Marktberichte

Sorgen an der Wall Street Handelskampf drückt auf Technologiewerte

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Wall Street wieder im Griff. Insbesondere die in den letzten Monaten noch von Rekord zu Rekord geeilten Technologieaktien gerieten am Montag unter Druck.

Die jüngste Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China hat zu Verlusten an der Wall Street geführt. Im späten Verlauf weiteten sich die Abgaben aus, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Mitteilung zum Handel mit China für die Zeit nach Börsenschluss ankündigte.

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Während die Blue Chips im Dow-Jones-Index lediglich um 0,4 Prozent auf 26.062 Punkte nachgaben, stürzte der technologielastige Nasdaq-Composite um 1,4 Prozent ab. Der Technolgiesektor hat die Aufwärtsbewegung im laufenden Jahr angeführt und ist anfällig für Gewinnmitnahmen. Besonders die Schwergewichte Apple und Amazon drückten, belastet auch wegen des Streits mit China. Der S&P-500 gab um 0,6 Prozent nach.

"Techwerte haben nicht nur 2018 eine nette Rally hingelegt und die Kurse sind schon sehr weit nach oben gelaufen - sie sind auch international stark abhängig", sagte Chris Larkin von E-Trade Financial. Dies mache sie anfällig für das Thema Handelsstreit. Bereits vor der Ankündigung hatten informierte Personen berichtet, dass US-Präsident Donald Trump in den kommenden Tagen die Einführung weiterer Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar plant, um in den anstehenden Handelsgesprächen mit Peking den Druck zu erhöhen. Mit 10 Prozent sollen die Strafzölle zwar niedriger ausfallen als die ursprünglich geplanten 25 Prozent, die chinesische Seite zeigte sich gleichwohl verärgert. China erwäge, die Verhandlungen abzusagen, berichteten gut informierte hochrangige US-Beamte.

Das Reich der Mitte hatte zuvor schon für den Fall neuer US-Zölle Gegenmaßnahmen angekündigt. Dazu könnte die Einschränkung des Verkaufs von Materialien, Ausrüstungen und anderen Teilen gehören, die für die Lieferkette der US-Hersteller von entscheidender Bedeutung sind, hieß es nun von chinesischen Beamten. Unter anderem könnten davon auch die iPhones von Apple betroffen sein, die auf dem chinesischen Festland gebaut werden.

Die Apple-Aktie gab um 2,7 Prozent nach. Nachdem der Dollar am Freitag von überzeugenden US-Konjunkturdaten profitiert hatte, gab die US-Währung am Montag ihre Gewinne zum Euro wieder ab. Beobachter erklärten dies mit der Aussicht auf eine Verschärfung des Handelsstreits. Der Euro erholte sich auf 1,1686 Dollar, nachdem er am Freitag auf etwa 1,1620 Dollar abgerutscht war.

Der nachgebende Dollar stützte den Preis für Gold, das in Dollar bezahlt wird. Der Preis für eine Feinunze stieg um 0,6 Prozent auf 1.201 Dollar. Am Ölmarkt gab es dagegen keinen klaren Trend, da sich stützende und drückende Faktoren die Waage hielten. Einerseits profitierte Öl von einem voraussichtlich sinkenden Angebot als Folge der US-Sanktionen gegen Iran, die im November in Kraft treten sollen. Auch Produktionsausfälle wegen des Hurrikans Florence in den USA stützten tendenziell. Stärker wogen aber die Handelskonflikte, die Bedenken wegen einer möglicherweise sinkenden Nachfrage auslösten. Das Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI fiel um 0,4 Prozent auf 68,73 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent verlor 0,3 Prozent auf 77,87 Dollar.

Staatsanleihen waren mit der eher gedämpften Stimmung an den Aktienmärkten leicht gefragt. Steigende Notierungen drückten die Rendite zehnjähriger US-Anleihen um 1 Basispunkt auf 2,99 Prozent, nachdem sich die Rendite im frühen Geschäft bereits auf über 3 Prozent belaufen hatte.

Amazon-Aktien fielen um 3,2 Prozent. Das Unternehmen hat Datenlecks und der Bestechung seiner Mitarbeiter den Kampf angesagt, um gefälschte Bewertungen von Anbietern zu verhindern, die ihre Produkte über Amazon.com verkaufen. Vor allem in China geben Amazon-Mitarbeiter laut informierten Personen häufiger gegen Geld vertrauliche Daten an Dritte weiter, weil dort die Zahl unabhängiger Verkäufer rasant steige. Die vergleichsweise niedrigen Gehälter der chinesischen Mitarbeiter machten sie für diese Praxis anfälliger, heißt es. Amazon standen aber auch generell wegen des Handelskonflikts unter Druck.

Aufsehen erregte daneben eine Übernahme. Nur acht Monate, nachdem Meredith Corp den Kauf von Time Magazine abgeschlossen hat, trennt sich das Verlagshaus schon wieder von der Zeitschrift. Time wird für 190 Millionen Dollar an Marc Benioff, Mitbegründer und Co-CEO von Salesforce.com, und dessen Ehefrau Lynn verkauft. Mit Salesforce habe der Kauf aber nichts zu tun, versicherte Benioff. In einem Interview sagte er, es handele sich vielmehr um eine Investition in ein Unternehmen mit "enormem Einfluss" weltweit und einem starken Geschäftsmodell. Meredith-Aktien stiegen um 1 Prozent. Teva sprangen um 2,5 Prozent nach oben. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ein Migränemittel des Pharmaherstellers zugelassen.

Ein positiver Analystenkommentar hat der Aktie von Broadcom nicht geholfen. Die Analysten der Nomura-Tochter Instinet haben die Titel auf Buy von Neutral hochgestuft. Trotzdem verlor sie nach anfänglichen Gewinnen schließlich 0,6 Prozent.

Bed Bath & Beyond lagen deutlich im Plus, nachdem Raymond James die Aktie des Haushaltswarenhändlers hochgestuft hat. Die Verkaufsergebnisse im zweiten Geschäftsquartal schienen ein besseres Konsumklima widerzuspiegeln als bisher erwartet, so die Experten. Bed Bath & Beyond stiegen um 6 Prozent.

Nach Börsenschluss werden Oracle und Fedex Geschäftszahlen vorlegen. Oracle gaben um 0,1 Prozent nach und Fedex gewannen 0,1 Prozent.

Quelle: ntv.de, kpi/DJ/rts

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