Marktberichte

Dow Jones schließt im Minus Virussorgen ziehen US-Börsen nach unten

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(Foto: imago images/UPI Photo)

An der New Yorker Wall Street geht die schlimmste Woche seit der Finanzkrise von 2008 zu Ende. Über die Woche gesehen hat der Dow Jones rund 17 Prozent verloren. Massive Geldspritzen dämpfen die Verunsicherung zunächst zwar. Doch viele Anleger gehen davon aus, dass das Schlimmste noch nicht vorbei ist.

Die am Donnerstag eingeleitete Erholung an der Wall Street ist heute nach einer anfänglichen Fortsetzung in sich zusammengefallen. In einem erneut sehr volatilen Handel zum großen Verfalltag wirkten die frühen Kursgewinne bereits fragil und gingen endgültig verloren als die Nachricht über die Ticker lief, dass der Gouverneur von New York die Arbeitnehmern dazu aufgerufen hat, von nun an möglichst zuhause zu bleiben.

Dies dürfte vielen Anlegern noch einmal vor Augen geführt haben, wie prekär die Situation rund um die Coronavirus-Krise ist, und zugleich die Neigung verstärkt haben, vor dem Wochenende auf Nummer sicher zu gehen und Positionen glattzustellen.

Zum Schluss lag der Dow-Jones-Index so bei 19.174 Punkten und damit 4,5 Prozent im Minus. Gegenüber dem Vorwochenschluss brach der Index im Lauf der Woche damit um über 17 Prozent ein. Der S&P-500 sackte nach der mauen Zwischenerholung am Donnerstag wieder um 4,3 Prozent ab, die Nasdaq-Indizes büßten jeweils rund 4 Prozent ein. An der NYSE gab es 1.313 (Donnerstag: 2.314) Kursgewinner und 1.710 (719) -verlierer. Unverändert schlossen nach ersten Angaben 29 (21) Aktien.

Die diversen Maßnahmen der US-Notenbank und anderer Notenbanken zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sorgten somit nur vorübergehend für etwas Zuversicht. Unter anderem hatte die US-Notenbank am Donnerstag zusätzliche Anleihekäufe angekündigt und mehrere Ländern den Zugriff auf Dollar-Liquidität erleichtert. Die Bank of America plädiert dafür, dass die US-Notenbank neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen mit guter Bonität kauft, um damit den Markt zu beruhigen.

Zuletzt seien nämlich auch solche Anleihen verkauft worden, weil viele Anleger in Liquidität geflüchtet seien. Dies hatte die Renditen am Anleihemarkt kräftig steigen lassen. Auch die massiven Ausgabenprogramme der Regierungen konnten die Gemüter angesichts rasant weiter steigender Infiziertenzahlen nicht beruhigen. Unter anderem hat Mitch McConnell, der die Republikaner-Mehrheit im Senat anführt, am Donnerstag ein Stimuluspaket vorgestellt, das ein Volumen von über 1 Billion Dollar haben könnte und auch Direktzahlungen an US-Bürger vorsieht.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 21,33

Dramatisch ging es erneut am Ölmarkt zu. Der Preis der US-Sorte WTI brach um über 8 Prozent ein auf 23,84 Dollar. Analyst Marshall Steeves von IHS Markit begründete den neuerlichen Einbruch mit eine zu erwarteten starken Nachfrageeinbruch angesichts der Nachrichten über Ausgangssperren und Reisewarnungen.

Zudem flute Saudia-Arabien weiter den Markt mit Öl im Streit mit Russland um Förderkürzungen. Gleichwohl hielt sich Brentöl deutlich besser mit einem Minus von lediglich knapp 4 Prozent. Hier könnte die Ankündigung der USA noch gestützt haben, sich notfalls in den Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien einzumischen. Das US-Öl verzeichnet damit auf Wochensicht einen Einbruch von 29 Prozent, das ist der stärkste Rückgang seit 1991.

US-Dollar / Euro
US-Dollar / Euro ,90

Der Dollar kam nach den kräftigen Gewinnen im bisherigen Wochenverlauf zunächst zurück, im Handelsverlauf drehte die Stimmung aber wieder und der Dollar-Index zeigte zuletzt ein Plus von 0,1 Prozent. Der Euro kostete 1,0666 Dollar und ging damit nahe dem Tagetief ins Wochenende.

Am US-Anleihemarkt fielen die zuletzt stark gestiegenen Renditen deutlich zurück. Hier dürften die angekündigten zusätzlichen Anleihekäufe der US-Notenbank die wesentliche Rolle gespielt haben. Die Zehnjahresrendite sackte um 26 Basispunkte auf 0,89 Prozent ab.
Gold machte wieder etwas Boden gut.

Die Feinunze verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 1.4881 Dollar. Einige Akteure hätten den jüngsten Preisverfall zum Wiedereinstieg genutzt, hieß es. Der Goldpreis, der vor etwa zwei Wochen noch auf einem Mehrjahreshoch knapp oberhalb von 1.700 Dollar notierte, hat sich von diesem um rund 200 Dollar nach unten entfernt. Auch der etwas leichtere Dollar stützt den Goldpreis.

Walmart
Walmart 99,49

Am Aktienmarkt verloren Walmart nach einem positiven Start 4,6 Prozent. Während in vielen Unternehmen Entlassungen drohen, profitiert der Einzelhandelsriese von den Hamsterkäufen der Amerikaner in der Corona-Krise. Walmart will deshalb seinen Mitarbeitern Boni zahlen und bis zu 150.000 zusätzliche Kräfte befristet einstellen.

AT&T knickten um 8,7 Prozent ein. Der Telekomkonzern hat ein erst vor kurzem angekündigtes Aktienrückkaufprogramm wegen der Pandemie wieder abgeblasen. A&T will so die eigene finanzielle Flexibilität verbessern.

Der Kurs von Genmark Diagnostics sprang um 30 Prozent nach oben, nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA einen Test des Diagnostikspezialisten auf das Coronavirus in einem beschleunigten Verfahren zugelassen hatte.

Quelle: ntv.de, jki/DJ