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Der Bahnstreik naht Claus Weselsky: Der Überlebenskampf eines Egomanen

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Es bestehen kaum Zweifel darüber, dass Claus Weselsky und die GDL den Bahnverkehr lahmlegen werden.

(Foto: dpa)

Die Bahn steht vor einem Streik. Die GDL und ihr Chef Claus Weselsky zünden die nächste Eskalationsstufe im Machtkampf mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer GDL ist streikbereit. Das Ergebnis der Urabstimmung ist bekannt - die Mitglieder haben mit großer Mehrheit für einen Arbeitskampf bei der Bahn gestimmt. Der Konzern und jeder, der auf die Bahn angewiesen ist, muss sich auf Dauerstress einstellen. GDL-Chef Claus Weselsky hat die Mittel, die Bahn flächendeckend lahmzulegen. Und er hat überhaupt kein Problem damit, diese auch anzuwenden.

Und das, während sich Deutschland langsam von den Folgen der Corona-Krise erholt und schrittweise endlich so etwas wie Normalität zurückkehrt. Das ist Weselsky und der GDL offenbar völlig egal. Denn im Konflikt geht es ihnen vorrangig gar nicht um Tarifergebnisse. Es geht ihnen in erster Linie darum, den eigenen Einfluss im Konzern zu vergrößern und der viel größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG möglichst viele Mitglieder abzujagen. Und deshalb eskaliert Weselsky schnell maximal.

Was nichts daran ändert: Das Streikrecht ist der GDL unbenommen. Es ist völlig richtig, dass Gewerkschaften diese wirkungsvolle Waffe besitzen, um den Arbeitgebern etwas entgegenzusetzen. Doch sie müssen diese mit Bedacht und Umsicht nutzen. Genau das macht die GDL nicht.

Weselsky ist wild entschlossen, den von ihm gewollten Machtkampf auf dem Rücken aller Bahnkunden auszutragen und Personen- und Güterverkehr bei Bedarf so weit wie möglich stillzulegen. Das ist sein gutes Recht. Angemessen ist es allerdings nicht.

Weselsky braucht den Streik

Hintergrund des GDL-Krawalls ist das Tarifeinheitsgesetz, das einen Überbietungswettbewerb von Gewerkschaften und die Spaltung einer Belegschaft verhindern soll. Es schreibt vor, dass in einem Betrieb der Tarifvertrag mit der Gewerkschaft gilt, die unter den Beschäftigten die meisten Mitglieder hat. Die Bahn muss das Gesetz in den Betrieben anwenden, in denen sowohl die GDL als auch die EVG dieselben Berufsgruppen vertreten. Nach Angaben der Bahn ist das in 71 von 300 Betrieben des Konzerns der Fall. In 55 Betrieben hat die EVG die Mehrheit, in 16 die GDL.

Mit der EVG hat der Konzern bereits einen Sanierungstarifvertrag mit einer Laufzeit bis Februar 2023 geschlossen. Der GDL reichen die Vereinbarungen - das ist wenig überraschend - nicht aus. Sie will mehr Zugeständnisse erzwingen, damit für die Bahn-Beschäftigten attraktiver werden, und hofft, so in weiteren Betrieben der Bahn die größere Gewerkschaft zu werden und dann das Tarifeinheitsgesetz zum eigenen Vorteil nutzen zu können. Schon seit langem versucht die GDL, mit Kampagnen Mitglieder der EVG abzuwerben und wirft dieser vor, die Interessen der Arbeitnehmer viel zu schwach zu vertreten.

Und genau deshalb ist ein Streik aus Sicht der GDL wünschenswert. So kann sich CDU-Mitglied Weselsky als Kämpfer gegen das Establishment inszenieren - wozu aus GDL-Sicht nicht nur der Bahn-Vorstand, sondern auch die EVG zählen.

Dabei hilft wenig, dass die Bahn der GDL eine Existenzgarantie gibt und vorgeschlagen hat, dass bei ihr künftig die Tarifverträge der beiden Gewerkschaften in einem Betrieb nebeneinander zur Anwendung kommen. Für ein GDL-Mitglied würde dann das GDL-Tarifwerk gelten, für ein EVG-Mitglied das EVG-Tarifwerk. Nichtorganisierte könnten zwischen einem der beiden Tarifwerke wählen. Das lehnt die GDL aber ab.

GDL schimpft über "Fake News"

Konsequenterweise bezeichnet Weselsky Bahn-Personalvorstand Martin Seiler derweil als "Lügenbaron", der "Fake News" verbreite und eine von "Falschbehauptungen nur so strotzende Scheinofferte" vorlege. Die GDL hatte zuvor die Tarifgespräche für gescheitert erklärt. An den Verhandlungstisch will sie vorerst nicht zurückkehren, obwohl die Bahn ihre Angebote verbessert hat. Die GDL hat den Streik rhetorisch vorbereitet, kann eigentlich nicht mehr zurück - und will dies auch gar nicht.

Dabei liegen die Tarifpositionen von Konzern und Gewerkschaft nicht weit auseinander und dürften sich durch eine Schlichtung lösen lassen. Doch auch das lehnt die im Deutschen Beamtenbund organisierte Gewerkschaft strikt ab.

Ein Streik bei der Bahn ist zu diesem Zeitpunkt völlig überflüssig. Dass es dennoch dazu kommt, liegt am Ego-Trip eines machtbewussten Funktionärs, der im von ihm begonnenen innergewerkschaftlichen Streit punkten will.

Quelle: ntv.de

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