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Gabriel und die Deutsche Bank Eine Fehlentscheidung erster Güte

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Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel hat eine neue lukrative Aufgabe gefunden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Deutsche Bank will die Personalie als Erfolg verstanden wissen. Doch das Geldhaus nimmt mit der Entscheidung, Sigmar Gabriel als Aufsichtsrat einzusetzen, Schaden. In den bestehenden Problemfeldern hat der Sozialdemokrat keine Erfahrung.

Der Plan, Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu holen, ist ein Fehler - in mehrfacher Hinsicht. Zwar muss der 60-jährige frühere SPD-Chef noch das Votum der Aktionäre abwarten. Aber schon im Vorfeld richtet die Kandidatur großen Schaden an.

Den Schaden haben vor allem die Deutsche Bank und deren Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der die Personalie als Erfolg verstanden wissen möchte. Deutschlands größtes Geldhaus steckt mittendrin im Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit - und droht ihn zu verlieren. Und das nicht nur, weil deutsche und europäische Banken durch die niedrigen Zinsen im Kreditgeschäft nahezu kein Geld verdienen und Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank als Strafzinsen für dort geparktes Geld überweisen müssen.

Viele Fehler sind hausgemacht. Das immer irrelevanter werdende Kapitalmarktgeschäft, zu hohe Kosten, zu geringe Erträge - all das setzt dem früher vor Kraft strotzenden Geldhaus zu. Die viel zu spät eingeleiteten Digitalisierungsbemühungen, halbherzige Transformationsprozesse und ein neu zu strukturierendes Privatkundengeschäft bereiten zusätzliche Probleme.

In keinem der Problemfelder kann Gabriel, der laut seinem Umfeld seit seinem Ausstieg aus der Politik eine lukrative Anschlussverwendung sucht, Erfahrung vorweisen. Zwar saß er als Minister im Kontrollgremium der staatlichen Förderbank KfW. Aber Förderbankengeschäft hat mit den Herausforderungen einer privaten Großbank, die sich im globalen Wettbewerb behaupten muss, nicht wirklich viel gemein.

Kontakte zur Spitzenpolitik wertlos?

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Viele Deutschbanker werden sich die Frage stellen: Wie soll ausgerechnet einer, der keine Erfahrung im Bankgeschäft hat, in diesen stürmischen Zeiten die unter Druck stehenden Deutsche-Bank-Vorstände kompetent kontrollieren oder Fehlentscheidungen verhindern? Die Wahl Gabriels in den Aufsichtsrat dürfte zu einer Fortsetzung zahlreicher Fehlentscheidungen werden.

Viel zu oft haben sich die Top-Banker in den oberen Etagen der Frankfurter Zwillingstürme in den vergangenen Jahren nicht nur Skandale, sondern auch folgenschwere Strategiefehler erlaubt. Wiederholte und kostspielige Wechsel auf der Vorstandsetage zeugen davon. Schlimmer noch: Die Personalie könnte sogar den von Bankchef Christian Sewing eingeleiteten Imagewandel und seine Motivationsbemühungen gegenüber seiner frustrierten Belegschaft torpedieren.

Und selbst, wer daran glaubt, dass Gabriel seine Drähte in die Spitzenpolitik für das Wohl der Bank nutzen könnte, könnte enttäuscht werden. Das Verhältnis des Ex-Ministers zur aktuellen SPD-Spitze gilt als unterkühlt. Das Führungsduo der Partei ist bislang nicht dadurch aufgefallen, auf die Belange von Großbanken Rücksicht nehmen zu wollen.

Und mit Vizekanzler und SPD-Finanzminister Olaf Scholz liegt Gabriel im Clinch, seitdem der ihn zu seinem Abgang aus dem Außenministerium gedrängt hatte. Selbst seine verbliebenen Verbündeten im SPD-Lager helfen ihm wohl wenig: Wie die Deutsche Bank mühen sich auch die Sozialdemokraten gegen den Abstieg in die Irrelevanz.

Quelle: ntv.de