Wirtschaft
Bei Amazon schwillt der Umsatz um 43 Prozent an: Unterm Strich verdient der US-Konzern binnen drei Monaten 1,6 Milliarden Dollar.
Bei Amazon schwillt der Umsatz um 43 Prozent an: Unterm Strich verdient der US-Konzern binnen drei Monaten 1,6 Milliarden Dollar.(Foto: REUTERS)
Freitag, 27. April 2018

Amazon erreicht neues Rekordhoch: US-Börsen ignorieren die "Wachstumsdelle"

An der New Yorker Wall Street geht Anlegern vor dem Wochenende der Schwung aus: Nach den deutlichen Vortagesgewinnen verzeichnen Händler am letzten Handelstag der Woche nur noch geringe Bewegungen. Die Aktien von Amazon ziehen kräftig an.

Im US-Aktienhandel haben sich die Investoren trotz starker Geschäftszahlen von Schwergewichten wie Amazon und Microsoft im Freitagsgeschäft kaum aus der Deckung gewagt. Die laufende Berichtsaison habe gezeigt, dass die Gewinnzahlen zwar gut ausfielen, das Umfeld wohl aber nicht mehr viel besser werden könne, meinte ein Marktbeobachter. Investoren hätten das Gefühl, dass nach oben nicht mehr viel Luft sei. "Also nehmen sie Gewinne mit." Auch die jüngsten Wirtschaftsdaten lieferten Gesprächsstoff. Die US-Konjunktur verlor in den vielerorts von Eis und Schnee geprägten Wintermonaten an Schwung. Experten sahen aber nur eine "marginale Wachstumsdelle".

Der Dow-Jones-Index beendete das Freitagsgeschäft 0,05 Prozent tiefer bei 24.311,19 Punkten. Nach dem schwachen Wochenstart und der anschließenden Erholung verbuchte der US-Leitindex damit unter dem Strich ein minimales Wochenminus. Der S&P 500 stieg vor dem Wochenende um 0,11 Prozent auf 2669,91 Punkte. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 gewann 0,10 Prozent auf 6656,35 Zähler.

Im Tagesverlauf glänzten vor allem einige Technologieunternehmen mit guten Zahlen. Die Aktien von Amazon kletterten auf ein Rekordhoch und behaupteten mit einem Kursplus von letztlich 3,6 Prozent auf 1572,62 Dollar einen der vorderen Plätze im Nasdaq 100. Dank des boomenden Internethandels und florierender Cloud-Dienste war der Umsatz des weltgrößten Online-Händlers zu Jahresbeginn um 43 Prozent auf 51 Milliarden Dollar gestiegen und hatte damit die Erwartungen übertroffen.

Bilderserie

Der Überschuss kletterte bei Amazon von 724 Millionen auf 1,6 Milliarden Dollar. Damit wurde erneut die Milliardenmarke geknackt, was im Vorquartal erstmals gelungen war. Die Analysten der schweizerischen Bank Credit Suisse und der US-Bank JPMorgan lobten die Zahlen. Sie bekräftigten ihre Kaufempfehlungen für die Aktie und hoben ihre Kursziele deutlich über das aktuelle Bewertungsniveau hinaus an.

Auch der Softwarekonzern Microsoft profitierte im ersten Quartal kräftig vom Geschäft mit Cloud-Diensten. An den US-Börsen reicht das für ein Plus von 1,6 Prozent. Anders erging es dem Halbleiterhersteller Intel, dessen Anteilscheine trotz des guten Geschäfts mit Rechenzentren 0,6 Prozent verloren.

Bei T-Mobile US, der US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, freuten sich die Anleger dank Fusionsfantasien dagegen über ein Kursplus von knapp 0,7 Prozent. Nach mehreren erfolglosen Versuchen könnten die Bonner ihre Tochter nun unerwartet schnell mit dem Rivalen Sprint verkuppeln. Die Unternehmen hätten Fortschritte bei ihren Fusionsverhandlungen gemacht und können die Gespräche schon in der kommenden Woche abschließen, hieß es in einem Medienbericht. Die Sprint-Titel gewannen daraufhin sogar 8,3 Prozent.

Auf ein sehr unterschiedliches Echo am Markt stießen die Quartalsberichte der Ölkonzerne ExxonMobil und Chevron: Die zuletzt gut gelaufenen ExxonMobil-Titel büßten am Dow-Ende 3,8 Prozent ein, da das Unternehmen seinen Gewinn trotz höherer Ölpreise nicht ganz so kräftig gesteigert hatte wie erwartet. Dagegen zählten die jüngst ebenfalls schon starken Chevron-Aktien mit einem weiteren Plus von 1,9 Prozent zu den Favoriten der Anleger im US-Leitindex. Anders als der größere Konkurrent hatte Chevron den Ölpreisanstieg in einen überraschend hohen Quartalsgewinn ummünzen können.

Die Kaffeerestaurant-Kette Starbucks enttäuschte die Anleger trotz eines kräftigen Umsatzanstiegs zu Jahresbeginn. Das Unternehmen hatte eingeräumt, die Kosten einer Mitarbeiterschulung noch nicht abschätzen zu können. Für die Papiere ging es um 1,7 Prozent nach unten.

Die Aktien von Colgate-Palmolive traten letztlich fast unverändert auf der Stelle. Der Konsumgüterkonzern hält trotz eines enttäuschenden ersten Quartals an seinen Jahreszielen fest. Derweil sprangen die Aktien des Flugzeugteile-Spezialisten KLX um 9,1 Prozent nach oben: Der US-Flugzeugbauer Boeing will das Unternehmen einem Pressebericht zufolge übernehmen. Der Deal könnte dem Vernehmen nach bereits an diesem Montag bekanntgegeben werden, berichtete das "Wall Street Journal". Noch könne das Geschäft aber scheitern. Angaben zum Kaufpreis machte die Zeitung nicht. KLX wird derzeit an der Börse mit rund 4 Milliarden US-Dollar bewertet. Der Aktienkurs des Unternehmens hatte schon seit Dezember kräftig zugelegt, nachdem KLX den Start eines Verkaufsprozesses bekanntgegeben hatte. Boeing-Aktien zeigten sich unbeeindruckt und verloren am Ende ein halbes Prozent.

Der Kurs des Euro berappelte sich im New Yorker Handel etwas und stieg auf 1,2128 Dollar, nachdem er im europäischen Nachmittagsgeschäft bis auf 1,2056 Dollar und damit den niedrigsten Stand seit Mitte Januar abgerutscht war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,2070 (Donnerstag: 1,2168) Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,8285 (0,8218) Euro. Richtungweisende US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit legten um 6/32 Punkte auf 98 7/32 Punkte zu, was die Rendite auf 2,96 Prozent drückte.

 

Bilderserie

Quelle: n-tv.de