Strafzölle drücken Dax unter 20.000 Punkte
Der deutsche Aktienmarkt hat erneut hohe Verluste verkraften müssen. Der Dax verlor 3 Prozent auf 19.671 Punkte, im Tagestief stand der Index bei 19.384. Am Berichtstag sind alle angekündigten Zölle aus Washington in Kraft getreten. Dies bedeutet, dass Importe aus Europa in die USA einem zusätzlichen Zoll von 20 Prozent unterliegen. Am stärksten treffen die Zölle China. Waren aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werden in den USA sogar mit 104 Prozent belastet.
Druck auf die Börsen kam auch von der Anleiheseite angesichts stark steigender Renditen an den US-Bondmärkten. Die dortigen Anleihekurse litten unter der Befürchtung steigender Inflationsraten als Folge der Zölle. Spekuliert wurde auch, China könne als Reaktion auf die Zölle durch Verkäufe von US-Staatsanleihen politischen Gegendruck aufbauen. UBS-Volkswirt Paul Donovan bemerkte dazu, dass, sollte der Anleihemarkt instabil werden, die US-Notenbank eingreifen dürfte, ganz wie es die Bank of England im Truss-Debakel getan habe.
Die Einigung von CDU/CSU und SPD auf eine neue Bundesregierung spielte in dem Umfeld keine Rolle. "Zwar fehlen im Koalitionsvertrag einige strukturelle Reformen, ... nicht zuletzt im Rentensystem", kommentierte Robin Winkler von der Deutschen Bank. Doch in diesen stürmischen Zeiten brauche es endlich wieder eine handlungsfähige Bundesregierung. Diese müsse jetzt nicht nur in Europa und der Welt Verantwortung übernehmen. Auch in Deutschland muss die neue Regierung in den Umsetzungsmodus kommen, um die Wirtschaft vor größerem Schaden zu bewahren.
Unternehmensnachrichten spielten einmal mehr kaum eine Rolle. Bayer verloren 4,6 Prozent - US-Präsident Trump hat Zölle auf Pharmaimporte angekündigt. Fresenius gaben 5,3 Prozent nach sowie Merck 4,4 Prozent. Redcare Pharmacy brachen gleich um 16,7 Prozent ein. Hier belastete zusätzlich die Platzierung einer Wandelschuldverschreibung im Volumen von 300 Millionen Euro, die potenziell gewinnverwässernd wirkt.
Merz kündigt Entlastungen für die Wirtschaft an
Die Verhandlungsteams von CDU/CSU und SPD haben sich nach Aussagen des CDU-Vorsitzenden und designierten Bundeskanzlers Friedrich Merz in ihrem Koalitionsvertrag auf Entlastungen für die Wirtschaft geeinigt. In einer Pressekonferenz kündigte Merz Steuersenkungen und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten an.
"Wir werden einen Investitionsbooster in Form einer Abschreibung auf Ausrüstungsinvestitionen von jährlich 30 Prozent in den drei Jahren 2025, 2026 und 2027 einführen, und wir werden dann unmittelbar nach diesen drei Jahren ab dem 1.1.2028 die Körperschaftssteuer in fünf gleichen Schritten um jeweils 1 Prozent jährlich senken", sagte Merz.
Profitieren sollen dabei nach seinen Angaben nicht nur Kapitalgesellschaften, auch "der Mittelstand, die Personengesellschaften und die Einzelkaufleute - und zwar im Sinne von Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in unserem Land". Die Koalition will die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß senken, die Gasumlage abschaffen, die Netzentgelte senken sowie einen Industriestrompreis einführen.
Deutsche Unternehmen spüren Tauwetter in China
Wegen des drohenden Handelskriegs mit den USA schaut sich China nach neuen Partnerschaften um und nimmt dabei Europa in den Blick. Neben der Umlenkung von mehr chinesischen Waren berichten deutsche Unternehmen von spürbar mehr Kooperationswillen.
Apple erholt sich trotz Trump-Ansage
AppleUnter den Einzelaktien erholen sich Apple um 1,2 Prozent, obwohl Trump das Technologie-Unternehmen hat wissen lassen, dass es seine Mobiltelefone in den USA produzieren möge. Nvidia ziehen sogar um 3,0 Prozent an. Nach einem Absturz von 28 Prozent im laufenden Jahr trauten sich erste Schnäppchenjäger in die Aktie des KI-Chipriesen, heißt es. So kauft der börsengehandelte Fonds ARK Innovation aktuell zu.
