Marktberichte

US-Börsen verlieren kräftig Schwache Wall Street zieht Dax mit runter

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Schwache Auftragsdaten aus der US-Volkswirtschaft drücken auf die Stimmung an der Wall Street.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein ohnehin schwächelnder Dax wird am Ende von einer noch schwächeren US-Börse nach unten gezogen. Auch ein überraschend guter Ifo-Index kann keine Impulse geben. Der erstarkte Euro und maue Konjunkturdaten aus den USA tun ihr Übriges.

Mit deutlichen Verlusten beendete der Dax einen Handelstag zum Vergessen - nach einem ohnehin schwachen Verlauf drückten Verluste an der New Yorker Wall Street den deutschen Leitindex noch weiter ins Minus. Die Marke von 11.900 Punkten wurde damit wieder unterschritten. Auch ein guter Ifo-Index konnte Anleger nicht zu Käufen von Aktien animieren. Schon seit einer Woche pendelt der Dax in einer Spanne von 300 Punkten zwischen 11.800 und 12.100 Punkten auf und ab.

Der Ifo-Index stieg im März auf 107,9 Punkte von 106,8 im Februar und damit etwas stärker als Volkswirte erwartet hatten. "Der ifo-Index zeichnet ein starkes Bild der deutschen Wirtschaft, die im ersten Quartal nochmals an Dynamik zu gewinnen scheint", sagte Mirco Bulega von der Credit Suisse. Weil aber am Dienstag veröffentlichte Umfragen unter Einkäufern in deutschen Unternehmen im März die Erwartungen übertroffen hatten, dürfte der gute Ifo-Index am Aktienmarkt bereits eingepreist gewesen sein, sagen Händler.

Der Euro neigte zum US-Dollar erneut zur Stärke, konnte aber wie schon am Vortag die runde Marke von 1,10 Dollar nicht dauerhaft überwinden.  In den USA waren die Auftragseingänge für größere Wirtschaftsgüter, die so genannten Durable Goods, im Februar überraschend zurückgegangen. "Die Zahlen setzen die Fed bei der Zinswende nicht unter Zugzwang", sagte Viola Julien von der Helaba mit Blick auf den Zeitpunkt für Zinserhöhungen in den USA.

An den europäischen Aktienmärkten sorgte ausnahmsweise eine US-Aktie für Furore: Die auch an der Deutschen Börse gehandelten Aktien von Kraft Foods schossen um 34 Prozent nach oben auf fast 76 Euro. Der Hersteller von Mayonnaise fusioniert mit dem Ketchup-Produzenten H.J. Heinz. Es entsteht der fünftgrößte Lebensmittelhersteller der Welt mit dem neuen Namen "The Kraft Heinz Co" und einem Umsatz von 280 Milliarden Dollar.

Deutschland: Lufthansa und Airbus leiden unter Absturz

Der Dax verlor am Ende 1,2 Prozent auf 11.865 Punkte. Sein Tagestief hatte er bei 11.858 Punkten markiert. Auch der MDax rutschte ins Minus und verlor 0,7 Prozent auf 20.689 Zähler.

Nach unten ging es auch für den TecDax, der 1,9 Prozent auf 1611 Punkte abgab. Der Euro-Stoxx-50 sank um 1,1 Prozent auf 3691 Punkte.

Am deutschen Aktienmarkt fielen Lufthansa nach dem Absturz des Airbus A320 der Tochter Germanwings in Südfrankreich um 1,4 Prozent. "Das Unglück könnte kurzfristig weniger Passagierwachstum nach sich ziehen und das positive Image der Lufthansa als sichere Airline belasten", sagte Jochen Rothenbacher von Equinet. Auch Airbus fielen um 2,4 Prozent.

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien der Infineon mit einem Minus von 3,3 Prozent. Belastet wurde der Kurs von den Gewinnmitnahmen beim Halbleiterindex SOX. Zu den größten Gewinnern gehörten dagegen Eon und RWE, die 1,2 und 1,0 Prozent zulegten.

