Wirtschaft

Engpässe bremsen Produktion Wirtschaft bekommt Aufträge nicht abgearbeitet

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Die Baubranche produzierte 2,6 Prozent weniger. Vielfach fehlte Holz.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Die deutschen Unternehmen haben gut gefüllte Orderbücher. Doch es fehlen Waren und Rohstoffe. Und so stellen die Firmen den dritten Monat in Folge weniger her. Ökonomen warnen vor einer Gefahr für den Aufschwung.

Trotz prall gefüllter Auftragsbücher hat die deutsche Wirtschaft im Juni wegen Materialengpässen erneut auf die Produktionsbremse treten müssen. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,3 Prozent weniger her als im Vormonat. Dies war bereits der dritte Rückgang in Folge, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Der Rückschlag kommt unerwartet: Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet. Eine rasche Trendwende ist nicht in Sicht, denn einer Ifo-Umfrage zufolge schraubte die Industrie ihre Produktionserwartungen im Juli weiter zurück.

"Maßgeblich waren Versorgungsengpässe bei Halbleitern vor allem im Automobilbereich, die auch aktuell noch Probleme bereiten", erklärte das Ministerium das Minus. "Im Baugewerbe ging die Bremswirkung von einer Knappheit von Bauholz aus, die allerdings bald überwunden sein könnte." Ökonomen schätzen das ähnlich ein.

"Die Industrie bekommt auch im Juni ihre PS nicht auf die Straße", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, doch die Produktion kann davon nicht in vollem Umfang profitieren."

Das werde mehr und mehr zur Gefahr für den Aufschwung, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Nicht nur für die Industrie und das Baugewerbe, sondern inzwischen auch für die Konjunktur insgesamt." Aktuell könnten dies noch Handel und Dienstleister kompensieren. Die seien dabei, die Lockdown-Folgen hinter sich zu lassen. "Doch diese Sonderkonjunktur wird nicht ewig währen", sagte Scheuerle.

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Die Industrieproduktion allein schrumpfte diesmal um 0,9 Prozent. Am Bau gab es einen Rückgang von 2,6 Prozent, die Energieerzeugung sank 0,6 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Corona-Einschränkungen, lag die gesamte Produktion um 6,8 Prozent niedriger.

Die Industrie hat derzeit dick gefüllte Auftragsbücher. Allein im Juni legten die Bestellungen mit 4,1 Prozent zum Vormonat so kräftig zu wie seit zehn Monaten nicht mehr. Vielfach können sie nicht abgearbeitet werden angesichts akuter Engpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Mikrochips. In der gesamten Industrie geben fast zwei Drittel der Unternehmen an, dass ihnen Engpässe zu schaffen machen, wie das Ifo-Institut in seiner Firmenumfrage herausfand. Die deutsche Industrie hat ihre Produktionserwartungen etwas gesenkt. Das entsprechende Barometer fiel im Juli um 5 auf 22 Punkte, wie das Ifo-Institut ermittelte. Das ist aber noch immer ein sehr hoher Wert im langjährigen Vergleich.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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