Marktberichte

Tupperware nicht in Partylaune Abverkauf an der Wall Street geht weiter

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Die Stimmung an den Märkten ist trübe.

(Foto: AP)

Während das Coronavirus in Europa weiter um sich greift, zwingt es in den USA die Märkte in die Knie. Die Wall Street schließt nach weiteren Verlusten auf dem Stand von Ende Oktober. Zu den wenigen Gewinnern des Tages zählt ein Unternehmen, das an der Virusbekämpfung arbeitet.

An den US-Börsen hat sich am Dienstag die Talfahrt weiter fortgesetzt. Die Sorgen über die Ausbreitung des Coronavirus und die Folgen für die Weltwirtschaft verunsichern die Anleger immer stärker. Bereits am Vortag hatte es daher international heftige Verwerfungen an den Börsen gegeben. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hatte mehr als 1000 Punkte verloren. Nun beendete der wichtige Wall-Street-Index den Tag mit einem weiteren Abschlag von 3,15 Prozent oder knapp 900 Punkten auf 27.081,36 Zähler. Damit ist er wieder auf dem Punktestand angekommen, den er zuletzt Ende Oktober hatte. Kurzzeitig war der Dow sogar wieder unter die Marke von 27.000 Punkten gesackt.

Nasdaq 100
Nasdaq 100 7.588,37

Der marktbreite S&P 500 sank am Dienstag um 3,03 Prozent auf 3128,21 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verlor 2,70 Prozent auf 8834,87 Zähler. Dagegen waren Staatsanleihen als "sichere Häfen" erneut stark gefragt und zogen kräftig an. Die Rendite für zehnjährige US-Bonds, die als weltweit wichtigster Schuldtitel gelten, fiel auf ein Rekordtief von 1,3055 Prozent. Zugleich gab der US-Dollar zum Euro nach.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC befürchtet eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus auch in den USA. Die "aggressive Eindämmungsstrategie" der Vereinigten Staaten habe zwar bislang weitgehend dafür gesorgt, die Einschleppung des Virus zu bremsen. Da es sich aber in immer mehr Ländern ausbreite, werde es immer schwieriger, es an den Grenzen zu stoppen, sagte Nancy Messonnier, die Leiterin der CDC-Abteilung für Immunisierung und Atemwegserkrankungen.

In Europa gibt es zudem neue Fälle in weiteren Ländern. Neben der hohen Zahl Infizierter in Italien gibt es nun auch erste Fälle in Spanien, der Schweiz und auch in Deutschland. Die Stimmung der Konsumenten und in den Unternehmen könnte sich nicht nur in Europa stark eintrüben, sondern womöglich auch in den USA, sagte Chefinvestor Mark Haefele von der UBS. Wie heftig die Epidemie letztlich wird, sollte sich wohl in den nächsten zwei Wochen zeigen, erwartet er. "Sollten Europa und Nordamerika zu ähnlich drastischen Maßnahmen zur Eindämmung greifen müssen wie China, dann würde das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr erheblich darunter leiden."

Verbraucher wenig zuversichtlich

Mastercard
Mastercard 220,00

Angesichts des Schreckens, den das Virus mittlerweile verbreitet, dürfte das überraschend gesunkene US-Verbrauchervertrauen im Februar kaum wundern. Statt eines leichten Anstiegs des Index im Vergleich zum Januar trübte sich die Stimmung spürbar ein. Tiefrot war die überwiegende Mehrheit der Vorzeichen in allen wichtigen Indizes. Gewinner gab es so gut wie keine. Im Dow drehten trotz erfreulicher Quartalszahlen letztlich auch die Aktien von Home Depot in die Verlustzone und gaben rund ein Prozent ab.

Die geringsten Verluste verbuchten indes die Papiere der Schnellrestaurantkette McDonald's mit minus 0,7 Prozent. Größter Verlierer im 30 Werte umfassenden Dow war American Express mit minus 5,7 Prozent und auch Visa gaben mit minus 5,2 Prozent deutlich nach. Wegen der Unsicherheit über die Auswirkungen des Coronavirus hatte Wettbewerber Mastercard sein Umsatzziel für das laufende Quartal gesenkt. Die Aktien des Kreditkarten-Giganten fielen im S&P 100 um 6,7 Prozent. Um 5,5 Prozent ging es für die Papiere des Warenhausbetreibers Macy's abwärts, der ebenfalls Zahlen vorgelegt hatte.

Tupperware
Tupperware 1,57

Aufmerksamkeit zogen außerdem erneut die Anteile des Biotech-Unternehmens Regeneron auf sich, die zu den ganz wenigen Börsengewinnern zählten. Sie legten um 4 Prozent zu und bauten damit ihr Vortagesplus von rund viereinhalb Prozent aus. Regeneron hatte Anfang des Monats bekannt gegeben, zur Bekämpfung des Coronavirus verstärkt mit dem US-Ministerium für Gesundheit und Soziale Dienste (HHS) zusammenzuarbeiten, um eine Antikörperbehandlung zu entwickeln. Inzwischen haben einige Analysten die Aktie ins Visier genommen und empfehlen sie nun zum Kauf.

Im Fokus standen an diesem Tag auch die Papiere des einst erfolgreichen Unternehmens Tupperware, die letztlich um etwas mehr als 45 Prozent einbrachen. Der inzwischen hochverschuldete Plastikdosenhersteller, der in den 90er Jahren auch die deutschen Haushalte eroberte, muss die Veröffentlichung seines Geschäftsberichts verschieben. Es gebe Nachforschungen über die Bilanzierung des Beauty-Geschäfts Fuller in Mexiko. Die Aktien, die 2013 noch knapp unter 100 US-Dollar notiert hatten, kosten nun gerade einmal etwas mehr als 3 Dollar. Das Unternehmen ist damit gerade mal noch rund 150 Millionen Dollar wert.

Der Euro stieg nach einer Berg- und Talfahrt im US-Handel wieder deutlich und kostete zum Börsenschluss an der Wall Street 1,0885 Dollar. Am US-Rentenmarkt legten zehnjährige Staatsanleihen letztlich um 12/32 Punkte auf 101 18/32 Punkte zu und rentierten mit 1,33 Prozent.

Quelle: ntv.de, ino/dpa