Tui
Tui 10,28

Für die Tui-Aktie ging es um 1,7 Prozent nach oben. Ein Analyst sprach von soliden Buchungszahlen des Touristikkonzerns. Unabhängig davon hob Jochen Rothenbacher von Equinet die vorzeitige Rückzahlung einer 300-Millionen-Euro-Hybridanleihe positiv hervor. Die Rückzahlung werde die Kapitalstruktur von Tui vereinfachen und sei ein positiver Effekt der Fusion mit Tui Travel.

Der Verbindungstechnikhersteller Norma schlug nach einer Umsatz- und Ergebnissteigerung im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Dividendenanhebung von 5 Eurocent auf 75 Eurocent für 2014 vor. Das kam an der Börse zunächst gut an, die Aktie fiel aber am Ende um 0,5 Prozent.

Der SDax-Konzern Heidelberger Druckmaschinen will mit der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen seine Finanzierungsstruktur verbessern. Dies lastete wegen der drohenden Gewinnverwässerung auf dem Kurs. Die Aktie verlor 4,8 Prozent.

USA: Konjunkturdaten lösen Talfahrt aus

Dow Jones
Dow Jones 29.198,09

Am US-Aktienmarkt geht es im Handel zur Wochenmitte kräftig abwärts. Als Auslöser der Talfahrt machten Beobachter die schwachen Auftragsdaten aus. Die schlechte Stimmung schwappte schließlich vor allem in Richtung des Technologie-Sektors, wo es zu besonders deutlichen Kursverlusten kam. Der von Starinvestor Warren Buffett eingefädelte milliardenschwere Deal in der Lebensmittelbranche zwischen Kraft Foods und Heinz Ketchup verlor vor diesem Hintergrund deutlich an Wirkung.

Der Dow-Jones-Index ging mit minus 1,62 Prozent auf Tagestief bei 17.718,54 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte S&P-500-Index büßte 1,46 Prozent auf 2061,05 Punkte ein. An der Nasdaq sackte der Auswahlindex Nasdaq 100 um volle 2,30 Prozent auf 4329,29 Zähler ab und fiel damit so kräftig wie zuletzt Ende Januar.

Die jüngsten Daten aus der US-Industrie versetzten dem Konjunkturoptimismus der Anleger einen herben Dämpfer: Wegen des starken Dollar erhielten Hersteller von langlebigen Gütern im Februar überraschend 1,4 Prozent weniger Aufträge als noch im Vormonat.  Die Einschätzung einzlner Analysten, dass dies auch eine Zinserhöhung der US-Notenbank bereits im Juni unwahrscheinlicher machen könnte, reichte den Investoren nicht als Trost.

Rohstoffe: Ölpreise legen wieder leicht zu

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 57,14

Die Ölpreise legen wieder leicht zu. Am Nachmittag kostete ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai 56,10 US-Dollar und damit 99 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 69 Cent auf 48,20 Dollar.

Im Handelsverlauf dürfte noch Bewegung in den Markt kommen. Denn am Nachmittag legt die US-Regierung jüngste Daten zu den Ölvorräten in den USA vor, die wegen der starken Schieferölproduktion auf Rekordniveau liegen.

Der schwächere Dollar hat den Goldpreis gestützt. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 1199,40 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der überraschend kräftige Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex belastete laut Händlern die US-Währung, was wiederum Gold half. Eine Abwertung des Dollar macht Edelmetalle für Investoren außerhalb der USA billiger.

Asien: Nikkei rettet sich ins Plus

Anleger in Fernost haben sich nach leichten Verlusten an der Wall Street mit Aktienkäufen weitgehend zurückgehalten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte nahezu unverändert. In Tokio machte der Nikkei-Index anfängliche Verluste wieder wett und ging mit einem Plus von knapp 0,2 Prozent mit 19.746 Punkten aus dem Handel.

In Südkorea und Australien gab es ebenfalls wenig Bewegung an den Aktienmärkten. Gegen den Trend verbuchte die Börse in Shanghai ein Minus von 0,5 Prozent. Händler führten dies auf Gewinnmitnahmen nach den steigenden Kursen der vergangenen Tage zurück.

Quelle: ntv.de, kst/mbo/rts/DJ/dpa