Marktberichte

Konjunkturdaten enttäuschen Wall Street erholt sich trotz Corona-Sorgen

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Beteuerungen seitens der Politik, beim umkämpften US-Konjunkturpaket eine Einigung erlangen zu wollen, stützten die US-Börsen im späten Geschäft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Corona- und Konjunktursorgen setzen auch den US-Börsen zu. Aus Furcht vor einem Rückschlag für die US-Wirtschaft ziehen sich Anleger aus dem dortigen Aktienmarkt zurück. Allerdings halten sich die Börsen in Übersee verglichen mit Europa deutlich wackerer.

Die coronabedingte Talfahrt an den europäischen Börsen hat auch die Wall Street belastet. Diese schloss den dritten Tag in Folge im Minus. Hauptthema war die zweite Coronawelle, die vor allem auch durch neue Restriktionen in Europa wieder schärfer ins Bewusstsein gerückt war. Doch hielten sich die US-Börsen deutlich wackerer als ihre europäischen Pendants und erholten sich klar von den Tagestiefs. Dass Anleger anders als in Europa weiter die Karte Konjunkturerholung spielten, ließ sich am Dow-Jones-Transportindex ablesen, der auf ein weiteres Rekordhoch kletterte. Zwar kamen die Gespräche über ein US-Konjunkturpaket kaum voran, dennoch stützten Aussagen aus der Politik über den Willen, eine Einigung erlangen zu wollen, die US-Börsen im späten Geschäft.

Im Rennen um die US-Präsidentschaft kommt Herausforderer Joe Biden aktuell auf einen komfortablen Umfragevorsprung von 11 Prozentpunkten. Dieser Umstand nehme etwas Unsicherheit vor den Wahlen vom Markt, hieß es. Der Dow-Jones-Index büßte 0,1 Prozent auf 28.494 Punkte ein, S&P-500 und Nasdaq-Composite gaben 0,2 bzw. 0,5 Prozent ab. Die Nasdaq-Indizes wurden durch eine Studie von Goldman Sachs etwas deutlicher ins Minus gedrückt. Die Analysten stuften Technologiewerte auf "Neutral" ab. An der Nyse standen 1.673 (Mittwoch: 1.251) Kursgewinnern 1.373 (1.809) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 77 (73) Titel.

"Es war nur eine Frage der Zeit, bis Anleger den scharfen Anstieg der Infektionszahlen und neue Beschränkungen überall in Europa nicht länger ignorieren konnten", erläuterte Marktanalyst Milan Cutkovic von Axi. Das fruchtlose Hin und Her bei den Verhandlungen um ein Konjunkturpaket hielt an. Gerade beim letzten Thema habe sich die Marktsicht von "einer Menge Optimismus" gewandelt zu "einer Menge Pessimismus", wie Marktstratege Jim McCormick von Natwest Markets sagte. Dass Hilfe willkommen wäre, zeigten neue US-Daten zumindest zum Teil: Die wöchentlichen Jobdaten fielen schwächer als erwartet aus, das galt auch für den Empire State Index zur Geschäftsaktivität im Großraum New York. Immerhin überraschte ein starker Philly-Fed-Index auf der positiven Seite.

Wichtige Unternehmenszahlen lieferten Walgreens Boots Alliance und Morgan Stanley. Walgreens stiegen um 4,8 Prozent, nachdem der Pharmahändler in seinem vierten Geschäftsquartal besser abgeschnitten hatte als erwartet. Morgan Stanley hatte ihren Gewinn trotz Corona-Krise im dritten Quartal kräftig gesteigert. Insgesamt schnitt die Bank deutlich besser ab als von Analysten vorausgesagt. Die Aktie legte um 1,3 Prozent zu.

Alcoa konnte das Quartalsminus zwar verringern, schrieb aber noch immer rote Zahlen. Der Aluminiumverhütter warnte zudem, dass im vierten Quartal mit Gegenwind auf der Kostenseite gerechnet werden müsse, was negativ auf die Ergebnisentwicklung wirken dürfte. Die Aktie sauste 5,4 Prozent abwärts.

United Airlines sanken um 3,8 Prozent. Die Fluggesellschaft hatte von einem Einbruch des Geschäfts berichtet und einen Nettoverlust von 1,8 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der Umsatz lag mit 2,5 Milliarden Dollar 78 Prozent niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gleichwohl zeigte sich United Airlines optimistisch. Vertex Pharmaceuticals brachen um 20,7 Prozent ein. Das Biopharmaunternehmen hatte eine klinische Studie mit dem Medikamentenkandidaten VX-814 eingestellt.

Am Devisenmarkt spielte der Dollar seinen Status als sicherer Hafen aus, der ICE-Dollarindex kletterte um 0,4 Prozent. Der Euro kämpfte mit der Marke von 1,17 Dollar. Der Goldpreis stieg trotz der Dollar-Aufschläge und lag wieder oberhalb der 1.900er Marke. Zuletzt verteuerte sich die Feinunze um 0,3 Prozent auf 1.907 Dollar. Ähnlich wie beim Dollar sprachen Händler von Käufen bedingt durch das Bedürfnis nach Sicherheit wegen der Corona-Krise in Europa.

Brent Rohöl
Brent Rohöl 42,47

Der Ölpreis litt unter den Corona-Sorgen. Sollte es neue Abriegelungen und wirtschaftliche Einschränkungen geben, dürfte die Erdölnachfrage leiden - diese ist rezessionsbedingt ohnehin schwach. Gestützt wurden Rohölpreise von den US-Lagerbeständen, die stärker als gedacht gesunken waren. Im Anschluss an die Daten erholten sich die Preise deutlich. Das Fass der US-Sorte WTI verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 40,96 Dollar, für Nordseeöl der Sorte Brent geht es um 0,4 Prozent abwärts auf 43,16 Dollar.

Anleihen profitierten zunächst von der konjunkturellen Unsicherheit. Finanzminister Steven Mnuchin sah kaum noch Chancen für eine Verabschiedung eines Konjunkturpaketes vor den Wahlen. Im späten Geschäft drehten die Notierungen mit dem sich erholenden Aktienmarkt knapp ins Minus. Die Zehnjahresrendite gewann 0,2 Basispunkte auf 0,73 Prozent.

Quelle: ntv.de, jki/DJ