Wirtschaft
"Risiken gibt es genug."
"Risiken gibt es genug."(Foto: REUTERS)
Samstag, 15. September 2018

"Risiken gibt es genug": Dax wird es schwer haben

Der Handelskrieg zwischen den USA und China wird auch in der kommenden Woche die Märkte in Atem halten. Konjunkturdaten und Bilanzzahlen von Unternehmen sind Mangelware. Der Dax könnte daher wieder den Kürzeren ziehen.

Nach einer mit wichtigen Zentralbankentscheidungen vollgepackten Handelswoche bekommen Anleger erst einmal Zeit zum Durchatmen. Zu viel Optimismus ist nach Meinung von Fachleuten aber nicht angebracht. "Es spricht einiges dafür, weiter vorsichtig zu sein", sagt Marktstratege Tobias Basse von der NordLB. Gesprächsthema bleibt der seit Monaten schwelende Streit zwischen den USA und China um höhere Warenzölle. Konjunkturdaten und Bilanzzahlen von Unternehmen sind dagegen Mangelware. Der Dax, der in der alten Woche ein Prozent zugelegt und die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten zurückerobert hat, könnte daher rasch wieder den Kürzeren ziehen.

"Risiken gibt es genug", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. An erfolgreiche Verhandlungen zwischen China und den USA glaube so recht niemand mehr - obwohl die Regierung in Washington chinesische Vertreter zur nächsten Verhandlungsrunde eingeladen hatte. "Gespräche gab es schon viele, gebracht hat es wenig." Der Streit der beiden Wirtschaftsmächte über höhere Abgaben auf Importwaren hält die weltweiten Börsen seit Monaten in Atem. Investoren fürchten sich vor einem ausgewachsenen Handelskrieg und den Folgen davon für das Wirtschaftswachstum.

Umfragen zufolge sehen Börsianer die Konjunkturaussichten für die Eurozone wegen der Handelsstreitigkeiten und der zunehmenden Probleme der Schwellenländer mit Sorge. Analysten erwarten, dass deshalb auch die am Freitag anstehenden Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe niedriger ausfallen werden. Es gebe wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der Schwächephase der Industrie im Euro-Raum, sagt Volkswirt Christoph Weil von der Commerzbank. Ein Grund für die relativ schwache Nachfrage nach Industrieprodukten sei die Aufwertung des Euro. Dieser gewann im Vergleich zum Dollar von Mitte 2017 bis Mitte 2018 mehr als elf Prozent an Wert und kostet aktuell rund 1,17 Dollar.

Dax hängt am Tropf der US-Börsen

NordLB-Experte Basse rät, auch einen genauen Blick auf die Renditen der amerikanischen Staatsanleihen zu werfen. "Wenn die Marke von drei Prozent wieder durchschritten wird, könnte viel Geld vom Aktienmarkt in den Anleihemarkt umgeschichtet werden", sagt er. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen legte in den vergangenen Wochen deutlich zu auf 2,98 Prozent. Im Mai war sie bis auf 3,12 Prozent gestiegen, gleichzeitig hatte der US-Index S&P-500 nachgegeben. Mittlerweile haben sich die Kurse erholt, der S&P-500 erreichte Ende August ein Rekordhoch von 2916 Punkten.

"Bei dem Index gibt es noch ein wenig Luft in Richtung 3000 Zähler, aber dann werden risikoaverse Anleger beginnen, ihre Positionen zu reduzieren", sagt Mike MacDonald, technischer Analyst beim Researchhaus. Für den Dax, der oft am Tropf der Wall Street hängt, seien das keine guten Vorzeichen. "Sollte das Jahrestief von 11.700 Punkten gerissen werden, erwarte ich einen weiteren Rückgang des Dax bis auf 11.000 Punkte."

Die Spekulationen über höhere Zinsen und damit höhere Renditen für US-Staatsanleihen könnten angeheizt werden durch die Veröffentlichung der US-Baubeginne am Mittwoch sowie von den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag.

Türkische Lira bleibt Anlegern ein Dorn im Auge

Nicht aus den Augen lassen dürften Investoren auch die Türkei. Zwar sorgte die Zentralbank mit ihrer überraschend deutlichen Zinserhöhung zuletzt für Aufatmen an den Märkten und die unter Druck gekommene Lira wertete etwas auf. Aber Fachleute raten zu Vorsicht.

"So positiv dieser Schritt der türkischen Notenbank im Hinblick auf die Wahrung ihrer Unabhängigkeit und den Versuch der Wiederherstellung des Vertrauens ausländischer Investoren bewertet werden kann, bleibt abzuwarten, welchen wirtschaftlichen Schaden diese Leitzinserhöhung in der Türkei verursacht", betont BayernLB-Devisenexperte Andreas Speer. Das Tal der Tränen sei für die türkische Währung noch nicht durchschritten.

Quelle: n-tv.de