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US-Weihnachtsrally kommt in Fahrt "Maschinenhandel" übernimmt den Dax

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"Der Markt wird vom Maschinenhandel dominiert, da können sich leicht 200 Punkte in die eine oder andere Richtung ergeben", sagt ein Händler.

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Am Montag steht eine Handelsspane von 300 Punkten. Am Dienstag büßt der Dax binnen zwei Stunden 220 Zähler ein. Das sitzt. Experten kennen den Grund - und warnen.

Bisher ist in der Weihnachtswoche von Besinnlichkeit am deutschen Aktienmarkt nichts zu spüren gewesen. Auch am Dienstag setzte der Dax seine Berg- und Talfahrt vom Wochenbeginn fort. N-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf verwies als Grund auf die "relativ dünnen Umsätze" und die "ebenso dünne Nachrichtenlage". Bei einem solchen Umfeld seien Kurssprünge an der Tagesordnung.

Der Dax begann mit einem Sprung von mehr als 120 Punkten auf ein Tageshoch von 10.624 Zählern. Dann drehten die Kurse, Gewinne wichen Verlusten. Der Dax markierte bei 10.401 Stellen sein Tagestief. Aus dem Handel verabschiedete sich der Leitindex mit einem Minus von 0,1 Prozent und einem Stand von 10.489 Punkten. Am Montag hatte er eine Handelsspanne von rund 300 Punkten aufgewiesen und war am Ende 1 Prozent oder 110 Stellen schwächer aus dem Handel gegangen. Auch am Freitag hatte er deutlich eingebüßt. Der MDax schloss 0,1 Prozent fester bei 20.402 Zählern. Der TecDax verlor 0,4 Prozent auf 1789 Stellen. 

Vorsicht ist geboten

"Die Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage setzte sich fort", sagte ein Händler. Anlagekäufer seien in der Weihnachtswoche am Markt nicht mehr präsent, das Geschäft sei damit zum Spielball der Computerhändler geworden. "Der Markt wird vom Maschinenhandel dominiert, da können sich leicht 200 Punkte in die eine oder andere Richtung ergeben", so ein weiterer Marktteilnehmer. Auch Angus Nicholson von IG wies auf extrem dünne Umsätze hin.

Ausgehend vom Gesamtbild der Aktienmärkte rechnet der Chefanalyst von CMC Markets, Michael Hewson, nicht mehr mit einem Aufschwung der Börsen vor Weihnachten. Eine "Santa-Rally" sei gegenwärtig so wahrscheinlich wie weiße Weihnachten, sagte er.

Erholung an den Rohstoffmärkten?

Das beherrschende Thema sei nach wie vor der Ölpreisverfall, sagte Börsenexpertin Marggraf. Positiv werteten Händler Wirtschaftsdaten aus China. Dort stieg der Conference Board Leading Economic Index (Lei) im November um 0,6 Prozent und beschleunigte damit sein Wachstum nach 0,3 Prozent im Oktober. Positiv entwickelten sich dabei Teilkomponenten wie die Kreditvergabe und die Konsumentenstimmung. Auch der mitlaufende Coincident Index (Cei) stieg weiter.

Die Daten stützten die Rohstoffpreise etwas. Auch Aussagen von der Central Economic Work Conference der größten Unternehmen Chinas halfen: Sie wollen Überkapazitäten in der Industrie weiter zurückfahren.

Die Ölpreise erholten sich daraufhin etwas. Der Preis für ein Barrel US-Öl WTI stieg um 0,9 Prozent auf 36,14 Dollar. Brent Brent verlor zwar 0,7 Prozent auf 36,11 Dollar, konnte sich aber stabilisieren, nachdem der Preis am Montag auf den niedrigsten Juli 2004 gerutscht war.

Konsumklima überrascht

Gleichzeitig wartete auch die Stimmung der deutschen Verbraucher zum Ende des Jahres - entgegen den Erwartungen - mit einer Verbesserung auf. Die Konsumforscher der GfK ermittelten für Januar 2016 einen Anstieg ihres Indikators zum Konsumklima auf 9,4 von 9,3 Punkten im Vormonat. Ökonomen hatten mit einem unveränderten Stand gerechnet. Zuletzt war das Konsumbarometer im Juni auf damals noch 10,2 Punkte gestiegen.

Dax: VW stark

Im Dax schauten Anleger in erster Linie - wie auch bereits am Montag - auf Nachzügler, also Werte, die bisher eher vernachlässigt worden waren. Nach den Versorgern deckten sich die Anleger nun mit VW ein, die 1,5 Prozent zulegten. Die Analysten von Metzler hatten die Aktien auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 170 Euro hochgenommen. Im Windschatten zogen auch Daimler und BMW jeweils etwas mehr als 1 Prozent an.

Dagegen gehörten RWE und Eon zu den größeren Verlierern am Markt - mit Abgaben von jeweils um 0,5 Prozent. "Die Aktien muss man zum Jahresende sicherlich nicht weit vorne in den Depots ausweisen", sagte ein Marktteilnehmer. Eon haben seit Jahresbeginn fast die Hälfte ihres Kurswerts verloren, RWE haben sich sogar mehr als halbiert.