Cal-Maine Foods verlieren 4,1 Prozent, der Eierproduzent profitierte im dritten Quartal von den gestiegenen Eierpreisen, verfehlte jedoch die Markterwartungen. Zudem muss sich die Gesellschaft gegenüber dem US-Justizministerium wegen der hohen Eierpreise verantworten.
Delta Air Lines steigen um 5,8 Prozent nach besser als gedacht ausgefallenen Quartalszahlen. Allerdings warnte die Fluggesellschaften vor den Folgen eines nachlassenden Verbrauchervertrauens. Auch Geschäftsreisen könnten von der Zollpolitik betroffen sein.
US-Börsen stabilisieren sich
Nach dem neuerlichen Stimmungseinbruch im Verlauf des Vortageshandels kommt es an der Wall Street zu einer vorsichtigen Stabilisierung. Der Dow-Jones-Index startet mit neuerlichen Abgaben von 0,4 Prozent auf 37.513 Punkte in den Tag, der S&P-500 büßt 0,1 Prozent ein und der Nasdaq-Composite steigt um 0,6 Prozent.
Das Hauptaugenmerk liegt weiter auf den neuesten Schlagzeilen zur US-Zollpolitik. Aber auch der rasant andauernde Ausverkauf am Rentenmarkt, wo die Renditen massiv steigen, gerät verstärkt in den Blick.
Ratsmitglied: EZB sollte Zinsen bald senken
Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte ihren Leitzins nach Aussage von EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau in Reaktion auf die am 2. April angekündigte Erhöhung der US-Zölle senken.
"Es gibt noch Spielraum für Zinssenkungen", sagte er der Zeitung Le Monde und fügte hinzu: "Die Veränderungen seit dem 2. April sprechen eigentlich für eine baldige Senkung."
US-Präsident Donald Trump hat vergangene Woche zusätzliche Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Importe aus der EU verhängt, die zu den neuen Zöllen auf Autos, Aluminium und Stahl hinzukommen. Nach Aussage von Ökonomen dürfte das zu einer Wachstumsabschwächung im Euroraum führen.
Geht Trump "um die wirtschaftliche Weltherrschaft"
Die von Donald Trump verhängten Zölle haben massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, auch US-Konzerne wie Apple leiden massiv. Warum der US-Präsident vor allem China gegenüber hart bleibt, erklärt ntv-Wirtschaftskorrespondent Ulrich Reitz.
Dollar schwächelt auf breiter Front
Der Dollar steht unter Druck, nachdem die umfassenden Zölle von Präsident Trump in Kraft getreten sind. Das bewegt viele Akteure nach Einschätzung von Rabobank-Währungsanalystin Jane Foley dazu, US-Vermögenswerte angesichts der Befürchtungen über die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft, einschließlich des Rezessionspotenzials, zu meiden. Der Dollar-Rückgang erfolge dabei zeitgleich mit einem Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen. "Die Anleger scheinen auf Bargeld in Schweizer Franken, japanischen Yen und Euro zu sitzen, während sie darauf warten, dass sich der gegenwärtige Nebel der Unsicherheit lichtet", sagt sie.
Nach Einschätzung von Analysten von Monex Europe profitiert der Euro von seiner Rolle als sichere Alternative zum Dollar, nachdem die US-Vergeltungszölle in Kraft getreten sind. Sein Anstieg könnte aber kurzlebig ausfallen. "Die Märkte haben den Wachstumsschock, den die Zölle Europa bescheren werden, und die Auswirkungen, die eine höhere US-Inflation wahrscheinlich auf die Federal Reserve haben wird, noch nicht vollständig eingepreist", meint er.
Die erwarteten Wachstums- und Zinsunterschiede könnten sich vergrößern, sobald die vollen Auswirkungen der Zölle in den kommenden Monaten sichtbar würden. Sobald der Markt erkenne, dass es sich um einen globalen Schock handele, könne der Dollar seinen Status als sicherer Hafen zurückgewinnen.
Ölpreis stürzt ab, aber Spritpreise geben kaum nach
Der weltweite Absturz der Rohölpreise nach den Zollankündigungen durch US-Präsident Donald Trump macht sich bisher kaum an den deutschen Tankstellen bemerkbar. Binnen Wochenfrist verbilligte sich Superbenzin der Sorte E10 nur um 1,4 Cent, wie der ADAC mitteilt. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags kostete es 1,689 Euro pro Liter. Diesel verbilligte sich um 1,1 Cent auf 1,591 Euro.
