Wirtschaft

Große regionale Unterschiede Wo Oligopole den Tankstellenmarkt beherrschen

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Seit Jahrzehnten lässt sich laut IW ein Konzentrationsprozess in Deutschland beobachten: Von den bundesweit etwa 46.000 Tankstellen im Jahr 1970 ist heute nur noch etwa ein Drittel übrig.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Deutschlandweit gibt es eine Vielzahl von Tankstellenbetreibern, eine marktbeherrschende Stellung hat niemand von ihnen. Eine Analyse aus Kreis- und Stadtebene ergibt aber ein ganz anderes Bild. In mehr als der Hälfte alle Regionen gibt es dem Institut der Deutschen Wirtschaft zufolge Oligopole.

In großen Teilen Deutschlands haben wenige Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung auf dem Tankstellenmarkt. Eine Auswertung von Marktdaten durch das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass in mehr als der Hälfte der Städte und Landkreise wenige Tankstellenbetreiber ein Oligopol innehaben. So kommen in 229 der 400 Kreis- und kreisfreien Städte entweder drei Betreiber auf mindestens 50 Prozent Marktanteil oder fünf Unternehmen auf zwei Drittel des Marktes. Das entspricht den Schwellenwerten für eine marktbeherrschende Stellung aus dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen.

Das Bundeskartellamt hatte jüngst festgestellt, dass der Wettbewerb unter den Tankstellen landesweit durchaus funktioniere. Zwar seien die Netto-Spritpreise - also abzüglich der Steuern - auffällig gestiegen, das liege aber am Abstand zwischen Rohölpreis und dem höheren Abgabepreis der Raffinerien, während die Tankstellen insgesamt die Preisimpulse ihrer Lieferanten nur weitergäben. Das Kartellamt stellte allerdings auch fest, dass das nicht im ganzen Land gelte. So sei die Preisanpassung infolge der Energiesteuersenkung zum 1. Juni regional unterschiedlich schnell erfolgt. Dies könne neben anderen Gründen an "unterschiedlichen wettbewerblichen Verhältnissen" liegen.

Diese Unterschiede im Wettbewerb sind laut der Analyse der IW-Ökonomen Jan Büchel und Christian Rusche erheblich. So kommen die drei - gemessen an der Zahl der Tankstellen vor Ort - größten Anbieter im Landkreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen auf einen Marktanteil von nur 27 Prozent. In Trier in Rheinland-Pfalz nahe der luxemburgischen Grenze teilen die größten drei dagegen 89 Prozent des Tankstellenmarktes unter sich auf, fünf Unternehmen stellen 100 Prozent. Die Kreise und Städte mit Tankstellenoligopolen sind über alle Bundesländer verteilt. Schwerpunkte mit hoher Marktkonzentration gibt es im Saarland und Rheinland-Pfalz, sowie im südlichen Nordrhein-Westfalen, im Westen von Hessen, im Osten Niedersachsens sowie im Norden und Osten Bayerns.

Deutschlandweit werden die Schwellenwerte des Wettbewerbsgesetzes nicht überschritten. Die drei größten Tankstellenbetreiber kommen nur auf einen Marktanteil von rund 35 Prozent, die fünf größten auf etwa 47 Prozent. Laut den IW-Ökonomen sind diese bundesweiten Werte aber nicht entscheidend. Denn für eine Person in Kiel sei eine Tankstelle in Freiburg keine Ausweichmöglichkeit zu Tankstellen in Kiel und damit nicht in ein und demselben räumlichen Markt. In ihrer Analyse betrachten sie die Zahl der Tankstellen als Maßstab für den Marktanteil. Auswertungen nach Umsatz oder Abgabemenge können zu anderen Ergebnissen kommen, da die Tankstellen großer Unternehmen oft größer sind und mehr Umsatz machen als kleinere freie Tankstellen.

Nicht beantworten kann die Analyse die Frage, inwieweit die Tankstellenbetreiber ihre regionale Marktmacht tatsächlich ausnutzen. Für die Preisunterschiede kann es eine Reihe von weiteren Gründen geben, etwa regional unterschiedliche Kosten für die Logistik und vor allem die Nähe zu Nachbarländern wie Luxemburg und Polen, in denen das Benzin teils deutlich billiger ist oder zumindest bis zum Tankrabatt war. Neben höheren Preisen könne mangelnder Wettbewerb auch zu anderen negativen Konsequenzen führen, schreiben die IW-Experten. Dazu gehören beispielsweise kürzere Öffnungszeiten.

Die Autoren weisen darauf hin, dass mit der Einrichtung der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt, von der auch die Daten für die Analyse stammen, bereits eine Maßnahme ergriffen worden sei, die den Wettbewerb auch bei wenigen Anbietern stärke. Die Transparenzstelle sammelt die Preise aller Tankstellen bundesweit in Echtzeit und stellt sie etwa den Anbietern von Tank-Apps zur Verfügung. Dadurch werden mögliche Preisunterschiede zwischen Tankstellen sichtbarer und auch wenige freie Tankstellen können die großen Anbieter unter Wettbewerbsdruck setzen.

Quelle: ntv.de

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