Wirtschaft
Starke Konjunktursignale und frische Zahlen von Netflix und Goldman Sachs: An der Nyse hält der jüngste Aufwärtstrend an.
Starke Konjunktursignale und frische Zahlen von Netflix und Goldman Sachs: An der Nyse hält der jüngste Aufwärtstrend an.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 17. April 2018

Freundlicher Aufwind in New York: US-Börsen schließen kräftig im Plus

An den New Yorker Börsen geht es weiter nach oben: Die Erleichterung mit Blick auf den Handelsstreit und den Krieg in Syrien hält an. Die US-Kursbarometer steigen auf breiter Front ins Plus. An der Nasdaq führen die Netflix-Aktien den Aufschwung an.

An der Wall Street blicken Händler am zweiten Handelstag der Woche zufrieden auf die Kurse: Die Zuversicht der Anleger erweist sich als robust, die Stimmung an den US-Börsen bleibt weiter stabil. Argumente für einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt liefern die überwiegend soliden Unternehmensergebnisse aus der laufenden Berichtssaison zum zurückliegenden Quartal.

Dazu kamen positive Konjunktursignale aus China. Vielversprechend klang zudem die Ankündigung aus Peking, dass ausländische Autohersteller in der Volksrepublik künftig nicht mehr zwingend auf einheimische Partner angewiesen sind. Gerade vor dem Hintergrund des bestehenden Handelskonflikts mit den USA schürt das Hoffnungen auf eine letztlich gütliche Einigung und lässt den Streit weiter im Hintergrund schwelen. Auch der Krieg in Syrien spielt an der Wallt Street nur noch eine untergeordnete Rolle.

Der Dow-Jones-Index verabschiedet sich mit einem Aufschlag von 0,87 Prozent bei 24.786,63 Punkten in den Feierabend. Damit bewegt sich das US-Börsenbarometer auf dem höchsten Niveau seit vier Wochen - und liegt in der Betrachtung seit Jahresbeginn (YTD) wieder im Plus. Der breiter gefasste S&P-500 legt im Dienstaghandel um 1,07 Prozent zu auf 2706,39 Zähler. Befeuert von den starken Netflix-Zahlen vom Vorabend zieht der technologielastige Nasdaq 100 um plus 2,12 Prozent an auf 6816,37 Punkte.

Auslöser der neuen Kauflaune im Technologiesektor sei das herausragende Kundenwachstum bei Netflix, heißt es aus dem Handel. Der US-Konzern übertraf im ersten Quartal mit 7,4 Millionen neu gewonnenen Kunden die Prognose von 6,5 Millionen deutlich. Auch für das zweite Quartal erwartet der Streaming-Dienst ein Wachstum, das über den bisherigen Schätzungen der Analysten liegt. Gewinn und Umsatz fielen derweil wie erwartet aus. Der Aktienkurs schnellt am Tag nach der Zahlenvorlag um 9,2 Prozent in die Höhe. Seit Jahresbeginn hat die Netflix-Aktie schon mehr als 70 Prozent an Wert gewonnen.

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Die Entwicklung bei Aktien aus dem sogenannten FANG-Sektor (Facebook, Amazon, Netflix und die Google-Mutter Alphabet) sei sehr wichtig, weil sie ein Art Barometer für Kurstrends am US-Aktienmarkt abgeben, meinte Anlageexperte Christopher Peel von Tavistock Investments. Angesichts des in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder zu beobachtenden Drucks auf die hoch bewerteten Technologieaktien sei der Sektor sehr anfällig, sollte eines der großen fünf oder sechs Unternehmen enttäuschen. Die Aktien von Amazon ziehen um 4,3 Prozent an. Alphabet gewinnen 3,2 Prozent. Facebook verteuert sich um 2,3 Prozent.

In der Liga der US-Großbanken blicken Anleger auf den Zwischenbericht von Goldman Sachs. Das Geldhaus hat wie diverse andere US-Konzerne zuvor bereits im ersten Quartal von der US-Steuerreform und starken Handelsgeschäften profitiert und die Erwartungen klar geschlagen. Die US-Bank steigerte den Gewinn um 26 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar und verdiente deutlich mehr als Analysten erwartet hatten.

Die Goldman-Sachs-Aktie schließt am Tag der Zahlenvorlage 1,3 Prozent im Minus. Im Handel war als ein Erklärungsversuch dafür zu hören, dass die Banken mittlerweile ihre Spitzengewinne gesehen haben könnten. Goldman teilte zudem mit, im zweiten Quartal keine eigenen Aktien zurückkaufen zu wollen, was ebenfalls kursbelastend wirken dürfte.

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Große Freude war außerdem bei den Aktionären von Unitedhealth angesagt: Die Papiere zogen an der Dow-Spitze um knapp 3,6 Prozent an und erreichten den höchsten Stand seit Ende Januar. Der Krankenversicherer ist nach einem überraschend guten ersten Quartal nun für 2018 noch optimistischer geworden.

Die Aktien des Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson fallen nach der Zahlenvorlage um 0,9 Prozent zurück. Gewinn und Umsatz im ersten Quartal übertrafen zwar die Erwartungen des Marktes. J&J erwartet zudem im laufenden Geschäftsjahr einen höheren Umsatz als bisher. Doch das Unternehmen teilte auch mit, Sparmaßnahmen einleiten zu wollen. Spekulationen über größere Übernahmen erteilte das Unternehmen zudem eine Absage.

Wie in der Nacht auf Dienstag bekannt wurde, musste der E-Autopionier Tesla die Produktion seines Hoffnungsträgers für den Massenmarkt, das "Model 3", erneut stoppen. Tesla begründete dies unter anderem mit der Behebung von Engpässen, was letztlich zu einer höheren Produktion führen soll. Der Zeitplan für die Produktion des Modells sehe solche Unterbrechungen vor, betonte ein Unternehmenssprecher. Erst jüngst sagte Tesla-Chef Elon Musk, dass eine nachhaltige Produktionsrate von 2000 Fahrzeugen pro Woche erreicht worden sei. Ursprünglich sollte die Produktion bis Ende März auf 2500 Autos pro Woche steigen. Tesla-Aktien geben vor diesem Hintergrund um 1,2 Prozent nach.

Die Aktie von Southwest Airlines verzeichnet nach einem Vorfall mit einer Boeing 737 auf dem Flug von New York nach Dallas einen deutlichen Kursverlust. Nach einer Triebwerksexplosion während des Fluges sollen Trümmer die Kabine durchschlagen haben. Eine Person erlag nach Behördenangaben nach der Landung ihren Verletzungen.

Die jüngsten US-Konjunkturdaten sorgen vor allem am Devisenmarkt für Bewegung. Sowohl die Baubeginne als auch die Baugenehmigungen haben im März stärker zugelegt als erwartet. Die US-Industrieproduktion ist mit einem Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat im März knapp über der Erwartung ausgefallen. Die Kapazitätsauslastung stieg leicht auf 78,0 Prozent von zuvor 77,9 Prozent. Auf der anderen Seite leide der Euro etwas unter einem enttäuschend ausgefallenen deutschen ZEW-Index zu den Konjunkturerwartungen in Deutschland.

Der Kurs des Euro erholte sich am Abend wieder von einer frühen Talfahrt. Zuletzt wurden 1,2374 Dollar für die Gemeinschaftswährung bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2357 (Montag: 1,2370) Dollar festgesetzt. Der US-Rentenmarkt zeigte sich wie am Vortag nur wenig bewegt. Richtungweisende zehnjährige Papiere legten minimal um 1/32 Punkte auf 99 12/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 2,82 Prozent.

Quelle: n-tv.de