Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Higher für longer" als Kontraindikator

21.09.2026, 05:59 Uhr

Das Rätseln über die Geldpolitik und den Nahost-Konflikt dürfte in dieser Börsenwoche weitergehen. In der alten Woche sorgten die Entschlossenheit der US-Notenbank Fed und ein leichter Rückgang bei den Energiepreisen für etwas Stabilisierung am Markt. "Dem Zinsentscheid der US-Notenbank in der Wochenmitte kam spezielle Bedeutung zu, weil der neue Notenbankchef im Vorfeld in die Kritik geraten war, nicht ausreichend auf die Preisstabilität zu achten", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Der geldpolitische Schlüsselsatz in den USA wurde um einen Viertelprozentpunkt angehoben. In ihrem Zinsausblick signalisierten die Währungshüter zudem, dass sie die Zügel noch ein weiteres Mal anzuziehen gedenken. "Eine glaubwürdige Zentralbank reduziert das Risiko noch stärkerer Zinserhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt", erläutert Gerhard Winzer, Chefvolkswirt bei Erste Asset Management. "'Higher for longer' ist daher nicht nur eine Belastung für die Finanzmärkte. Es ist auch ein notwendiges Stabilitätssignal."

Allerdings wäre es verfrüht, in Euphorie zu verfallen, schreiben die Experten der Helaba. Nordsee-Rohöl Brent verbilligte sich auf Wochensicht zwar um rund ein Prozent, nachdem Saudi-Arabien in Aussicht gestellt hatte, seine beschädigte Ost-West-Pipeline innerhalb weniger Tage mit halber Kapazität wieder hochzufahren. "Dennoch stellen die hohen Energiepreise bereits jetzt für die Weltwirtschaft eine Herausforderung dar - ebenso wie die jüngst wieder aufgeflammten Zolldiskussionen zwischen den USA und der EU", hieß es im Helaba-Bericht. Der Dax schloss am Freitag mit 25.304 Punkten mehr als ein Prozent unter dem Vorwochenschluss.

Nachdem sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Fed mit ihren jüngsten Leitzinserhöhungen auf die steigende Inflation reagiert haben, rückt nun der Konjunkturtrend wieder in den Fokus. "Zahlreiche Frühindikatoren werden in dieser Woche zeigen, wie stabil der Wachstumstrend diesseits wie jenseits des Atlantiks derzeit wirklich ist", sagt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. "Noch sieht es eher nach einer kleinen Konjunkturdelle aus - doch umso länger die Energiepreise aufgrund des anhaltenden Iran-Kriegs hoch bleiben, desto größer das Risiko für einen stärkeren Konjunkturdämpfer als heute weithin erwartet." Die Konjunkturdatenwoche eröffnen am Dienstag die Daten zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im September.

Auf der Unternehmensseite behalten die Anleger weiter vor allem den Technologiesektor im Blick. Sorgen der Anleger über eine mögliche Abschwächung des Entwicklungstempos bei Künstlicher Intelligenz (KI) belasteten zuletzt die Aktienkurse.

Die komplette Terminvorschau für diese Woche finden Sie hier.

Quelle: ntv.de