"Jeder Fehltritt könnte Schockwellen auslösen" - Anleger im Verteidigungsmodus
Europas Börsen dürften heute zur Eröffnung weiter nachgeben, wenngleich nicht mehr so stark wie zu Wochenbeginn. Das geopolitische Umfeld bleibt schwierig. Es reicht von Angriffen der Huthis auf die saudische Infrastruktur, die jüngste Annäherung von Washington an Moskau sowie den Krawallen in Frankreich, die Zweifel an der Handlungsfähigkeit der dortigen Regierung aufkommen lassen. Auch der Dax wird der Kursentwicklung an den Terminmärkten zufolge mit Verlusten in den Handel starten. Am Montag hatte der deutsche Leitindex 1,2 Prozent tiefer bei 25.319 Punkten geschlossen.
Dem Broker CMC zufolge stehen die Börsen vor einer Bewährungsprobe. Solange die Unternehmensgewinne überzeugten und die Inflation nicht erneut außer Kontrolle gerate, bleibe das Marktgefüge einigermaßen stabil. "Sollte jedoch eine dieser beiden Stützen wegbrechen, könnte aus der aktuellen Nervosität schnell eine deutlich umfassendere Korrektur werden. Die größte Gefahr für die Aktienmärkte ist derzeit nicht ein einzelner Krisenherd, sondern das gleichzeitige Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren", heißt es.
Die globale Investmentgemeinschaft dürfte in den kommenden Wochen in Verteidigungshaltung übergehen, da die Risikofaktoren eskalierten, so die australische Bank ANZ. Technologiefirmen stünden vor der Berichterstattung über ihre Gewinne, und jeder Fehltritt könnte Schockwellen auslösen. Die Energiepreise blieben angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten hoch, was den Druck auf die Zentralbanken zu Zinserhöhungen aufrechterhalte. Zudem seien die Sorgen über die Staatsverschuldung angesichts der Unruhen in ganz Frankreich wieder aufgeflammt. Unterdessen verschlechterten sich die US-Finanzkennzahlen weiter, wobei die Nettozinszahlungen 1 Billion US-Dollar pro Jahr überschritten. Die US-Zwischenwahlen dürften das Risiko eines politischen Stillstands erhöhen.
KI-Börsengang geht gründlich schief
Die Aktien des Rechenzentrums-Spezialisten Elice sind an ihrem ersten Handelstag in Südkorea um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Das schwache Börsendebüt verstärkt die Sorgen der Anleger über die hohen Bewertungen im KI-Sektor. Der Börsengang fällt in eine Verkaufswelle bei südkoreanischen Technologie-Werten.
Der Leitindex Kospi verlor drei Prozent. SK Hynix büßten 4,6 Prozent ein, Samsung Electronics gaben 1,6 Prozent nach. Die beiden Chiphersteller machen zusammen rund die Hälfte des Index aus. Der Kospi hat in den vergangenen Wochen etwa ein Fünftel seines Wertes verloren.
Anleger weltweit sorgen sich über die immensen Finanzierungskosten der Branche, einen schärferen Wettbewerb und die unsicheren langfristigen Renditen der milliardenschweren Investitionen in KI.
Anleger gehen in Asien in Deckung
Geopolitische Risiken bremsen die asiatischen Börsen. Zudem halten sich Anleger vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von wichtigen US-Technologiekonzernen wie Meta und Tesla zurück. In Tokio gibt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,6 Prozent auf 64.512 Punkte nach. Die Börse in Shanghai tendiert fast unverändert.
Gewalt in Fankreich belastet - erster Techriese legt Quartalszahlen vor
Die jüngste Erholung des Dax ist am Montag schon wieder zu Ende gegangen. Zum Börsenschluss sank der deutsche Leitindex um 1,18 Prozent auf 25.320 Punkte. Belastet wurde die Stimmung von der Gewaltspirale in Frankreich. Vor allem nicht-europäische Investoren reduzierten ihre Engagements bei europäischen Aktien.
Heute werden bei der Fortsetzung der "Invest in Germany"-Veranstaltung in Berlin konkrete Investitionszusagen aus der Wirtschaft erwartet. Kanzler Friedrich Merz, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil werben vor rund 200 Unternehmensvertretern um privates Kapital. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Anwendung von KI in der Industrie.
Der weltgrößte Streamingdienst Netflix legt als erstes großes US-Technologieunternehmen seine Quartalsbilanz vor. Börsianer richten ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf das internationale Geschäft, da der US-Markt als gesättigt gilt. Daneben hoffen sie auf detaillierte Aussagen zu den Werbeeinnahmen. Netflix will Nutzer zum Wechsel in anzeigenfinanzierte Abonnements bewegen.
Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX präsentiert nach US-Börsenschluss die Zahlen für das dritte Quartal. Es ist erst der zweite Quartalsbericht des von Elon Musk geführten Konzerns seit dem Börsengang im Juni. Anleger dürften besonders darauf achten, ob sich die massiven Investitionen in KI in steigenden Umsätzen niederschlagen. Zudem steht das Wachstum des Satellitennetzwerks Starlink im Fokus.