Marktberichte

Ölpreise unter Druck Anleger nehmen etwas Gewinne mit

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(Foto: REUTERS)

Die Rekordserie an der Wall Street wird jäh unterbrochen: Die US-Börsen schließen im Minus. Nachdem die großen Indizes zu Wochenbeginn Allzeithochs markiert hatten, gibt es am Dienstag keine neuen Rekordmarken.

Die Wall Street tat sich am Dienstag schwer mit der Richtungsfindung. Zwar erreichte der Dow-Jones-Index nochmals ein Rekordhoch, es lag aber nur minimal über dem des Vortags. Nachdem die großen Indizes zu Wochenbeginn Allzeithochs markiert hatten, fehlten die weiteren Impulse nach oben. Sowohl neue Zahlen aus der Bankenbranche als auch Konjunkturdaten enthielten Licht und Schatten.

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Zwischenzeitlich kam etwas Druck auf den Markt, als US-Präsident Donald Trump sagte, es sei noch ein langer Weg zu einer Handelsvereinbarung mit China. Dafür scheint es Anzeichen einer Entspannung im amerikanisch-iranischen Konflikt zu geben, was die Ölpreise unter Druck brachte.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,1 Prozent tiefer bei 27.336 Punkten. Der S&P-500 fiel um 0,3 Prozent und der Nasdaq-Composite um 0,4 Prozent. Dabei wurden 1.538 (Montag: 1.364) Kursgewinner und 1.412 (1.580) -verlierer gesehen, unverändert schlossen 85 (95) Titel.

Mit Goldman Sachs, JP Morgan und Wells Fargo hatten vor Handelsbeginn drei Banken-Schwergewichte Quartalszahlen vorgelegt. Alle drei haben mehr verdient als erwartet, gleichwohl fielen die Kursreaktionen unterschiedlich und zudem volatil aus. Die Aktien von JP Morgan stiegen um 1,1 Prozent. Ähnlich wie der Zahlenausweis der Citigroup am Montag zeichnete sich der Quartalsbericht durch ein starkes Privatkundengeschäft und ein schwächeres Investmentbanking aus.

Dow Jones
Dow Jones 27.001,98

Goldman legten um 1,9 Prozent zu. Hier dürfte wohl die Anhebung der Quartalsdividende um 47 Prozent gestützt haben. Der Kurs von Wells Fargo zeigte sich nach den Zahlen 3 Prozent niedriger. Über den US-Banken hängt das Damoklesschwert niedriger und demnächst wohl noch weiter sinkender Zinsen. Die Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem US-Kongress in der vergangenen Woche und das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung haben am Markt die Überzeugung gefestigt, dass die Notenbank noch in diesem Monat die Zinsen senken wird.

An Konjunkturdaten wurden vor Börsenbeginn Juni-Daten zu Einzelhandelsumsatz sowie Import- und Exportpreisen veröffentlicht. Der viel beachtete Einzelhandelsumsatz stieg im vergangenen Monat stärker als erwartet. Die Importpreise gingen etwas stärker zurück als prognostiziert. Die Industrieproduktion stagnierte im Juni, während Volkswirte einen kleinen Anstieg erwartet hatten.

ZEW bremst Euro - Brexit-Angst drückt Pfund

Am Devisenmarkt kam der Euro zum Dollar zurück, belastet unter anderem von dem schwächeren ZEW-Index für Juli. Mit den starken US-Einzelhandelsumsätzen kam zusätzlich etwas Druck auf. "Durch die Datenveröffentlichung werden die Spekulationen auf eine EZB-Zinssenkung Ende dieses Monats tendenziell verstärkt", hieß es von der Helaba zum ZEW. Mehrere Banken rechnen nun schon mit zwei Zinssenkungen a 10 Basispunkten im EZB-Einlagensatz in diesem Jahr. Die Gemeinschaftswährung fiel auf 1,1210 Dollar von Kursen um 1,1260 am Morgen.

