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Debatte über Corona-Pflicht-App Lockdown: Plan D muss her

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Die Corona-Warn-App wurde bereits von mehr als 20 Millionen Nutzern aufs Handy geladen

(Foto: dpa)

Niemand will einen digitalen Überwachungsstaat. Aber weitere Lockdowns werden wir nicht mit Zettel, Stift und Telefon verhindern. Die Corona-Warn-App muss ausgeweitet und verpflichtend werden.

Deutschland ächzt unter dem Lockdown. In den vergangenen Monaten haben Unternehmen viel Geld für Hygienemaßnahmen ausgegeben. Spuckschutzwände, Desinfektionsmittel oder auch Heizpilze wurden angeschafft. Doch es hat wenig genützt. Die Infektionszahlen sind so schnell in die Höhe geschossen, dass ein Lockdown unvermeidlich wurde. Vorwürfe an die Politik gibt es viele - Demos, Menschenketten und teilweise sogar gewaltsame Auseinandersetzungen.

Die Behörden sind mit der Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten hoffnungslos überfordert. Es muss ein "Plan D" her - D wie digitale Nachverfolgung der Kontakte -, wenn wir nicht jeden zweiten Monat einen Lockdown ausrufen wollen. China und Taiwan zeigen, wie es geht. Sicherlich wollen wir hier keine diktatorischen Maßnahmen und totale Überwachung. Aber die Unmengen an Kontakten zu erfassen und unter Kontrolle zu halten, geht nur mit technischer Unterstützung. Wir müssen über eine Corona-Pflicht-App reden!

Bei Inzidenzwerten unter 50 scheinen die Behörden noch in der Lage, das Geschehen unter Kontrolle zu halten: telefonieren, Kontaktpersonen aufschreiben, diese anrufen. Dennoch sind die Möglichkeiten der Behörden beschränkt und nicht zeitgemäß. Technische Lösungen werden nicht oder nur unzureichend genutzt. Eine Lösung sollte eigentlich die Corona-Warn-App bringen. Die App wurde bereits von mehr als 20 Millionen Nutzern aufs Handy geladen. Doch warum hilft sie nicht bei der Nachverfolgung? Die Menschen nutzen die App unzureichend. Zu wenige geben das Ergebnis ihres Corona-Tests in der App ein. So wird das nichts. Die Behörden werden nicht mit Zettel, Stift und Telefon viele Tausend Kontakte nachverfolgen, befragen und in Quarantäne schicken können.

Wer ein Mobiltelefon hat, der muss auch die App installieren. Corona-Test-Ergebnisse müssen automatisch und anonym in die App übermittelt werden, von jedem Labor. Außerdem muss es eine bundeseinheitliche Erfassung der Besuche in Restaurants, Bars, Kino oder Fitnessclubs geben. Das kann übers Handy mit QR-Codes oder anderen technischen Lösungen erfolgen. Die Corona-Warn-App muss dafür erweitert und zu einer Corona-Pflicht-App werden. Kein Mensch will einen digitalen Überwachungsstaat, aber weitere Lockdowns werden wir nicht mit Zettel, Stift und Telefon verhindern.

Wir haben die technischen Möglichkeiten, entsprechende Lösungen umzusetzen. Im Zweifel müssen dafür auch Datenschutzregeln zeitweise außer Kraft gesetzt werden. Wer mit einem tödlichen Virus frei leben will, muss Unfreiheit hinnehmen. Das braucht aber den Mut von Politikern, das anzusprechen und umzusetzen. Es wird Zeit für Plan D.

Quelle: ntv.de