Heidelcement verteuerten sich um 1 Prozent. Positiv werteten Händler die erneut erhöhte Prognose für die Synergien aus der Übernahme von Italcementi. Gegenüber dem "Mannheimer Morgen" habe der Vorstandsvorsitz Bernd Scheifele die Einsparungen erneut nach oben genommen. Nachdem er sie erst im November auf 300 Millionen Euro erhöht hatte, erwarte er nun positive Effekte von bis zu 400 Millionen Euro. "Vor allem die Schnelligkeit der zweiten Erhöhung deutet darauf, dass vieles besser läuft als erwartet", sagte ein Händler.

Auch Adidas rückten in den Fokus. Der Grund dafür liegt in den USA. Dort sollte am Abend Konkurrent Nike die Quartalszahlen vorlegen. Für Adidas-Titel ging es 0,9 Prozent nach oben.

MDax: Probleme bei Airbus

Airbus schlossen leicht im Plus. Vorherrschend blieb die Sorge um mögliche Lieferverzögerungen für den neuen A320neo. Dagegen wirkte der Verkauf des Satellitengeschäftes im Zuge der Restrukturierung des Flugzeug- und Rüstungskonzerns kaum. Der Investor Apax Partners ist der Käufer. Allerdings blieb der Kaufpreis bisher unbekannt.

Mode ist "in"

Deutlich im Plus zeigten sich die Aktien der deutschen Bekleidungsunternehmen. Händler sprachen von ersten Käufen, nachdem die Kurseinbrüche der vergangenen Monate zuletzt in neuen Jahrestiefstständen gemündet sind. Bei Tom Tailor gebe es zudem erstes Kaufinteresse, nachdem die Entnahme aus dem SDax im Vorfeld den Kurseinbruch noch einmal verstärkt hatte. "Vielleicht hofft auch der eine oder andere, dass ein schwaches Geschäft mit Winterbekleidung nun eingepreist ist", sagte ein Händler. Tom Tailor gewannen mehr als 15 Prozent, Gerry Weber rund 7 Prozent und Hugo Boss 1,5 Prozent.

USA: Weihnachten naht

Robuste US-Wirtschaftdaten trieben die Kurse an der Wall Street zunächst. Der weiter schwankende Ölpreis sorgte Händlern zufolge aber für Zurückhaltung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte rund ein Prozent auf 17.417 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,9 Prozent auf 2039 Zähler, der Nasdaq100 um 0,6 Prozent auf 5001 Stellen.

Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 2,0 Prozent einen Tick stärker als von Volkswirten zuletzt angenommen. Größte Stütze blieben die konsumfreudigen Verbraucher. Zudem investierten Unternehmen mehr in Ausrüstungen wie Maschinen, auch für den Hausbau wurde mehr Geld ausgegeben. Dagegen bremste der Außenhandel, weil die Importe schneller wuchsen als die Exporte.

Aktien von Ford kletterten um 3,4 Prozent. Das Unternehmen verhandelte einem Medienbericht zufolge mit Google über die Fertigung selbstfahrender Autos. Google testet bereits Prototypen seiner Roboterautos und verhandelt mit führenden Auto-Herstellern über eine Allianz. Ford hinkt den Konkurrenten auf dem Gebiet bisher hinterher.

Asien: Verhalten und uneinheitlich

An den asiatischen Aktienmärkten zeigte sich erneut ein uneinheitliches Bild. Zudem fehlten deutliche Impulse für den Handel kurz vor den Feiertagen. In Japan bleiben die Börsen am Mittwoch anlässlich des Kaiser-Geburtstages geschlossen. Der Tokioter Nikkei-Index fiel 0,2 Prozent auf 18.886 Punkte. Der breitere Topix zog dagegen 0,2 Prozent auf 1533 Zähler an. Händler sagten, Investoren hielten sich nach der Entscheidung der Notenbank, an ihrem Konjunkturprogramm nur kleinere Anpassungen vorzunehmen, zurück. "Die Stimmung wird jetzt wahrscheinlich von den Ölpreisen abhängen", sagte der Analyst Yutaka Miura von Mizuho Securities.

Der Shanghai Composite gewann nach einem starken Wochenauftakt erneut dazu: Der chinesische Leitindex schloss 0,3 Prozent fester bei 3652 Punkten. In Hongkong lag das Plus des HSI bei 0,2 Prozent. Der MSCI-Index asiatischer Aktien außerhalb Japans notierte ebenfalls höher.

Devisen: 1,10 noch drin?

Der Euro präsentierte sich gefestigt. Am Abend lag die Gemeinschaftswährung bei 1,0975 Dollar. Nach der Veröffentlichung des GfK-Konsumklimaindex war die Gemeinschaftswährung kurzzeitig auf das Tagestief von 1,0904 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,0952 Dollar festgesetzt nach 1,0870 Dollar am Montag und 1,0836 Dollar am Freitag.

Am Montag hatte das überraschend gestiegene Verbrauchervertrauen in der Eurozone der Gemeinschaftswährung deutlichen Auftrieb gegeben und den Euro nachhaltig über die Schwelle von 1,09 Dollar gehievt.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/DJ/rts

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