Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagWas, wenn der Zins-Hike der Fed heute Abend verpufft?

16.09.2026, 08:27 Uhr
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Fed-Chef Kevin Warsh wollte den Bondmarkt als Seismographen lesen. Jetzt droht er ihn steuern zu müssen.

Die Fed wirkt getrieben, nicht souverän. Nach Monaten des Abwartens soll es jetzt schnell gehen: Es wäre die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit Juli 2023. Der Markt preist zu über 90 Prozent einen Zinsschritt von 3,50 bis 3,75 Prozent auf 3,75 bis 4,00 Prozent ein.

Der Grund ist neu: Es ist nicht nur der Ölpreisschock durch den Krieg im Nahen Osten, der die Inflation wieder auf 3,4 Prozent getrieben hat. Es ist, so steht es im Protokoll der Juli-Sitzung, der KI-Boom selbst. "Mehrere" Mitglieder des Offenmarktausschusses warnen, dass Milliarden-Investitionen in Data Center die Gesamtnachfrage nach Chips, Strom und Fachkräften so anheizen, dass sie die Preise breitflächig treiben.

Genau hier liegt das Dilemma von Fed-Chef Kevin Warsh. Er hat die Forward Guidance abgeschafft, will den Bondmarkt nicht mehr füttern, sondern ihn als unbestechlichen Seismographen lesen. Nur: Der Markt testet ihn. Die 10-jährige Rendite ist zwischenzeitlich auf über 5,0 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 2007, die 30-jährige über 5,20 Prozent.

Warsh sagt "we have work to do" bei der Inflation. Der Markt antwortet: Dann zeig es. Investoren klagen, Warsh habe es versäumt zu erklären, wie er seine Inflations-Entschlossenheit erreichen will.

Und was, wenn die Erhöhung nun nicht funktioniert? Eine AI-getriebene Nachfrage reagiert kaum auf eine Veränderung um einen Viertelpunkt. Sie ist nicht zins-, sondern knappheitsgetrieben. Die Fed könnte in eine Schleife geraten: Ein "one and done" hat in der jüngeren Fed-Geschichte erst ein Mal funktioniert - im Dezember 2015. Meistens kam nach dem ersten Hike eine ganze Serie. Darauf wettet der Bondmarkt jetzt auch: Er preist auf Jahressicht drei weitere Viertel-Schritte ein.

Bleibt noch die letzte Option: Anleihekäufe. Fed-Chef Warsh hat als Mitglied des Board of Governors (2008-2011) QE1 mit aufgesetzt, kennt das Instrument also aus der Krise. Aktuell ist das keine Option für ihn. Wenn die 10-jährige Rendite trotz des Zinsschritts heute Abend bei 5,0 Prozent kleben bleibt und die KI-Investitionen weiter die Inflation anheizen, wäre das Eingreifen allerdings die logische - wenn auch teure - Eskalation.

Quelle: ntv.de