Die Rohölpreise hatten dagegen laut ADAC um rund 12 Dollar nachgegeben. Der Ölpreis ist typischerweise der wichtigste Treiber für Schwankungen bei den Spritpreisen. Genau umrechnen lassen sich die Veränderungen zwar nicht, weil auch andere Faktoren eine Rolle spielen, der Rückgang um etwas mehr als einen Cent bei den Spritpreisen ist aber sehr viel niedriger als das, was erfahrungsgemäß zu erwarten wäre.
Die Ölpreise haben nach Inkrafttreten des US-Zollpakets ihre Talfahrt forciert und sind auf den tiefsten Stand seit 2021 gefallen.
BYD hängt Tesla in China schon wieder ab
Dank der staatlichen Förderung von E-Autos und Hybrid-Fahrzeugen hat der Autoabsatz in China im März kräftig zugelegt. Die Verkäufe stiegen um 14,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie der Verband China Passenger Car Association (CPCA) mitteilte.
Autos mit alternativen Antrieben verkauften sich erstmals seit vier Monaten wieder besser als Benziner und machten 50,4 Prozent des Gesamtabsatzes von 1,97 Millionen Autos aus. Im ersten Quartal kletterte der Autoabsatz in China insgesamt um 6,1 Prozent auf 5,18 Millionen Fahrzeuge.
Der chinesische Elektroauto-Riese BYD, der 90 Prozent seines weltweiten Absatzes auf dem Heimatmarkt realisiert, übertraf im Zeitraum Januar bis März den unter Druck geratenen US-Rivalen Tesla bei den weltweiten Auslieferungen das zweite Quartal in Folge.
Dax auf Tagestief
Der Dax kommt am Mittag erneut unter Druck, er verliert 3,8 Prozent auf 19.514 Zähler. Der Handelskrieg zwischen den USA und China droht weiter zu eskalieren. Nun hat China geantwortet und erhebt jetzt 84 statt 34 Prozent Zoll auf US-Waren als Reaktion auf die Trumpschen Zölle, die sich zuletzt auf 104 Prozent für China beliefen.
Zollspirale dreht sich immer schneller: China legt gegen USA nach
China zieht im Zollstreit mit den USA nach: Wie die Zollkommission des Staatsrats mitteilte, werden weitere Einfuhrzölle auf alle US-Waren in Höhe von 50 Prozent erhoben. Ab dem 10. April würden damit neue Zusatzzölle in Höhe von insgesamt 84 Prozent auf alle US-Waren gelten.
Motorenbauer Deutz will Zölle an Kunden weitergeben
Der Kölner Motorenbauer Deutz erwartet, dass Käufer von Baumaschinen oder Mähdreschern in den USA die neuen Zölle zu spüren bekommen. "Das wird dazu führen, dass alles an die Kunden weitergereicht wird", sagte Vorstandschef Sebastian Schulte im Münchner Club Wirtschaftspresse. "Das kreiert letztlich Inflation." Bei einem Einfuhrzoll von 20 Prozent auf Deutz-Motoren würden amerikanische Traktoren oder Bulldozer etwa acht Prozent teurer, da der Motor für etwa 30 Prozent der Wertschöpfung steht. Die für das zweite Halbjahr erwartete Markterholung könne sich dadurch etwas verzögern, sagte Schulte.
Deutz und seine Kunden hoffen jedoch, dass der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskrieg nicht weiter eskaliert: "Alle sagen: Das ist nicht das letzte Wort. Irgendeinen Deal wird es geben." Deutz verkauft im Jahr etwa 30.000 Motoren in den USA. Das US-Geschäft steht für knapp ein Viertel des Konzernumsatzes, die Hälfte davon entfällt auf Exporte aus Deutschland.
Daran änderten die Zölle nichts, sagte Schulte: "Wir können nicht auf Teufel komm raus in den USA eine Produktion aufbauen." Marktverschiebungen erwartet er nicht: Deutz konkurriert in den USA bei kleineren Motoren vor allem mit Rivalen aus Japan und Großbritannien, die ebenfalls von Zöllen betroffen sind.
Zollpolitik macht iPhones teuer wie Gebrauchtwagen
Apple gilt lange Zeit als das wertvollste Unternehmen der Welt. Doch die Zölle von Trump schicken die Aktie nun auf Talfahrt, Microsoft zieht vorbei. Der Konzern will nun Schlupflöcher finden. Denn ein komplett in Amerika produziertes iPhone würde sich kaum ein Normalverbraucher leisten können.
