Marktberichte

Trump, May und der Wahlausgang Börsianer fürchten riskantes Quartalsende

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Schwieriger Börsensommer voraus: Blick über die EZB-Türme hinweg auf den Finanzstandort Frankfurt am Main.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der deutsche Aktienmarkt rollt mit Volldampf auf den Sommer zu: In der letzten Börsenwoche des Frühjahrsquartals müssen sich Anleger auf anhaltend schwierige Bedingungen einstellen. Impulse aus den USA und London gibt es erst ab Dienstag.

Das nahende Sommerquartal bietet wenig Aussicht auf erholsame Börsentage: Angesichts des nach wie vor vollkommen ungelösten Zollstreits zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten steht Anlegern an der Frankfurter Börse eine weitere unsichere Handelswoche bevor. Der konfrontative Kurs von US-Präsident Donald Trump im Umgang mit den Chinesen hängt wie ein Damoklesschwert über den Kursen.

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"Der Disput hat das globale Wachstum bereits gebremst, ist aber vor allem ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Regeln für den Welthandel ändern werden", kommentierte Darren Williams, leitender Analyst beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein, die Lage. Trump halte offenbar an seiner Strategie fest, den Druck auf China hoch zu halten, fügte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader hinzu. "Ob das Reich der Mitte allerdings bereit ist, mit einer Pistole am Kopf zu verhandeln, ist mehr als fraglich. Das Risiko, dass ein Handelsabkommen noch Monate auf sich warten lässt und dies in der Zwischenzeit die Weltwirtschaft weiter lähmt, ist hoch."

Vor diesem Hintergrund hätten Äußerungen Trumps jederzeit das Potenzial, die Börsen in Turbulenzen zu stürzen, warnte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG Markets. "Seine gefürchteten Tweets führen entweder zu Panik oder zu Euphorie." Im deutschen Aktienhandel mit seinen zahlreichen exportorientierten Aktienwerten macht sich die schwelende Unsicherheit längst auch in fallenden Kursen bemerkbar. Der Dax verlor in der abgelaufenen Woche 1,9 Prozent an Höhe.

Wie geht es weiter mit Großbritannien?

Trumps hemdsärmeliges Deal-Denken ist dabei alles andere als der einzige Risikofaktor. Auch innerhalb Europas und auf Unternehmensebene gibt es reichlich Problembaustellen. In der Börsenwoche nach der Europawahl dürften viele Investoren auf beiden Seiten des Ärmelkanals ihre Blicke nach London richten: Denn auch beim zweiten Dauerbrenner-Thema, dem Brexit, können Aktienanleger nicht auf eine Verschnaufpause hoffen, wie Commerzbank-Analyst Peter Dixon prognostizierte.

Das Rätselraten um den Kurs Großbritanniens nach dem für Anfang Juni geplanten Rücktritt von Premierministerin Theresa May bereitet nicht nur Marktstrategen und Politikanalysten Kopfzerbrechen. Als Nachfolger Mays dürfte wohl ein Kandidat aus dem Lager der Brexit-Befürworter antreten, meinte Dixon. Mays Nachfolger dürfte allerdings ebenfalls nur einer Minderheitsregierung vorstehen und damit bei der Umsetzung des Brexit kaum Handlungsspielraum haben, wie der Coba-Experte erklärte.

Die Brexit-Unwägbarkeiten dürften damit Europa weiter in Atem halten: In der vergangenen Woche fiel das Pfund Sterling zeitweise auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 1,2603 Dollar. Der Ausgang der Europawahl werde dagegen kaum Auswirkungen auf die Börsen haben, prognostizierte Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Allenfalls ein erdrutschartiger Sieg der Rechten würde vermutlich ausreichen, um eine sichtbare Marktreaktion hervorzurufen."

Börsenimpulse aus der britischen Hauptstadt und von der Wall Street dürfte es in dieser Woche erst ab Dienstag geben. Die Handelsplätze in London und New York bleiben feiertagsbedingt zu Wochenbeginn geschlossen. Anleger dort können also erst nach einem verlängerten Wochenende auf Mays Rücktrittsankündigung und den Ausgang der EU-Wahlen reagieren. In den USA beschert der "Memorial Day" den Amerikanern einen handelsfreien Wochenstart.

Der Feiertag, an dem Gedenkveranstaltungen und Paraden zu Ehren der Kriegstoten stattfinden, markiert im öffentlichen Bewusstsein traditionell den Beginn des Sommerhalbjahres. An der Londoner Börse findet unterdessen am letzten Montag im Mai, dem "Late May Bank Holiday", kein Handel statt.

Fed und EZB im Blick

Börsianer warten zudem gespannt auf die deutschen und europäischen Inflationsdaten, die für Freitag angekündigt sind. Von den frischen Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise erhoffen sie sich Hinweise auf die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), über die die Währungshüter in der ersten Juni-Woche beraten wollen. Wegen des späten Pfingsttermins seien die Zahlen für Mai allerdings verzerrt, warnten Analysten.

Wenige Stunden nach den Euro-Daten werden in den USA die Einkommen und Verbraucherausgaben veröffentlicht. Wichtiger ist aus Sicht von Experten allerdings der parallel dazu veröffentlichte Preisindex, ein wichtiger Faktor für die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Sollte der sogenannte PCE-Preisdeflator auf einen wachsenden Inflationsdruck hindeuten, könne dies die Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der Fed dämpfen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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