Wirtschaft

Jobbörse für Flüchtlinge Workeer bringt Migranten in Arbeit

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Aktuell bieten Unternehmen auf Workeer etwa 2300 Ausbildungen, Mini-Jobs und Festanstellungen an.

(Foto: dpa)

Mit einer Jobbörse wollen zwei Studenten aus Berlin Flüchtlingen helfen sich in Deutschland zu integrieren. Aus ihrer Abschlussarbeit ist inzwischen ein Fulltime-Job geworden. Sie selbst verdienen daran noch nichts.

Sobald das Studienende naht und es an das Verfassen der Abschlussarbeit geht, verbringen viele Studenten etliche Stunden in der Bibliothek und schreiben lange theoretische Abhandlungen. Praktisch nutzbar sind am Ende wenige davon. Mit dem Abschlussprojekt von David Jacob ist das anders. Der Kommunikations-Student der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin hat mit Workeer die erste Jobbörse für Flüchtlinge entwickelt. Das Portal will Migranten und Arbeitgeber zusammenführen und Flüchtlingen auf Jobsuche dabei helfen, eine Anstellung zu finden.

Gemeinsam mit seinem Co-Gründer Philipp Kühn arbeitet Jacob auch nach seinem Studienabschluss im vergangenen Jahr ehrenamtlich mit einem kleinen Team weiter an ihrem Projekt. "Momentan sind bei Workeer viele auf 450-Euro-Basis beschäftigt. Nur unseren beiden Webentwicklern können wir schon richtige Gehälter zahlen", sagt Jacob im Gespräch mit n-tv.de. Dabei ist das Timing für ihr Projekt eigentlich perfekt. Die Politik schenkt der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt immer mehr Aufmerksamkeit. Trotzdem glaubte am Anfang keiner der beiden daran, dass aus ihrer Abschlussarbeit später ein Fulltime-Job werden würde.

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Auf Workeer können Arbeitgeber Jobangebote hochladen und Flüchtlinge individuelle Profile erstellen. Darin geben sie Auskunft über ihr Herkunftsland, ihren aktuellen Wohnort, ihr Alter und vorhandene Sprachkenntnisse. Auch einen Lebenslauf mit Ausbildung, Studium und Arbeitserfahrung finden Arbeitgeber auf der Plattform. Aktuell sind ungefähr 10.500 Flüchtlinge und 4500 Firmen registriert. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen haben sich auf dem Portal angemeldet.

"Oft werden Hilfstätigkeiten gesucht. Also Aushilfsjobs in der Küche oder im Lager. Gleichzeitig gibt es aber auch viele hochqualifizierte Jobangebote für Bauingenieure und IT- Entwickler", sagt Jacob. Die spezielle Jobbörse nur für Flüchtlinge garantiere, dass arbeitssuchende Migranten bei potenziellen Arbeitgebern wirklich willkommen sind. Aktuell bieten Unternehmen auf Workeer etwa 2300 Ausbildungen, Mini-Jobs und Festanstellungen an. Bis Ende nächsten Jahres sollen es 10.000 sein.

Bürokratische Hürden überwinden

Eines der 4500 registrierten Unternehmen auf Workeer ist der IT-Berater Capgemini. "Zum einen hilft uns die neue Zielgruppe, unseren hohen Bedarf an Mitarbeitern zu decken. Zum anderen ist es aber ganz klar das Bedürfnis des Unternehmens, der Gesellschaft durch ihr Engagement etwas zurückzugeben", sagt die Diversity-Managerin Sissy Tongendorff des Unternehmens zu n-tv.de.

Klar sei aber auch: Ohne die Unterstützung von ganz oben hätte sich Capgemini nicht bei Workeer angemeldet. Die Initiative startete zeitgleich durch den Einsatz von Mitarbeitern und Management. "Das große Interesse unserer Kollegen bestätigt uns; außerdem wissen wir von einigen Mitarbeitern, dass sie durch die Bemühungen ihres Arbeitgebers selbst das Gefühl haben, sich indirekt an der Integration zu beteiligen".

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Andrea Nahles und Dacid Jacob auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Inzwischen hat Capgemini bereits vier Workeer-Bewerbern Praktikumsverträge angeboten. Bei drei von ihnen endete die Anstellung auf Zeit mit einem festen Arbeitsvertrag. Die oftmals verteufelten hohen bürokratischen Hürden, haben Tongendorff nicht abgeschreckt, Flüchtlinge einzustellen.

Im Endeffekt seien die Schwierigkeiten überschaubar gewesen. Probleme mit der Residenzpflicht und nicht vorhandenen Papieren habe es zwar schon gegeben. "Aber mit viel Geduld, langem Atem und klasse Kollegen sowohl hier im Unternehmen als auch auf Seite der Bundesagentur für Arbeit haben wir das geschafft." Vielleicht käme es aber auch darauf an, aus welcher Perspektive man die Herausforderungen betrachte. Dass die Einstellung nicht so einfach sei wie bei deutschen Bewerbern mit einem hiesigen Universitätsabschluss sollte dabei klar sein.

Nahles übernimmt Schirmherrschaft

Ein Jahr nachdem Jacob und sein Mitgründer Workeer gegründet haben, hat Arbeitsministerin Andrea Nahles im vergangenen Monat die Schirmherrschaft übernommen. "Projekte wie Workeer helfen bei der dringend benötigten Integration der vielen motivierten Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt", sagt die Ministerin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. "Ich bin für alle Initiativen, die auch die Arbeitgeberseite an Bord haben, absolut dankbar." Besonders wegen des wachsenden Fachkräftemangels seien solche Lösungen nötig.

Um den Erfolg zu steigern, will die Arbeitsministerin Workeer bei Flüchtlingen, Unternehmen und den Jobvermittlungen der Agentur für Arbeit in Zukunft noch bekannter machen. Für Workeer ändert die Schirmherrschaft einiges. "Allein der Rückenwind aus dem Arbeitsministerium hilft. Ganz konkret ermöglicht uns die Unterstützung von Andrea Nahles natürlich auch den Kontakt zu großen Unternehmen in die Wirtschaft", sagt Jacob.

Bislang konnte Workeer rund 60 Flüchtlinge vermitteln. Von einer erfolgreichen Anstellung erfahren Jacob und sein Team meistens aber eher durch Zufall. Deswegen sei die Zahl der vermittelten Flüchtlinge als Maßstab für den Erfolg der Börse nicht hilfreich. Das soll sich in Zukunft ändern. An Ideen, um das Portal zu verbessern, mangelt es nicht. Auch das Sprachangebot wollen Jacob und sein Team ausbauen. Doch die Übersetzung der Seite auf Englisch, scheiterte bislang am fehlenden Budget. "Hätten wir die Ressourcen könnten wir schon fünf Schritte weiter sein. Das ist unglaublich frustrierend", sagt Jacob.

Quelle: ntv.de