Marktberichte

Dax schließt fester Fed tangiert Wall Street kaum

2ddbfe7895f5660f7fb360e2eb442dd1.jpg

(Foto: AP)

Die Fed-Entscheidung, den Leitzins nicht anzutasten, trifft an den US-Börsen auf verhaltenes Echo. Höher geht es mit den Ölpreisen. Der Dollar macht nur einen kurzen Ausflug nach oben. Der Dax schließt mit einem leichten Gewinn.

Insgesamt recht moderat fallen die Reaktionen an der Wall Street auf die Aussagen der US-Notenbank aus. Die Fed hat das Zinsniveau wie erwartet bestätigt. Zudem ließen die Notenbanker um Fed-Präsidentin Janet Yellen offen, ob es bereits im Juni eine weitere Zinserhöhung geben wird. Sie verwiesen auf durchwachsene Daten zu Wirtschaft, Inflation und Finanzmärkten. Ökonomen und Börsianer hatten den Zinsbeschluss so erwartet.

Die Aktien- und Devisenmärkte zeigten sich nach den Aussagen volatil. In einer ersten Reaktion legte der US-Dollar zu, nur um einige Minuten später die Aufschläge fast vollständig wieder abzugeben. Zu US-Handelsschluss lag der Euro bei 1,1312 Dollar nach 1,1334 Dollar vor der Veröffentlichung.

Der Dow-Jones-Index schloss mit einem moderaten Plus von 0,3 Prozent bei 18.042 Punkten, nach 18.000 Punkten kurz vor der Fed-Veröffentlichung. Der breiter gefasste S&P-500 notierte 0,2 Prozent höher bei 2095 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,5 Prozent auf 4863 Stellen.   

Auch mit den Ölpreisen ging es am Abend weiter hoch. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 3,0 Prozent auf 45,34 Dollar. Das Fass der Nordseesorte Brent kostete 47,25 - im Vergleich zum Vorabend eine Steigerung um 3,3 Prozent.

An der Wall Street nagten die Geschäftszahlen der beiden Technologiegrößen am Vertrauen der Investoren, sagte Anlagestratege Brad McMillan vom Handelshaus Commonwealth Financial. Apples Quartalsbericht lag den Anlegern schwer im Magen. Der Quartalsumsatz ging erstmals seit 13 Jahren zurück, die iPhone-Verkäufe das erste Mal überhaupt. Die Apple-Aktie stürzte um 6,4 Prozent ab und notierte erstmals seit Februar unter der Marke von 100 Dollar.

Twitter lag mit seiner Umsatzprognose deutlich unter den Markterwartungen. Twitters Börsenwert schrumpfte um 16,4 Prozent zusammen. Ebay dagegen zählten mit einem Kursplus von 3,1 Prozent zu den Gewinnern. Das Online-Auktionshaus schnitt im Quartal besser ab als von Experten vorausgesagt. Facebook büßten 0,2 Prozent ein. Der Internetriese wollte ebenso wie der Bezahldienst PayPal nach Börsenschluss Zahlen vorlegen.

Dax: Versorger und Adidas bescheren Gewinne

In Frankfurt schloss der Dax nach einem eher ruhigen Handelstag mit leichten Aufschlag: Der Dax verbesserte sich um 0,4 Prozent auf 10.300 Punkte. Wesentlichen Anteil daran hatten die Aktien von Adidas, die nach überraschend starken Quartalszahlen ein neues Allzeithoch markierten und rund sechs Prozent zulegten. Auch die Versorger trugen ihren Teil zum Dax-Plus bei: Nachdem sich ein Kompromiss im Atommüll-Streit mit dem Bund abzeichnet, stiegen Eon- und RWE-Aktien kräftig an.

Übergeordnet herrschte aber Zurückhaltung an der Frankfurter Börse: "Der Markt wartet auf die Ergebnisse der US-Notenbanksitzung", so ein Händler. Sie werden aber erst nach dem europäischen Börsenschluss veröffentlicht. Von daher gilt erst einmal ein weiterer Konsolidierungstag als wahrscheinlich. Aus Asien kamen keine stärkeren Impulse, dort war es zuvor überwiegend leicht abwärts gegangen.

Etwas belastet wurde die Stimmung von schwachen Apple-Zahlen. "Selbst für die mittlerweile nüchternen Apple-Freunde sind die Zahlen eine Enttäuschung, vor allem aber der Ausblick ein Desaster", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. Apple habe jetzt die Aufgabe, seinen riesigen Geldberg intelligent einzusetzen, womöglich auch für Aquisen. "Dann kann man die Kurve wieder kriegen."

Von der US-Notenbank wurden noch keine geldpolitischen Änderungen erwartet. Der Markt erhofft sich aber Aufschluss darüber, wann und wie oft die Leitzinsen in diesem Jahr erhöht werden. Impulse könnten während der Börsensitzung auch vom Verbrauchervertrauen in Frankreich und Italien ausgehen. Und am Donnerstag könnte die Bank of Japan die, so ein Marktteilnehmer, "ganz große Bazooka" herausholen und damit die Stimmung an den Märkten wieder verbessern.