Analyst: Höchst unwahrscheinlich, dass China US-Anleihen abstößt
Chinas Vergeltungsmaßnahmen gegen die US-Zolloffensive und die offensichtliche Bereitschaft, in einem Handelskrieg "bis zum Ende zu kämpfen", könnten Bedenken darüber geweckt haben, was China mit den riesigen Mengen an Staatsanleihen, die das Land besitzt, tun könnte, sagt Thomas Mathews, Head of Markets Asia Pacific bei Capital Economics.
Es sei wahrscheinlich, dass sich der S&P 500 von hier aus auf etwa 5.500 Punkte erholen werde, wenn US-Präsident Donald Trump einige Vereinbarungen über gegenseitige Zölle treffe, fügt er hinzu. Die Nachfrage nach Staatsanleihen, die als sicherer Hafen gelten, und die Gewinnmitnahmen würden vermutlich nachlassen, meint er. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass China seine Bestände an Staatsanleihen abstößt, da dies selbstschädigend wäre und zu Verlusten in seinem eigenen Portfolio führen würde.
US-Handelskonflikt mit China drückt Öl
Die Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China drückt die Preise am Ölmarkt. Die Nordsee-Sorte Brent und die US-Sorte WTI verbilligen sich um jeweils rund drei Prozent auf 60,97 und 57,74 Dollar je Fass (159 Liter).
China ließ am Dienstag eine von US-Präsident Donald Trump gesetzte Frist zur Rücknahme von Gegenzöllen verstreichen. Somit belegen die USA China ab Mittwoch mit zusätzlichen Abgaben von insgesamt 104 Prozent.
"Ein anhaltender Handelskrieg könnte das chinesische Nachfragewachstum von 50.000 bis 100.000 Barrel pro Tag gefährden", sagte Ye Lin, Ölmarktexpertin beim Analysehaus Rystad Energy. Zusätzliche Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Ankurbelung des privaten Konsums könnten die Verluste jedoch teilweise ausgleichen.
Goldpreis zieht kräftig an
Der Goldpreis zieht nach dem jüngsten deutlichen Rücksetzer von seinem Rekordhoch auf unter 3.000 Dollar je Feinunze wieder an. Das Edelmetall verteuert sich um 2,2 Prozent bzw. 66 Dollar auf 3.050. Die Analysten von Sucden Financial sprechen von erneuten Käufen von Anleger, die einen sicheren Hafen suchten. Gold sei am Donnerstag, Freitag und Montag stark abverkauft worden, weil viele Akteure nach den Zoll-Ankündigungen von Präsident Trump und den darauf einsetzenden Einbrüchen am Aktienmarkt ihre Verluste an anderer Stelle hätten decken müssen. Sollten die Handelsspannungen anhalten und die Inflationssorgen wieder in den Vordergrund der Marktbefürchtungen rücken, könnte Gold zu einer weiteren rekordverdächtigen Rally ansetzen, so die Experten.
Derweil könnte die Flucht in Gold auch dadurch verstärkt werden, dass zuletzt der ebenfalls als sicherer Hafen geltende Anleihemarkt, Kratzer abbekam und insbesondere am langen Ende die Kurse nachgaben im Hinblick auf möglicherweise steigenden Refinanzierungsbedarf als weitere Folge der Zölle. Dazu kommen Spekulationen, dass China als Gegenmaßnahme für die US-Zölle US-Anleihen auf den Markt werfen könnte.
Jäger: Darum ist die US-Zollpolitik so widersprüchlich
Die Welt steht Schlange und will mit US-Präsident Donald Trump verhandeln, doch der weigert sich bislang. Das liege offenbar daran, dass Trump nicht wisse, was er mit der Zollpolitik eigentlich erreichen will, sagt Politikwissenschaftler Thomas Jäger und erklärt, warum seine Zollpolitik so widersprüchlich in sich ist.
"Giga-Fabriken" für Europa - so will die EU bei KI aufholen
Mit fünf "Giga-Fabriken" will die EU den Rückstand bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) aufholen. Das geht aus einem Aktionsplan der EU-Kommission hervor, der dem "Handelsblatt" vorliegt.
Heute will EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen das Vorhaben offiziell präsentieren. "Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, ein führender KI-Kontinent zu werden", heißt es im Entwurf des Aktionsplans. Nötig seien dafür "mutige Maßnahmen". Dafür plant die EU-Kommission bis zu fünf Gigafabriken für Künstliche Intelligenz (KI) in der EU zu errichten. Außerdem will sie die europäische KI-Regulierung anpassen, um kleinere Unternehmen zu entlasten.
