Wirtschaft

Lukrativer Hypotheken-Boom Wo Banken Kunden fürs Geldleihen bezahlen

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Idylle mit Negativzins: Zumindest beim Hypothekengeschäft profitieren die Banken von dem niedrigen Zinsniveau in Dänemark.

(Foto: imago/Dean Pictures)

Die gesamte Finanzbranche stöhnt über negative Zinsen. In Dänemark, wo sie noch niedriger sind als im Euroraum, bezahlen Banken sogar Hausbesitzer fürs Geldleihen - und verdienen prächtig daran.

"Langfristig", klagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gerade wieder einmal, "ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem." Allein seine, die größte deutsche Bank müsse wegen der negativen Zinsen für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einen dreistelligen Millionenbetrag zahlen. Ähnliche Klagen kamen in den vergangenen Tagen und Wochen von hochrangigen Vertretern der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Im Zins-Beschwerdechor der Finanzbranche geht jedoch unter, dass manche Banken in einigen Geschäftsbereichen gerade wegen der niedrigen Leitzinsen hohe Gewinne einfahren.

Wie das geht, ist gerade in Dänemark zu beobachten. Dänemark, das nicht zur Eurozone gehört, war das erste Land in Europa, dessen Zentralbank den Einlagensatz unter Null senkte. Seit 2012 - mit einer kurzen Unterbrechung - sind die dänischen Banken schon gewohnt, dafür zu zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken möchten. Während auch die dänischen Banken klagen, dass sie diese Kosten kaum an die Sparer weitergeben können, verdienen sie in einem anderen Bereich dank des niedrigen Zinsniveaus deutlich mehr. Denn immer mehr Dänen schließen neue Hypothekenverträge ab.

Laut einer Schätzung der größten Bank des Landes, die Dankse Bank, könnten die Bankkunden in diesem Jahr neue Hypotheken im Wert von umgerechnet mehr als 60 Milliarden Euro abschließen, zum Großteil, um alte Kredite durch neue mit niedrigen oder gar negativen Zinsen zu ersetzen. Vor wenigen Wochen erregte die Jyske Bank internationales Aufsehen, als sie als erste zehnjährige Hypotheken mit negativen Zinsen anbot. Das heißt, die Gläubiger müssen für ihren Hauskredit weniger zurückzahlen, als sie sich ursprünglich ausgeliehen haben. Andere Banken bereiten Berichten zufolge schon Hypotheken mit für 30 Jahre garantierten Negativzinsen vor.

Gebühren lassen Kasse klingeln

Möglich und lukrativ für die Banken werden solche Angebote durch die Negativzinsen am Anleihemarkt. Die dänischen Banken verleihen bei den Hypotheken in der Regel nicht ihr eigenes Geld, sondern reichen die Schulden in Form von Anleihen an Investoren weiter. Und viele dieser Investoren sind derzeit bereit, Papiere mit negativen Zinsen zu kaufen. Die Banken wiederum verdienen bei diesem Modell ihr Geld weitgehend zinsunabhängig mit Gebühren, die sie für die Ausgabe der Anleihen und die Verwaltung der Hypotheken erheben. Nicht nur der Ansturm auf die Hypotheken lässt die Gebührenkassen klingeln. Die Banken haben ihre Preise in den vergangenen Jahren auch kräftig erhöht.

Klagen der Banken über die Last negativer Einlagezinsen, weist Dänemarks Notenbankchef Lars Rohde mit Blick auf die gesunden Gewinne der Branche unter anderen durch das Kreditgeschäft zurück. Laut Bloomberg haben die Banken des Landes seit Beginn der Negativzins-Phase 2012 umgerechnet rund 30 Milliarden Euro Gewinne ausgewiesen. An die Zentralbank mussten sie in dieser Zeit nur gut 530 Millionen Euro Strafzinsen überweisen.

Negative Hypothekenzinsen und einen vergleichbaren Ansturm wie in Dänemark erleben deutsche Banken bisher nicht. Doch auch hier berichten viele Banken, dass dieses und auch andere Kreditgeschäfte dank der niedrigen Zinsen durchaus zulegen. Aber nur wenige Institute schaffen es offenbar, entsprechend niedrige Zinsen zum Beispiel in Form von Anleihen an Investoren weiterzugeben und dadurch ihre Zinserlöse zu steigern.

Quelle: n-tv.de

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