Marktberichte

Wall Street fürchtet den Krieg Dax kann Verluste deutlich verringern

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(Foto: REUTERS)

Zunächst sieht es nach einem verlustreichen Tag für den Dax aus - am Vormittag geht es rund zwei Prozent runter. Nach und nach erholt sich der Leitindex aber wieder: Grund sind die Vorgaben aus den USA. Dort halten sich die Verluste in Grenzen.

Nach einem tiefen Sturz während des Handelstages erholte sich der Dax gegen Ende immer mehr - und verbuchte zum Schluss nur noch einen kleinen Verlust. Fundamentale Gründe dafür waren nicht bekannt - die Aktienmärkte folgten den US-Vorgaben. Im Handel wurden jedoch wieder verstärkt die Risiken für die Aktienmärkte betont. Der Euro gibt seit der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank in der vergangenen Woche nicht mehr weiter gegen den Dollar nach. Die Euro-Schwäche war seit Jahresbeginn einer der Haupttreiber für die Börsen.

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Der Ölpreis erholte sich deutlich - gestützt von der Krise im Jemen. Saudi-Arabien hat gemeinsam mit anderen Golfstaaten mit Luftschlägen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen eingegriffen. Zudem sollen Bodentruppen zum Einmarsch bereitstehen. Die Huthi-Rebellen werden angeblich vom Iran unterstützt. Deshalb kursierte die Sorge vor einer Ausweitung der Krise, was den Ölpreis weiter nach oben treiben könnte.

Die Aktie des Londoner Börsenbetreibers London Stock Exchange Group (LSE) fiel am Nachmittag um 5,9 Prozent. Belastend wirkte sich aus, dass die Börse Dubai, ein Investmentvehikel des Emirates, seine komplette Beteiligung in Höhe von 17,4 Prozent verkauft hat. Die Beteiligung wurde in größeren Einheiten an Investoren verkauft, Preis und Käufer wurden nicht genannt. Beobachter taxieren den möglichen Verkaufspreis auf bis zu 1,5 Milliarden Pfund.

Deutschland: Lufthansa weiter am Dax-Ende

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Der Dax schloss nach seinem Tagestief bei 11.620 Punkten am Ende mit einem Verlust von 0,2 Prozent bei 11.844 Punkten. Auch der MDax ließ deutlich nach um 0,7 Prozent auf 20.534 Punkte.

Ein noch größeres Minus zeigte sich beim TecDax, der 1,8 Prozent auf 1581 Zähler nachließ. Auch der Euro-Stoxx-50 gab nach: 0,4 Prozent auf 3668 Zähler.

Am deutschen Aktienmarkt verloren Infineon 1,5 Prozent. Die Aktie war schon am Vortag der größte Kursverlierer im Dax. In den USA büßte der Index der Halbleiterwerte am Mittwoch 4,6 Prozent ein.

Zu den größten Verlierern zählten auch die Aktien von Dax-Schwergewicht Bayer nach einer Herunterstufung durch die UBS und verloren 1,1 Prozent. Die Analysten hatten die Titel auf "Neutral" von "Buy" heruntergenommen.

Mit dem Anstieg des Ölpreises gaben Lufthansa weiter nach und sanken um 2,9 Prozent. Daneben verwies ein Händler auf den Absturz der Germanwings-Maschine. "Das dürfte neue Sicherheitsanforderungen für die Branche nach sich ziehen, was natürlich mit höheren Kosten verbunden sein wird", sagte ein Händler. Auch sei denkbar, dass die Zahl der Piloten erhöht werde oder dass eine noch stärkere Automatisierung des Flugprozesses verlangt werde.

Adidas
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Adidas hatte die Strategie für die nächsten fünf Jahre vorgestellt. Das Unternehmen will den Gewinn jährlich um 15 Prozent steigern und künftig mehr Geld an die Aktionäre ausschütten. Der Kurs gab im allgemeinen Abwärtssog zunächst nach, schloss dann aber 0,8 Prozent im Plus.

Gewinner gab es am Ende des Handelstages aber auch: BMW legten 2,0 Prozent zu. Dahinter kamen Daimler mit einem Plus von 1,3 Prozent.

Im TecDax ging es für Jenoptik 1,2 Prozent nach unten. Das Ergebnis nach Steuern ging 2014 um 11,8 Prozent auf 46,1 Millionen Euro zurück. SMA Solar verloren 10,1 Prozent. Der Nachfrageeinbruch vor allem in Deutschland und hoher Druck auf die Preise haben dem Solartechnikkonzern im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen eingebrockt.

USA: Talfahrt an der Wall Street geht gedrosselt weiter

Dow Jones
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Im New Yorker Aktienhandel geht es nach den breiten Kursverlusten des Vortages in einer gedämpften, insgesamt jedoch gefasst Atmosphäre weiter. Im Handelsverlauf können die großen Börsenbarometer den Abwärtstrend teilweise sogar abschütteln. Angesichts der kräftigen Einbußen im Technologiesektor am Vortag hätten Anleger wieder Kaufgelegenheiten gewittert, begründete ein Marktanalyst die im späteren Verlauf erfolgte Erholung.

Der Dow-Jones-Index beendete den Tag mit minus 0,23 Prozent bei 17.678,23 Punkten. Zum Handelsbeginn war er wegen der Eskalation im Jemen noch bis auf 17.579 Zähler gefallen. Der breiter angelegte S&P-500-Index verlor zum Schluss 0,24 Prozent auf 2056,15 Punkte. An der technologielastigen Börse Nasdaq sank der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,32 Prozent auf 4315,26 Zähler.

