Der Börsen-TagÜbernahmen, Fusionen, Abspaltungen: Es geht um Milliarden
Der Dax eilt von Rekord zu Rekord. So auch gestern. Der deutsche Börsenleitindex schloss zwar mit einem Abschlag von 0,3 Prozent und einem Stand von 26.126 Punkten, das Allzeithoch markierte er im Handelsverlauf bei 26.403,81 Zählern. Als ein Treiber der positiven Stimmung an den Aktienmärkten gelten die deutlich niedrigeren Ölpreise, die wiederum von einer sich abzeichnenden Öffnung der Straße von Hormus profitieren. Diesbezüglich zeichne sich eine Einigung zwischen den USA und dem Iran ab, so Marktteilnehmer.
Davon abgesehen, ist die heutige Agenda prall gefüllt: So dürfte etwa die deutsche Industrie im Juni erneut mehr Aufträge eingesammelt haben. Experten erwarten einen Zuwachs beim Neugeschäft von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Mai hatte es sogar ein Bestellplus von 1,9 Prozent gegeben. Die Industrie fasste damit wieder Tritt, nachdem der Nahost-Krieg und die damit einhergehende Unsicherheit zuvor eine Nachfrageflaute ausgelöst hatten. Viele Ökonomen rechnen vorerst allerdings nicht mit einer starken Erholung, solange der Iran-Konflikt weiter schwelt.
Unternehmensseitig ist die Berichtssaison das nach wie vor beherrschende Thema. Bei Siemens dürfte der Boom bei Rechenzentren für die künstliche Intelligenz (KI) im abgelaufenen Quartal Rückenwind gegeben haben. Aber auch das Geschäft mit Automatisierungstechnik hatte sich zuletzt wieder stabilisiert. Für das ganze Geschäftsjahr, das am 30. September endet, hat der Technologiekonzern ein vergleichbares Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent in Aussicht gestellt. Der Gewinn je Aktie soll 10,70 bis 11,10 Euro erreichen. Ungeduldig warten die Analysten auf Neuigkeiten, wann und wie es mit der Abspaltung der Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers weitergeht.
Nach der jüngsten Prognoseanhebung der US-Tochter T-Mobile hoffen Anleger auf einen vergleichbaren Schritt der Deutschen Telekom. In den vergangenen Quartalen hatte die Deutsche Telekom meist nachgezogen. Daneben warten Börsianer gespannt auf Aussagen zur angedachten Erweiterung des KI-Rechenzentrums sowie zu den anhaltenden Spekulationen über eine Fusion von Telekom und T-Mobile. Analysten haben für das abgelaufene Quartal einen Telekom-Umsatz von 29,96 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 11,7 Milliarden Euro vorhergesagt.
Und mitten im Übernahmekampf mit der Unicredit legt die Commerzbank Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten gehen im Schnitt von einem kräftigen Anstieg des Nettogewinns auf 845 Millionen Euro aus, nach 462 Millionen im vergangenen Jahr. Im Mai hatte die Commerzbank ihre Ziele angehoben und den Abbau weiterer 3000 Stellen angekündigt. Im Vordergrund steht aber die Frage, wann es nun endlich direkte Gespräche zwischen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und Unicredit-Chef Andrea Orcel geben wird. Dabei geht es angesichts der Machtverhältnisse wohl nur noch um das Wie einer Übernahme und nicht mehr darum, ob sie zustande kommt. Die italienische Bank hat sich schon knapp die Hälfte an der Commerzbank gesichert.
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