An den Börsen galt es zudem, die nächste Flut an Quartalszahlen zu verdauen. Am deutschen Aktienmarkt standen neben Adidas und Munich Re auch das MDax-Unternehmen Kion im Fokus. Dort hatten die Quartalszahlen allerdings etwas enttäuscht.

Frankfurt: Adidas sprinten an die Dax-Spitze

Adidas
Adidas 265,30

Der Dax schloss am Ende 0,4 Prozent fester und verbesserte sich auf 10.300 Punkte. Leichte Aufschläge auch beim MDax, der um ebenfalls 0,4 Prozent auf 20.560 Punkte zulegte. Für den TecDax ging es deutlich nach oben, er stieg um 1,5 Prozent auf 1663 Punkte. Leicht zulegen konnte auch der Euro-Stoxx-50, der 0,2 Prozent auf 3128 Punkten stieg.

Einer der größten Dax-Gewinner waren nach Vorlage von Zahlen Adidas, die satte 5,9 Prozent zulegten und neue Allzeithochs markierten. Adidas hatte den Ausblick erhöht und rechnet nun mit einem Gewinnanstieg von 15 bis 18 Prozent statt von 10 bis 12 Prozent. "Auch die Zahlen zum ersten Quartal liegen weit über den Erwartungen", sagte Heino Ruland, Chefanalyst von ICF Brokers. Der Gewinn je Aktie liege fast 30 Prozent über den Erwartungen, der Umsatz 10 Prozent. "Die Margenausweitung ist stark", so Ruland.

Ganz oben landete jedoch RWE, Eon kamen auf Platz vier. Die Energiekonzerne sollen sich nach dem Willen der Atomkommission mit 23,3 Milliarden Euro an den Kosten der Zwischen- und Endlagerung des Atommülls beteiligen. "Das liegt im unteren Bereich der Schätzungen", so ein Teilnehmer. Im Gespräch waren zuvor zwischen 22 und 26 Milliarden Euro. Die Begrenzung der Kosten kam an der Börse gut an, die RWE-Aktie stieg um 6,3 Prozent, Eon legten um 3,2 Prozent zu.

Munich Re
Munich Re 234,20

Munich Re überraschte dagegen negativ und warnt nach einem enttäuschenden ersten Quartal vor zu hohen Erwartungen für das Gesamtjahr. "Ich bitte Sie (...), nicht davon auszugehen, dass wir unser Gewinnziel erneut übertreffen können", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard bei der Hauptversammlung. "Die Gewinnspanne ist nicht nur ernst gemeint, sie ist auch ambitioniert." So etwas wird an der Börse nicht gerne gehört, die Aktie war mit einem Minus von 3,8 Prozent größter Verlierer im Dax.

Im MDax schwankte nach enttäuschenden Zahlen bei Kion der Kurs auf und ab und gab am Ende 2,4 Prozent nach. Im TecDax legten Wirecard nach dem Quartalsausweis um 7,3 Prozent zu. Die Aktie des Apple-Zulieferers Dialog gab nur anfangs um über 5 Prozent nach, erholte sich aber wieder deutlich und gewann schließlich 0,6 Prozent.

Unter die Räder gerieten hingegen die Aktien von Rocket Internet, die um mehr als 14 Prozent einbrachen. Das Unternehmen musste die Erwartungen an seine Online-Modehändler im Ausland drastisch eindampfen. Rocket bewertet die in der Global Fashion Group (GFG) gebündelten Modefirmen nun nur noch mit einer Milliarde Euro, zwei Milliarden Euro weniger als bislang.

Asien: Börsen vor Notenbank-Entscheiden mit Verlusten

Anleger an den Aktienmärkten in Fernost sind vor den anstehenden Zinsentscheiden in den USA und Japan in die Defensive gegangen. An fast allen Handelsplätzen gaben die Kurse nach. Es herrsche Unsicherheit, ob die Bank von Japan die Markterwartungen erfülle und ihre Geldpolitik weiter lockere, sagten Händler. Zudem belasteten die enttäuschenden Apple-Zahlen Technologiewerte.

In Tokio fiel der Nikkei-Index 0,36 Prozent auf 17.290 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 0,8 Prozent im Minus. Auch die chinesische Börse in Shanghai gab leicht nach. Investoren sorgten sich, ob die schuldenfinanzierte Erholung auch anhalte.

Bei den Einzelwerten in Tokio standen Apple-Zulieferfirmen im Fokus: So büßte etwa die stark von Apple-Umsätzen abhängige Firma Murata Manufacturing 4,4 Prozent ein. Die Papiere der Bildsensorenhersteller Alps Electric und Mitsumi Electric verloren jeweils mehr als ein Prozent.

Quelle: ntv.de, wne/kst/ppo/rts/dpa/DJ