Ifo-Index stagniert"Wirtschaft ohne Schwung" - US-Zolldrohungen zeigen Wirkung

In den deutschen Chefetagen herrscht weiter kein Optimismus. Allerdings hellt sich zu Jahresbeginn die Stimmung im Bau etwas auf. Bei den Dienstleistern jedoch ziehen Wolken auf. Die Hoffnungen ruhen nun auf den gigantischen Krediten des Bundes.
Die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Unternehmen bleibt zum Jahresanfang überraschend gedämpft. "Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung ins neue Jahr" sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Firmen blickten etwas weniger skeptisch auf ihre Lage als zuletzt, bewerteten ihre Aussichten aber leicht ungünstiger.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex verharrte im Januar auf dem Vormonatswert von 87,6 Punkten. Ökonomen hatten nach zwei Rückgängen in Folge mit einem Anstieg gerechnet. Befragt wurden gut 9000 Manager.
Während die lange schwächelnde Industrie Boden gutmachen konnte, trübte sich die Stimmung bei den Dienstleistern ein. "Auch im Tourismus kühlte das Geschäftsklima merklich ab", hieß es. Im Einzel- und Großhandel sowie am Bau ging es etwas bergauf.
Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe erklärte, der Dienstleistungsbereich habe einen Anstieg beim gesamten Geschäftsklima verhindert. "Die deutsche Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr", sagte der Experte. Vom Außenhandel kämen kaum Impulse.
"Zwar konnte eine Bruchlandung der Unternehmensstimmung aufgrund der Rücknahme der Zolldrohung durch die USA vermieden werden, doch sie scheint Spuren hinterlassen zu haben", sagte Deka-Analyst Andreas Scheuerle. Spätestens jetzt werde klar, dass die USA Zölle nicht mehr nur zum Erreichen ökonomischer Ziele einsetzten, sondern zunehmend auch, um geopolitische Positionen durchzusetzen. "Unsicherheit ist die Folge." Die Hoffnungen ruhten damit einmal mehr auf den von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Reformen.
Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB sprach von einem "Trauerspiel", die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) von einer "Nullnummer zum Jahresauftakt". Man müsse in den kommenden Wochen mit mehr Enttäuschungen bei den Konjunkturdaten rechnen, nachdem es seit Jahresbeginn viele positive Überraschungen gegeben habe, erklärte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch.
Die Wirtschaft ist nach Ansicht der Bundesbank mit wenig Dynamik ins Jahr gekommen und dürfte von Januar bis März nur verhalten zulegen. Wie aus dem Monatsbericht der Zentralbank hervorgeht, dürfte die Lockerung der Haushaltspolitik im Jahresverlauf aber voraussichtlich für stärkeren Auftrieb sorgen. Ökonomen trauen der Wirtschaft 2026 rund ein Prozent Wachstum zu, vor allem wegen der staatlichen Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.
Auch die bundesweiten Sparkassen rechnen für die Wirtschaft 2026 mit rund einem Prozent Wachstum. "Gleichzeitig bleibt der Aufschwung fragil", warnte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Ulrich Reuter. "Ein erheblicher Anteil kommt aus staatlichen Sonderausgaben – und damit aus einer Sonderkonjunktur, die strukturelle Probleme nicht löst." Die Politik müsse hausgemachte Standortprobleme angehen und Bürokratie abbauen sowie Genehmigungsprozesse beschleunigen. Zudem müsse die Gesellschaft "Bequemlichkeiten aufgeben" und sich bewegen.
Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie erwartet nach drei schwierigen Jahren mit Stagnation und Rückgängen 2026 erstmals wieder Wachstum. "Die Branche hat sich stabilisiert. Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von zwei Prozent", sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel. 2025 sei zumindest besser gelaufen als gedacht. In den ersten elf Monaten 2025 habe es ein Produktionsminus von 0,5 Prozent gegeben. Befürchtet worden sei hier ursprünglich ein Rückgang von zwei Prozent.