Sartorius und Bayer sind die größten Dax-Verlierer
Die Ankündigung hoher US-Zölle auf Pharmaimporte Aktien aus dem deutschen Pharmasektor.
Sartorius und Bayer gehörten mit Abschlägen von 3,6 und 2,5 Prozent zu den größten Dax-Verlierern.
Jetzt droht Europa eine Dumping-Flut aus China
Industrie kann Rheinschiffe wegen Niedrigwasser nicht voll beladen
Der Stahlhersteller Thyssenkrupp belädt angesichts niedriger Wasserstände im Rhein seine Schiffe mit geringerer Ladung. "Wir benötigen jeden Tag circa 60.000 Tonnen Rohstoffe, vor allem Eisenerz und Kohle, die überwiegend per Schiff kommen", sagte der Sprecher von Thyssenkrupp Steel.
Derzeit gebe es keine Probleme mit der Rohstoffversorgung. "Allerdings reagieren wir auf den sinkenden Pegelstand: Wir beladen unsere Schiffe etwas weniger, um den Tiefgang zu verringern und fahren dafür öfter", sagte er der "Rheinischen Post".
Auch der Kunststoffhersteller Covestro gab an, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um die Produktion trotz niedriger Pegelstände aufrechtzuerhalten: "Wir reagieren darauf mit dem Einsatz zusätzlicher Schiffe und einer Erhöhung der Frequenz der Fahrten, dem Aufbau von Vorräten für Rohstoffe sowie dem Abbau von Vorräten von End- und Koppelprodukten", sagte der Sprecher des Chemiekonzerns.
US-Zölle in Kraft - Dax verliert wieder kräftig
Der Dax gibt nach dem Inkrafttreten der umfangreichen US-Zölle erneut deutlich nach. Gestern war es noch zu einer Erholung am Aktienmarkt gekommen. Davon ist nichts mehr übrig.
Die von den USA gegen viele Länder weltweit verhängten Handelszölle haben die Börsen erneut unter Druck gesetzt. Der deutsche Leitindex Dax notierte kurz nach Handelsstart 2,4 Prozent niedriger bei 19.795 Punkten. Für den MDax ging es um 2,56 Prozent auf 24.917,39 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 2,8 Prozent. In London sanken die Kurse um 2,47 Prozent, in Paris um 2,78 Prozent.
Nach hohen Verlusten am Montag hatte der deutsche Leitindex am Dienstag 2,5 Prozent höher bei 20.280,26 Punkten geschlossen. Hintergrund waren Hoffnungen, dass die US-Zölle möglicherweise erst später greifen und es so Zeit für Verhandlungen geben könnte. Dies hat die US-Regierung inzwischen dementiert. Auch die Wall Street konnte ihren Erholungskurs am Dienstag nicht halten, nachdem ein Vertreter des US-Präsidialamts das Inkrafttreten zusätzlicher Zölle gegen China bestätigt hatte.
"Vor allem bei den von US-Präsident Trump aufgestockten Zöllen gegen China hofften die Investoren bis zuletzt auf eine Verschiebung oder gar einen Kompromiss zwischen den beiden wirtschaftlichen Großmächten", sagte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets. "Doch ab heute werden Waren aus dem Reich der Mitte mit einem Aufschlag von satten 104 Prozent versehen, der Handelskrieg tritt damit in eine neue Phase ein."
Pharmawerte unter Druck
Heute Nacht sind im weltweiten Handelskrieg die neuen US-Sonderzölle gegen eine ganze Reihe von Ländern in Kraft getreten. Für Waren aus der EU betragen sie 20 Prozent. Die Europäische Union hat bislang noch keine Gegenmaßnahmen angekündigt. Auf Warenimporte anderer wichtiger US-Handelspartner werden zum Teil noch höhere Sätze fällig.
US-Präsident Donald Trump kündigte außerdem "große Zölle" auf Pharmaimporte an. Bei den Einzelwerten gehörten deshalb Sartorius und Bayer zum Handelsstart zu den größten Dax-Verlierern. Die EU will heute über eine Liste mit US-Produkten abstimmen, auf die Gegenzölle erhoben werden sollen.
