Wirtschaft

Vertrauensvorschuss für Trump ZEW-Index steigt stärker als erwartet

Donald Trump wird US-Präsident, und die Börsianer sehen dennoch gute Vorzeichen für die deutsche Wirtschaft. Mit dem ZEW-Index geht es in diesem Monat kräftig aufwärts. Die Anleger setzen auf Trumps Konjunkturprogramm.

Die institutionelle Anleger und Börsenprofis sehen die Wahl Donald Trumps nicht als unmittelbare Gefahr für das deutsche Wirtschaftswachstum. Der Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für Konjunkturerwartungen legte im November gegenüber dem Vormonat von 6,2 auf 13,8 Zähler zu. Der langfristige Mittelwert liegt bei 24 Punkten.

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Die ZEW-Konjunkturerwartungen steigen das vierte Mal in Folge.

(Foto: dpa)

Der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel, glaubt sogar an einen gegenteiligen Effekt. "Trump bekommt hierzulande Vorschusslorbeeren. Die Aussicht auf ein US-Konjunkturprogramm der Marke Trump beflügelt hierzulande die Wirtschaftsaussichten", erläuterte Gitzel das stärker als erwartete Plus. Die Unternehmen dürften darauf hoffen, sich eine Scheibe von höheren Staatsausgaben abschneiden zu dürfen.

Analysten hatten lediglich einen Anstieg auf 6,9 Punkte vorhergesagt. Das Konjunkturbarometer setzte damit seinen Aufwärtstrend fort. Dennoch liegt der aktuelle Stand noch unter dem Wert vor der Brexit-Abstimmung von 19,2 Zählern.

"Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind zum vierten Mal in Folge gestiegen, begünstigt durch positive Konjunkturzahlen aus den USA und China", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Entwicklung. Der Anstieg deute auf ein höheres Wachstum in den kommenden sechs Monaten hin.

Deutsche BIP-Zahlen für das dritte Quartal mager

Wambachs Einschätzung überrascht vor dem Hintergrund des nachlassenden Wachstums im dritten Quartal. Die größte Volkswirtschaft der Eurozone schaffte nur einen mageren Zuwachs von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Wenn der designierte Hausherr im Weißen Haus wirklich die Zollschranken herablassen sollte, dann würde der Handel für die deutschen Unternehmen im wichtigsten Auslandsmarkt erschwert. Bereits das Votum in Großbritannien, die EU zu verlassen, hat einen wichtigen Markt in Mitleidenschaft genommen.

Neben den chronisch schwachen Ausrüstungen schwächelten zwischen Juni und September vor allem die Ausfuhren. Dennoch glauben die meisten Volkswirte, dass Deutschland im Gesamtjahr das prognostizierte Wachstum von 1,9 Prozent wird schaffen können. Das Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal verspricht alle Rekorde zu brechen.

Wambach will einen mittelfristig negativen Einfluss der Unsicherheit über die künftige US-Wirtschaftspolitik nicht ausklammern. "Die gemeldeten Konjunkturerwartungen nach der Wahl waren weniger positiv als zuvor", meinte der Ökonom. Seine Kollegen von Moody's Analytics sehen das ähnlich. Zwar befürchten sie keine unmittelbaren Folgen für die US-Wirtschaft durch das Ergebnis der Präsidentenwahl, "aber die politische Unsicherheit wird größer". Ein von den Ökonomen der Universitäten von Stanford und Chicago gemeinsam berechneter Index für die USA liege noch über dem Stand nach der Brexit-Entscheidung in Großbritannien.

Die aktuelle Konjunkturlage für Deutschland bewerten die Börsenprofis im November etwas weniger positiv. Der entsprechende Index fiel im Vergleich zu Oktober um 0,7 auf 58,8 Zähler. Die von Dow Jones befragten Experten hatten hingegen einen Anstieg um einen halben Punkt erwartet. Bessere Aussichten für den Euroraum
Die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone stiegen leicht an. Der Indikator legte um 3,5 Punkte auf 15,8 Punkte zu. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Währungsblock kletterte im November ebenfalls um 3,5 Punkte auf einen Wert von minus 9,3 Zählern.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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