Wirtschaft

Mitarbeiter im Luftschutzbunker Zulieferer Leoni produziert weiter in der Ukraine

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Rund 7000 Menschen arbeiten in den beiden westukrainischen Leoni-Werken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das deutsche Unternehmen Leoni beliefert die Autoindustrie mit Kabelbäumen. Produziert wird auch in der Ukraine - kriegsbedingt unter erheblich erschwerten Bedingungen. Der Zulieferer zeigt sich beeindruckt von Angestellten, die unter Schlafmangel und Fliegeralarm leiden.

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine überschatten das Geschäft des Automobilzuliefers Leoni. Die zwei ukrainischen Leoni-Werke mit 7000 Mitarbeitern hätten nach dem Beginn der Kampfhandlungen vor vier Wochen zeitweise stillgestanden, sagte Leoni-Vorstandschef Aldo Kamper in Nürnberg bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. Inzwischen sei zunächst ein Ein-Schicht-Betrieb, seit dieser Woche auch ein Zwei-Schicht-Betrieb unter erheblichen Erschwernissen wieder angelaufen.

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In den Werken werden vor allem Kabelbäume für Autos hergestellt - die Fahrzeugindustrie hatte in den vergangenen Wochen schwer unter den Lieferausfällen gelitten. "Es ist beeindruckend und bewegend zugleich, wie entschlossen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, sich nicht unterkriegen zu lassen. Zu spüren, wie sie für ihr Land und ihre Art zu leben einstehen. Ihre Sicherheit, ihre Leben haben für uns absolute Priorität", betonte Kamper.

Leoni erwarte sich im Zwei-Schicht-Betrieb eine Produktion von etwa 60 bis 70 Prozent des Normalniveaus in den in der Westukraine gelegenen Werken, sagte Kamper. Die Mitarbeiter müssten wegen Fliegeralarms immer wieder in die Luftschutzbunker. Teilweise kämen sie mit kaum Schlaf zur Arbeit, die Schichten würden deswegen gegebenenfalls verkürzt. Leoni versuche, Ersatzkapazitäten in anderen Werken der Gruppe zu schaffen, etwa in Serbien oder Nordafrika. Ukrainische Mitarbeiter, die etwa nach Rumänien geflüchtet seien, würden dort teilweise in anderen Leoni-Werken aufgenommen. Bei dem ukrainischen Personal handele es sich zu zwei Dritteln um Frauen.

Folgen noch nicht absehbar

Den für 2022 prognostizierten Umsatz der Ukraine-Werke hatte Leoni ursprünglich mit zusammen knapp 300 Millionen Euro angegeben. Hinzu kämen rund 100 Millionen Euro im Russland-Geschäft. Die Pläne gehen wegen des Kriegs in der Ukraine und deren Folgen wohl nicht auf. Insgesamt hat die Unternehmensgruppe mit weltweit mehr als 101.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Euro umgesetzt - bei einem Verlust von 48 Millionen unter dem Strich. In diesem Jahr sollte der ursprünglichen Prognose zufolge der Umsatz ähnlich hoch ausfallen.

"Unsere Prognosefähigkeit ist erheblich eingeschränkt", sagte Vorstandschef Kamper. Man gehe von niedrigeren Umsätzen und einem schlechteren Ergebnis als ursprünglich geplant aus - auf genaue Zahlen könne man sich wegen des volatilen Umfeldes nicht festlegen. Im vergangenen Jahr hatte der Spezialist für Bordnetze und Kabellösungen seine Einnahmen um fast ein Viertel nach oben geschraubt. Die Verluste wurden deutlich zurückgefahren - auch dank des Verkaufs von Teilen der Industriesparte. In diesem Jahr soll ein weiterer Teilverkauf folgen. "Die letzten Jahre waren eine wilde Fahrt mit ständig wechselnden Straßenverhältnissen", beschrieb Kamper das Geschehen der jüngeren Vergangenheit.

Leoni war wegen der Strukturkrise in der Autobranche und wegen der Auswirkungen der Corona-Krise vor große Herausforderungen gestellt und hatte staatliche Kredithilfen in Anspruch nehmen müssen. In den vergangenen drei Jahren habe ein Restrukturierungsprogramm Einsparungen in Höhe von jährlich 800 Millionen Euro gebracht.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa

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