Wirtschaft

Suche nach Alternativen läuft Wirecard-Kunden bekommen kalte Füße

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Die Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters in Aschheim.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der asiatische Uber-Konkurrent Grab und der französische Telekomkonzern Orange gehören zu den ersten Geschäftspartnern, die sich von Wirecard abwenden. Aldi Süd in Deutschland und andere sind noch unentschlossen. Die Zukunft des Konzerns hängt davon ab, ob sie bei der Stange bleiben oder nicht.

Die geschäftliche Lage für Wirecard spitzt sich zu: Mit dem Uber-Konkurrenten Grab kehrt erstmals ein prominenter Kunde Wirecard den Rücken. Das wertvollste asiatische Startup erklärte, seine geplante Partnerschaft bis auf weiteres auf Eis zu legen. "Wir haben noch nicht mit den Integrationsarbeiten für die Wirecard-Partnerschaft begonnen und unterbrechen die Partnerschaft bis auf Weiteres", sagte ein Grab-Sprecher in Singapur. Eine Vereinbarung, dass Wirecard Zahlungen für Grab abwickeln sollte, war im März getroffen worden.

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Laut der US-Finanzagentur Bloomberg will der französische Telekomkonzern Orange SA ebenfalls die Zusammenarbeit aufkündigen. Er werde in Kürze auf einen neuen Zahlungsdienstleister für seine Tochter Orange Bank umschwenken, heißt es unter Berufung auf Insider. Ein Orange-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Die Zusammenarbeit beider Firmen reicht mindestens bis 2013 zurück.

Die Londoner Onlinebank Revolut Ltd. hat sich laut Bloomberg ebenfalls entschieden, Kunden auf einen anderen Anbieter umzustellen, um Probleme beim Service zu vermeiden. Die niederländische Fluggesellschaft KLM prüft nach Angaben eines Sprechers derzeit noch die Lage. Ebenso Aldi Süd in Deutschland.

Beobachter erwarten, dass weitere Kunden, wie beispielsweise das schwedische Möbelhaus Ikea oder der US-Paketdienstleister Fedex, dem Beispiel folgen werden. Dass Kunden sich abwenden, unterstreicht die Dringlichkeit für Interimschef James Freis, Antworten auf die Vorwürfe im milliardenschweren Bialanzskandal zu finden. Wirecard verfügt über Lizenzen bei Mastercard, Visa und JCB International, über die der Bankensektor seine Kreditkarten ausstellt. Wenn Wirecard die Lücke von 1,9 Milliarden Euro, die in den Bilanzen klafft, nicht bald schließen kann, könnten die Kartenunternehmen ihre Lizenzen widerrufen. "Ohne diese haben sie kein Geschäft", zitiert Bloomberg den Mirabaud-Analysten Neil Campling.

Wirecard hat über 300.000 Firmenkunden

Von der Bereitschaft der Kunden bei der Stange zu bleiben, hängt also die Zukunft des Konzerns ab. Laut Unternehmensangaben hat Wirecard 313.000 Firmenkunden. Die Gespräche mit Gläubigerbanken zur Rettung des Unternehmens laufen auf Hochtouren. Die Geldinstitute versuchen unter Hochdruck, sich einen Überblick im milliardenschweren Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister zu verschaffen.

Wirecard hat für seine auslaufende Kreditlinie zumindest einige Tage Aufschub erhalten, wie dpa von Insidern erfuhr. Die Institute hätten sich entschieden, zunächst die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens zu prüfen, bevor sie die ausstehende Summe von 1,75 Milliarden Euro zurückfordern, heißt es in Finanzkreisen.

Die Finanzaufsicht Bafin geht offenbar inzwischen davon aus, dass die Bilanzen für die Jahre 2016 bis 2018 falsch sein könnten. Sie hat daher ihre Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation erweitert. Ein Sonderbeauftragter wacht derweil bei der Wirecard Bank AG darüber, dass die Gelder des Instituts nicht zum Stopfen der Finanzlöcher beim Mutterkonzern Wirecard genutzt werden.

Quelle: ntv.de, ddi/rts