Die Angst vor einem großen Krieg in der Golfregion trieb die Ölpreise weiter an, nachdem der wichtige Ölproduzent Saudi-Arabien zusammen mit anderen Nationen in den blutigen Konflikt im Jemen eingegriffen hatte. Nach eigenen Angaben wurden Luftangriffe gegen die dortigen Huthi-Rebellen geflogen. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg zuletzt um 2,15 Dollar auf 51,36 Dollar.

Dass der Konflikt mitten in der wichtigsten Ölregion der Welt ausgetragen werde, habe die Stimmung für Aktien zunächst weiter belastet, zumal die zuletzt schwachen US-Wirtschaftsdaten noch nicht verdaut gewesen seien, hieß es. Am Vortag hatten schwache Auftragseingänge enttäuscht und Sorgen um die Nachhaltigkeit der Wirtschaftserholung in den USA geweckt.

Die aktuellen Wochendaten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe hingegen fielen erfreulich aus. Sie waren überraschend deutlich gefallen. Da die Fed eine Leitzinsanhebung von der Entwicklung des Arbeitsmarktes abhängig mache, hätten diese wöchentlichen Daten inzwischen mehr Gewicht, schrieb Marktbeobachter James Hughes vom Investment-Netzwerk Etoro.

Der Markt ist Beobachtern zufolge weiter auf der Suche nach Hinweisen, wann sich die US-Notenbank zu einer ersten Zinserhöhung entschließt. Der Fed-Präsident von St. Louis, James Bullard, erklärte zuletzt, sollte das Zinsniveau zu lange auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben, könnte dies mit Risiken behaftet sein.

Auf der Unternehmensseite legen die Aktien von Red Hat nach den besser als erwartet ausgefallenen Ergebnissen für das vierte Quartal deutlich zu. Die Aktie des Software-Unternehmens steigt um 10,2 Prozent. SanDisk brechen um 17 Prozent ein, nachdem das Unternehmen für Speichermedien seinen Ausblick gesenkt hat.

Rohstoffe: Jemen-Konflikt lässt Ölpreise steigen

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 41,79

Der eskalierende Konflikt im Jemen treibt die Ölpreise an: Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent steigt um fast 4 Prozent Richtung 60 Dollar auf ein Zweiwochenhoch. Saudi-Arabien hat gemeinsam mit anderen Golfstaaten mit Luftschlägen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen eingegriffen. Zudem sollen Bodentruppen zum Einmarsch bereitstehen. Die Huthi-Rebellen werden angeblich vom Iran unterstützt. Dieser hat das saudische Vorgehen im Jemen scharf kritisiert. Deshalb kursiert die Sorge vor einer Ausweitung der Krise. Diese könnte den Ölpreis weiter nach oben treiben.

Der Preis für die Feinunze Gold legt weiter zu und notiert nun wieder klar über der Marke von 1200 Dollar, auch beflügelt von einem weiter fallenden US-Dollar.

Devisen: Fluchtwährung Yen steigt an

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,16

Am Devisenmarkt wertet der Yen auf. "Die Stimmung am Markt tendiert seit gestern verstärkt auf Vermeidung von Risiken", sagt Kengo Suzuki von Mizuho Securities. Der Yen gilt als Fluchtwährung in unsicheren Zeiten. Der US-Dollar fällt zum Yen mit 118,31 auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Monat, liegt bis Mittag aber wieder bei 118,70.

Neue Spekulationen auf eine nahende US-Zinserhöhung haben den Dollar angeschoben. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, drehte am frühen Nachmittag ins Plus und notierte um 0,2 Prozent fester.

Im Gegenzug verlor die europäische Gemeinschaftswährung Euro binnen einer Stunde rund einen US-Cent auf 1,0917 Dollar. Auslöser des Dollar-Anstiegs waren Börsianern zufolge Aussagen des US-Notenbankers Dennis Lockhart. Der Chef der Federal Reserve Bank von Atlanta, der aktuell im Fed-Offenmarktausschuss bei Entscheidungen über die US-Geldpolitik mitstimmt, hatte die Verfassung der heimischen Wirtschaft als "ziemlich solide" bezeichnet. Sie könne eine Zinserhöhung verkraften.

Asien: US-Vorgaben belasten

Negative Vorgaben der Wall Street sorgen an den Börsen in Ostasien am Donnerstag mehrheitlich für Abgaben. Besonders dick sind die Minuszeichen in Tokio und Sydney. Dagegen scheint die Konsolidierung an der Börse in Schanghai schon wieder vorbei zu sein, hier geht es leicht nach oben.

Zur Wochenmitte hatte der Shanghai-Composite nach zehn Handelstagen mit Gewinnen erstmals wieder leicht nachgegeben. Er legt aktuell schon wieder um 0,5 Prozent zu. Die weiterhin sehr lockere Geldpolitik und die reichlich vorhandene Liquidität stützten hier das Sentiment, heißt es.

Der Nikkei-225 reduziert sich dagegen um 1,4 Prozent auf 19.480 Punkte. Hier wird zur Begründung auf die negativen US-Vorgaben verwiesen, wo schwache Daten zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter eine heftige Verkaufswelle ausgelöst hatten.

Quelle: ntv.de, kst/mbo/DJ/rts/dpa