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,11

Noch stärker unter Druck stand das britische Pfund. Die jüngste Debatte zwischen den beiden Top-Bewerbern um das Amt des Premierministers habe die Angst vor einem abrupten Brexit befeuert, sagten Devisenhändler. Sowohl Boris Johnson als auch Jeremy Hunt hatten gesagt, dass sie die sogenannte Backstop-Regelung für die Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland nicht akzeptieren würden, die zuvor mit der Europäischen Union ausgehandelt worden war. Mit dieser Haltung dürften sie bei den europäischen Regierungschefs auf Widerstand stoßen und ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Vertrag riskieren.

Die Ölpreise sackten abrupt ab, als US-Außenminister Mike Pompeo und US-Präsident Trump sagten, man nähere sich Verhandlungen mit dem Iran über sein Atomprogramm. Derweil hob Irans Außenminister hervor, sein Land sei zu Verhandlungen bereit, wenn die USA die Sanktionen zurücknähmen. Zuvor hatten die Preise behauptet tendiert, nachdem der Sturm Barry den Golf von Mexiko am Montag passiert hat, ohne viel Schaden anzurichten. Barry hatte nur kurze Zeit den Status eines Hurrikans genossen. Die Degradierung zum gewöhnlichen Sturm in Verbindung mit der noch immer hohen Ölförderung in den USA bremsten die Preise, so die Analysten der London Capital Group. Das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI verlor zum Settlement 3,3 Prozent auf 57,62 Dollar. Brentöl notierte 2,3 Prozent tiefer bei 64,94 Dollar.

Brent Rohöl
Brent Rohöl 59,09

Leichter zeigte sich der Goldpreis. Die Feinunze ermäßigte sich um 0,7 Prozent auf 1.405 Dollar, belastet auch durch den gestiegenen Dollar. Der Aufwärtstrend des Edelmetalls sei intakt, trotz der jüngsten Rekorde an den Aktienmärkten, sagten Marktteilnehmer. Edward Moya, Senior Market Analyst bei Oanda, sieht den kurzfristigen Widerstand des Goldpreises bei 1.500 Dollar. Das zinslos gehaltene Gold dürfte von den voraussichtlich weiter sinkenden Zinsen profitieren. Am Anleihemarkt gaben die Notierungen nach den Einzelhandelsdaten nach. Die Zehnjahresrendite stieg um 2,3 Basispunkte auf 2,11 Prozent.

Johnson & Johnson trotz höherer Umsatzprognose schwach

Johnson & Johnson
Johnson & Johnson 122,00

Außer den drei Großbanken berichtete Johnson & Johnson über den Verlauf des zweiten Quartals. Der Konsumgüterkonzern meldete ein kräftiges Gewinnplus und hob sein Umsatzziel leicht an. Die Aktie gab dennoch um 1,6 Prozent nach. Beobachter verwiesen auf Prozesse gegen das Unternehmen, unter anderem wegen eines mutmaßlich krebserregenden Babypuders und wegen opiodhaltiger Medikamente.

Mit einem Minus von 8,7 Prozent reagierte die Aktie von Domino's Pizza auf die Zahlen der Pizzakette. Der Umsatz lag im zweiten Quartal unter den Erwartungen. Kochboxenversender Blue Apron erweitert sein Angebot mit den fleischlosen Produkten von Beyond Meat. Das wurde mit einem Kursplus von 35,5 Prozent honoriert. Beyond Meat lagen 3,6 Prozent im Plus.

JB Hunt Transport Services wartete mit starken Zahlen auf. Die Aktie des Transportdienstleisters rückte um 5,5 Prozent vor. Andere Werte der Branche liefen mit, so Knight-Swift (+0,9 Prozent), Hub Group (+1,9 Prozent) und Werner Enterprises (+3,6 Prozent).

Quelle: n-tv.de, kpi/DJ

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