Trump droht Chipgiganten TSMC
US-Präsident Donald Trump sagt, er habe dem taiwanischen Chip-Unternehmen TSMC erklärt, dass es eine Steuer von bis zu 100 Prozent zahlen müsse, wenn es seine Fabriken nicht in den Vereinigten Staaten baue. Auf einer Veranstaltung des republikanischen Nationalen Kongresskomitees kritisierte Trump die Regierung des ehemaligen Präsidenten Joe Biden für die Gewährung eines Zuschusses in Höhe von 6,6 Milliarden Dollar an die US-Einheit von TSMC für die Halbleiterproduktion in Phoenix, Arizona, und sagte, dass Halbleiterunternehmen das Geld nicht brauchen.
Alarm bei US-Staatsanleihen - Renditen schießen empor
Am Anleihemarkt läuten die Alarmglocken. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen schießen nach dem Inkrafttreten von Trumps Zollpaket in die Höhe. Die Renditen für 10-jährige Anleihen steigen am frühen Morgen zeitweise auf 4,5 Prozent, die der 30-jährigen Anleihen auf 5,0 Prozent. Ungewöhnlich für diese Papiere sind zum einen die extremen Sprünge in kürzester Zeit.
Zudem bewegen sich die Kurse der US-Staatsanleihen gewöhnlich in entgegengesetzter Richtung der Aktienkurse. Fallen - wie derzeit - die Aktienkurse, steigt meist die Nachfrage nach den US-Schuldtiteln, denn diese gelten als sicherer Hafen für das Geld der Anleger. Mit der Nachfrage steigen die Kurse, und das bedeutet bei Anleihen, dass die Rendite - der zu erwartende Gewinn der Käufer - sinkt. Derzeit fliehen offenbar die Anleger gleichzeitig aus Aktien und US-Anleihen - ein Alarmzeichen!
Börsenkurse schwanken wie nur in extremen Krisenzeiten
Die Volatilität an den Aktienmärkten dürfte auch in den kommenden Tagen hoch bleiben - erschreckend hoch.
Marktstratege Michael Brown von Pepperstone weist darauf hin, dass der S&P-500 seit vier Sitzungen in einer Spanne von über 5 Prozent handelt. Das habe es in den vergangenen 4 Jahrzehnten nur 3 Mal gegeben: 2020, 2008 und 1987. Und diese schweren Krisen seien keine historischen Referenzen, auf die man gern zurückblicke.
Fundamental sei ein bullischer Ausblick nur schwer haltbar, solange die Trump-Regierung nicht entweder kohärente Politik betreibe, einen weniger aggressiven Ton bei Zöllen anschlage oder beginne, länderweise Deals zur Rücknahme der reziproken Zölle zu schließen. Solange das nicht passiere, müssten Marktteilnehmer weiterhin stark steigende Inflationsrisiken und sinkende Wachstumsrisiken einpreisen - und ständig mit einer Eskalation rechnen, da weltweit mit Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen sei. Je länger die Zölle bestehen blieben, desto größer seien die Risiken für Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne.
Verdi ruft zu Warnstreik bei Zalando auf
Verdi erhöht den Druck auf Zalando. Die Gewerkschaft rief die Beschäftigten des Online-Modehändlers im Logistikzentrum Mönchengladbach zu einem viertägigen Warnstreik auf. "Zwar konnten wir durch unsere bisherigen Arbeitskampfmaßnahmen bereits spürbare Verbesserungen erzielen - doch Zalando verweigert den Beschäftigten weiterhin die Sicherheit eines Tarifvertrags", sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär Guido Meinberger. Der Ausstand betreffe sämtliche Schichten.
Die Arbeitnehmervertretung will erreichen, dass Zalando den Flächentarifvertrag für den nordrhein-westfälischen Einzelhandel anerkennt. Er bietet unter anderem höhere Stundenlöhne sowie eine geringere Wochenarbeitszeit. Im vergangenen Jahr hatte Verdi mehrfach zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, zuletzt kurz vor Weihnachten. Die Gewerkschaft kündigte weitere Aktionen an, sollte Zalando keine Gesprächsbereitschaft signalisieren.
Trump lässt dem Dax keine Chance
Der Zollkrieg lässt dem Dax keine Chance. Der deutsche Aktienmarkt wird heute der Kursentwicklung an den Terminmärkten zufolge mit Verlusten starten.
Am Dienstag hatte der Dax noch 2,5 Prozent höher bei 20.280,26 Punkten geschlossen. Für gute Stimmung an den Börsen in Europa sorgte die Hoffnung auf Verhandlungen über die neuen US-Zölle. Die Wall Street konnte ihren Erholungskurs dagegen nicht halten, nachdem ein Vertreter des US-Präsidialamts das Inkrafttreten zusätzlicher Zölle gegen China bestätigt hatte. Auch das globale Zollpaket Trumps ist in Kraft getreten. Für Waren aus der EU betragen die Zölle 20 Prozent. US-Präsident Donald Trump kündigte außerdem "große Zölle" auf Pharmaimporte an.
