer laut dem DB-Sprecher nicht, allerdings sind demnach Unterschiede bei Arbeitszeit und Urlaub möglich.

Die GDL-Tarifverträge gelten nicht nur für Lokführer, sondern unter anderen auch für Zugbegleiter, insgesamt für rund 10.000 und damit etwa fünf Prozent aller DB-Mitarbeiter. Von den insgesamt etwa 20.000 Lokführerinnen und Lokführer der Bahn sind zudem noch rund 1900 verbeamtet. Ihre Besoldung kommt nach Angaben des Sprechers jedoch nicht vom Konzern, sondern aus dem Bundeseisenbahnvermögen.

Der frühere GDL-Chef Claus Weselsky war berühmt-berüchtigt für einen scharfen Ton in Verhandlungen und längere Streiks. Sein Nachfolger Mario Reiß zeigte sich vorerst zuversichtlich, dass in den laufenden Verhandlungen eine Lösung bis Ende Februar möglich ist. Ein weiterer wirtschaftlicher Schaden für den kriselnden Konzern soll demnach vermieden werden. Hundertprozentig aufatmen können Bahnfahrer allerdings nicht. Die Gewerkschaft sei nur ein Teil der Gespräche, so Reiß. "Unser Verhandlungspartner wird darüber entscheiden, ob wir jemals über Streik reden in dieser Tarifrunde."

Quelle: ntv.de

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