Marktberichte

Wall Street schließt im Plus Anleger setzen auf Senkung der Strafzölle

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Börsianer hoffen weiter auf ein Ende des Handelskriegs.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Aussicht auf eine Reduzierung der im Handelskrieg von den USA und China erhobenen Strafzölle treibt die US-Börsen auf Höchststände. Allerdings geht den Kursen im späten Handel ein wenig die Luft aus.

Die sich immer deutlicher abzeichnende Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China hat für eine Fortsetzung der Rekordjagd an der Wall Street gesorgt. Peking und Washington haben sich in den Verhandlungen darauf verständigt, die wechselseitigen Zölle schrittweise aufzuheben. Wenn ein Vertrag der Phase-1 unterzeichnet werde, sollten beide Länder die Zölle gleichzeitig und in gleicher Höhe abschaffen, sagte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für einen Vertrag.

"Die Risiko-Aversion hat sich mit den jüngsten Nachrichten aufgelöst", sagte Raffi Boyadjian, Senior Investment Analyst bei XM. Es habe so ausgesehen, als ob der Handelskonflikt die globale Wirtschaft in eine Rezession führen wird, so Bruce Bittles, Chief Investment Strategist bei Robert W. Baird. "Und die Tatsache, dass wir uns einer Art Deal nähern, wird nun an den Märkten gefeiert."

S&P 500
S&P 500 3.118,00

Der Dow-Jones-Index verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 27.675 Punkte. Das neue Rekordhoch liegt bei 27.775 Punkten. Für den S&P-500 ging es um 0,3 Prozent auf 3.085 Punkte nach oben. Der Nasdaq-Composite schloss mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 8.435 Punkten. Auch diese beiden Indizes markierten neue Rekordstände erreicht. Den 1.355 (Mittwoch: 1.331) Kursgewinnern an der Nyse standen 1.617 (1.623) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 65 (98) Aktien.

Wie sich der Dax an diesem Dienstag schlug, lesen Sie hier.

Anleger kehren "sicheren Häfen" den Rücken

Die vermeintlich "sicheren Häfen" waren es mit den jüngsten Entwicklungen im Handelsstreit nicht gefragt. Am Anleihemarkt trieben sinkende Notierungen die Renditen nach oben. Die US-Zehnjahresrendite erhöhte sich um 8,9 Basispunkte auf 1,92 Prozent - die zehnjährigen Papiere verzeichneten den höchsten Tagesverlust seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016.

Die höheren Anleihezinsen in Verbindung mit dem stark nachlassenden Sicherheitsbedürfnis der Anleger schickten den Goldpreis auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Der Preis für die Feinunze fiel um 1,5 Prozent auf 1.468 Dollar.

Am Devisenmarkt zeigte sich die wiedererwachte Risikofreude in einem Rückzug aus Fluchtwährungen wie dem Yen. Der Dollar kletterte im späten US-Handel auf 109,27 Yen, nachdem er im Tagestief bei 108,65 Yen gelegen hatte. Das britische Pfund wertete derweil in Reaktion auf den Zinsentscheid der Bank of England ab. Diese hat zwar erwartungsgemäß die Zinsen unverändert gelassen, doch fiel die Entscheidung im Geldpolitischen Rat nicht einstimmig. Zwei der neun Ratsmitglieder haben sich für eine Zinssenkung ausgesprochen. Das Pfund fiel im späten US-Handel auf 1,2815 Dollar. Vor dem Zinsentscheid hatte das Pfund im Tageshoch noch bei 1,2878 Dollar gelegen.

Mit der Hoffnung auf einen Abbau der Strafzölle stieg auch die Hoffnung auf eine Belebung der globalen Konjunktur und damit einer stärkeren Rohstoff-Nachfrage, wozu auch Öl zählt. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI legte um 1,0 Prozent auf 56,89 Dollar zu. Die europäische Referenzsorte Brent verzeichnete ein Plus von 0,6 Prozent auf 62,12 Dollar.

An Konjunkturdaten wurde nur die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche veröffentlicht. Diese gingen stärker zurück als erwartet, was allerdings angesichts der sehr guten Beschäftigungslage in den USA den Markt kaum bewegt.

Qualcomm nach positiven Zahlen gesucht

Qualcomm
Qualcomm 79,10

Erneut gab es eine Vielzahl von Unternehmensergebnissen. Die Aktien von Qualcomm erhöhten sich um 6,3 Prozent, nachdem die am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlichten Quartalszahlen positiv überrascht hatten. Ebenfalls schon am Vortag nach Börsenschluss hatte der Medienkonzern Fox über den Verlauf seines ersten Geschäftsquartals berichtet. Die Aktie gewann 5,6 Prozent nach den überzeugenden Zahlen.

Der Generikahersteller Teva Pharmaceuticals legte zwar schwächere Zahlen vor als erwartet, erhöhte aber dennoch die Umsatz- und Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr. Der Kurs der Teva-Aktie erhöhte sich um 4,6 Prozent.
Tagessieger unter den Sektoren waren die Energiewerte, für die es mit den steigenden Ölpreisen um 1,6 Prozent nach oben ging.
Dagegen brach die Expedia-Aktie um 27,3 Prozent ein und verzeichnete das größte Tagesminus seit Juli 2013. Der Reiseportalbetreiber hat im dritten Quartal einen Gewinn deutlich unter den Markterwartungen verzeichnet. Zudem kürzte das Unternehmen die Jahresprognose.

Schwaches Börsen-Debüt von Centrogene an der Nasdaq

Ein enttäuschendes Börsendebüt hat Centrogene an der US-Börse Nasdaq verzeichnet. Der erste Kurs des deutschen Biotechnologie-Unternehmens lag bei 14,10 Dollar und damit nur knapp über dem Ausgabepreis von 14 Dollar. Die Aktie schloss bei 12,04 Dollar und damit 14 Prozent unter diesem Niveau. Das Unternehmen brachte insgesamt 4 Millionen Stammaktien an die Börse. Der Emissionspreis hatte bereits am unteren Ende der Bookbuildingspanne von 14 bis 16 Dollar gelegen.

Quelle: n-tv.de, uzh/DJ