Die EU will über eine Liste mit US-Produkten abstimmen, auf die Gegenzölle erhoben werden sollen.
Ebenfalls zur Wochenmitte legt die US-Notenbank Fed die Protokolle ihrer jüngsten Zinssitzung vom März vor, die Investoren auf Hinweise auf den weiteren Kurs abklopfen dürften. Bei den Unternehmen blicken Anleger unter anderem auf die Hauptversammlung der Deutschen Telekom und die Absatzzahlen von Volkswagen für das erste Quartal.
Trump kündigt neuen Zollhammer an
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstagabend (Ortszeit) "große Zölle" auf Pharmaimporte angekündigt.
Auf einer Veranstaltung des Nationalen Republikanischen Kongresskomitees sagte er, die Zölle würden Anreize für Pharmaunternehmen schaffen, ihre Aktivitäten in die USA zu verlagern.
Hohe Preise für Medikamente sind in den USA seit Jahren ein großes politisches Thema. Pharmazölle würden die Preise weiter in die Höhe treiben.
"Auf der Überholspur": VW verdoppelt E-Auto-Verkäufe in Europa
Nach einem Milliarden-Sparprogramm und Personalabbau steigen beim VW-Konzern die Auslieferungszahlen an. Die Zahl der ausgelieferten vollelektrischen Autos habe in Europa im ersten Quartal 2025 auf mehr als 150.000 Stück mehr als verdoppelt. Bei allen Antriebsarten verzeichnete der Konzern bei Fahrzeug-Bestellungen ein Plus von 29 Prozent. "Der Volkswagen-Konzern hat seine Hausaufgaben gemacht", sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Oliver Blume der "Bild"-Zeitung.
"Jetzt schalten wir einen Gang hoch und gehen auf die Überholspur." Jedes zweite neu zugelassene E-Auto (rund 48 Prozent) des deutschen Markts sei ein Fahrzeug aus dem Volkswagen-Konzern. "Klarer Elektro-Marktführer in Europa, Zahl der ausgelieferten Stromer in unserer Heimatregion verdoppelt, sieben der zehn meistverkauften vollelektrischen Modelle in Deutschland aus dem Volkswagen-Konzern: Unsere einzigartige Produktoffensive ist im Markt angekommen", sagte Blume weiter. Doch trotz der guten Zahlen müsse weiter gespart werden. Man arbeite weiter intensiv daran, "unsere Kosten zu reduzieren."
Zollkrise lässt Ölpreis auf tiefsten Stand seit Jahren einbrechen
Die Einführung von US-Zöllen in Höhe von 104 Prozent auf chinesische Waren drückt den Ölpreis auf ein Vierjahrestief. Deswegen brechen die Ölpreise aufgrund der Sorgen um die Nachfrage aus China um über vier Prozent ein. Weltweit wird ein Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten befürchtet und damit eine fallende Öl-Nachfrage.
Am Rohstoffmarkt verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 3,1 Prozent auf 60,86 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 3,5 Prozent schwächer bei 57,48 Dollar.
Asiens Börsen im Rückwärtsgang
Die asiatischen Börsen setzen die Talfahrt der Wall Street fort. Rezessionsängste belasteten die Stimmung der Anleger, da US-Präsident Donald Trump die Einführung von Zöllen in Höhe von 104 Prozent auf chinesische Importe vorantrieb, die um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten sollen.
Die japanische Börse tendiert schwächer. In Tokio gibt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 2,6 Prozent auf 32.147,04 Punkte nach und der breiter gefasste Topix notiert 2,1 Prozent niedriger bei 2.380,84 Zählern. Die Börse Shanghai verliert 0,3 Prozent auf 3.134,89 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fällt um 0,2 Prozent auf 3.644,16 Punkte.
Die wechselnden Schlagzeilen über die Zölle und das Schreckgespenst eines anhaltenden Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt lösten starke Schwankungen an den Finanzmärkten aus. "Die USA und China befinden sich in einem noch nie dagewesenen und teuren Spiel, und es scheint, dass beide Seiten nicht bereit sind, einen Rückzieher zu machen", sagte Ting Lu, Chefökonom für China bei Nomura. Angesichts der außerordentlich instabilen Situation sei es derzeit unmöglich, die Auswirkungen des laufenden Handelskriegs zwischen den USA und China auf Chinas Wirtschaft vernünftig abzuschätzen, so der Ökonom.
In Japan führten Technologiewerte den Rückgang an, wobei der Hersteller von Chip-Testgeräten Advantest um neun Prozent und der Chiphersteller Tokyo Electron um 4,85 Prozent nachgab. Der Technologie-Investor SoftBank Group fiel um 5,96 Prozent. Der japanische Finanzminister Katsunobu Kato sagte, dass die Handelsverhandlungen mit den Vereinigten Staaten auch Gespräche über die Wechselkurse beinhalten könnten. Der Gouverneur der Bank von Japan (BOJ), Kazuo Ueda, erklärte, die Zentralbank werde bei ihren geldpolitischen Entscheidungen sorgfältig analysieren, wie sich die US-Zölle auf die Wirtschaft auswirken könnten.
Außenhandelsverband: Deutschland muss mit Warenknappheit rechnen
Dem Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) zufolge wird der Zollkonflikt mit den USA auf lange Sicht in Deutschland zu Warenknappheit und Marktverzerrungen führen. "Wir müssen mit gestörten Lieferketten und Warenknappheit rechnen", sagte Verbandspräsident Dirk Jandura der "Augsburger Allgemeinen".
Bisher könnten die bestehenden Lieferketten aufrechterhalten werden, da viele Händler angesichts der drohenden Zölle ihre Lager noch zu alten Bedingungen aufgefüllt hätten. Deutsche Unternehmen müssten auch mit einerwachsenden Billigkonkurrenz durch große Überproduktion in China rechnen, da den dortigen Händlern über Nacht ein großer Absatzmarkt weggebrochen sei, sagte Jandura.
Wall Street dreht nach dickem Plus tief ins Minus
Zoll-Damoklesschwert schwebt weiter über dem Dax
Nun sind die Zölle da. Trumps globaler Zollhammer tritt in Kraft. Gestern noch hatte der Dax nach drei tiefroten Handelstagen mit einem kräftigen Zuwachs die Marke von 20.000 Punkten wieder hinter sich gelassen. Zoll-Störfeuer blieben vorerst aus, erste Schnäppchenjäger waren wieder unterwegs. Zum Handelsende gewann der deutsche Leitindex 2,5 Prozent auf 20.280 Punkte. Damit knüpfte der Dax nach dem Kurseinbruch am Montagmorgen bis unter 18.500 Punkte an seinen Erholungsversuch vom Vortag an.
Erst einmal geht aber das von Donald Trump angerichtete Zollchaos weiter. Heute treten nämlich die neuen US-Sonderzölle gegen die EU in Kraft. Sie betragen 20 Prozent, Brüssel hat bislang noch keine Gegenmaßnahmen angekündigt. Auf Warenimporte anderer wichtiger US-Handelspartner werden zum Teil noch höhere Sätze fällig. Im Raum steht auch eine weitere Erhöhung der US-Zölle gegen China. Die EU will zudem über eine Liste mit US-Produkten abstimmen, auf die Gegenzölle erhoben werden sollen. Dies ist die Reaktion auf die eingesetzten US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium.
Und dann wäre da Volkswagen: Der Dax-Konzern legt die Absatzzahlen für das erste Quartal vor. Vorstandschef Oliver Blume hatte im März erklärt, der Jahresstart sei besser als erwartet verlaufen. VW setzt auf positive Impulse von rund 30 neuen Modellen und sah zuletzt gutes Wachstumspotenzial in Nordamerika. Allerdings werden die Autopreise aufgrund der erhöhten US-Importzölle auf Autos und Teile steigen. Ungeachtet dessen ging Europas größter Autokonzern von einem Absatz 2025 auf Vorjahresniveau aus.
Nach Handelsschluss in Frankfurt legt die US-Notenbank die Protokolle ihrer jüngsten Zinssitzung vom März vor, die Investoren auf Hinweise auf den weiteren Kurs abklopfen dürften. Die Fed hatte den geldpolitischen Schlüsselsatz in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent belassen. Ihr Chef Jerome Powell betonte auch mit Blick auf die von US-Präsident Trump angestoßene Zollpolitik, die damit verbundene Unsicherheit sei hoch. Zugleich signalisierten die Währungshüter, dass zwei Zinsschritte nach unten im laufenden Jahr drin sein dürften.
Die komplette Terminübersicht für diese Woche finden Sie hier.