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Wie besonders sind Einhörner? "Jedes Unicorn ist eine Auszeichnung"

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So schnell wie kein anderes deutsches Startup zuvor hat der Blitzlieferdienst Gorillas eine Milliardenbewertung erreicht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gorillas, Scalable, Forto: Sie alle haben nach üppigen Finanzierungsrunden Einhorn-Status erreicht. Im Interview mit ntv.de erklärt Gesa Miczaika, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Startup-Verband, woran das liegt - und ob ein Ende des aktuellen Booms absehbar ist.

ntv.de: Investoren stecken momentan so viel Geld in Startups wie selten zuvor. Dabei steigt nicht nur das Kapitalvolumen der Deals, auch die Bewertungen erreichen ganz neue Sphären. Wie lässt sich dieser Hype erklären?

Gesa Miczaika: Das ist für mich kein Hype, sondern natürliches Ergebnis einer langfristigen Entwicklung. Startups sind fester Bestandteil unserer Volkswirtschaft. An der Innovationskraft der deutschen Gründungsszene besteht kein Zweifel mehr. Die Zahl der Unicorns wächst in Deutschland seit Jahren. Genauso wie die Zahl ihrer kleinen Geschwister, der "Soonicorns", die das Potenzial haben, demnächst der Familie der "Unicorns" anzugehören. Diese Entwicklung zeigt sich neben der Finanzierung auch bei den Beschäftigten: In den zurückliegenden Jahren ist deren Zahl in diesem Bereich stetig gestiegen - auf inzwischen rund 415.000 Menschen.

Während Wagniskapitalgeber 2020 zurückhaltend waren, saß das Geld in den vergangenen sechs Monaten anscheinend extrem locker. Erwarten Sie ein absehbares Ende des aktuellen Booms von Finanzierungsrunden?

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Gesa Miczaika ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Startup-Verband und Gründerin von Auxxo Beteiligungen, wo sie als Investorin vor allem Gründerinnen unterstützt.

Wir befinden uns in einer spannenden Entwicklung. Nie wurde mehr Geld an den Kapitalmärkten investiert. Nie war es einfacher, das weltweit zu tun. Die sinkende Attraktivität von klassischen Anlagen macht Risikokapitalinvestitionen, aber auch Aktien - insbesondere wachstumsorientierte - für viele Akteure wichtiger. In Deutschland gewinnt zum Beispiel gerade der amerikanische SPACs-Trend an Fahrt. Seit Anfang dieses Jahres gibt es drei börsennotierte SPACs, also Finanzierungsunternehmen, die dem deutschen Startup-Ökosystem helfen, um mehr Kapital aufzunehmen.

Wird Deutschland jetzt seinen Rückstand zur europäischen Fintech-Metropole London aufholen können?

Trotz steigender Investitionssummen ist unser Rückstand zu Großbritannien noch immer hoch, gerade bei Late-Stage-Investments. Diese Lücke müssen wir schließen. Als Industrienation mit herausragender Forschungs- und Hochschullandschaft haben wir eine gute Basis, die Rahmenbedingungen sind jedoch nicht ideal. Hier muss die Politik die richtigen Weichen stellen. Neben dem Thema Kapital betrifft das vor allem das Thema Köpfe. Startups setzen oft auf Mitarbeiterbeteiligungsprogramme, um Talente für sich zu gewinnen. So partizipieren Mitarbeitende am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Leider wurde politisch die Chance verpasst, hierfür wirklich attraktive gesetzliche Regelungen zu schaffen. Das wirft uns im Kampf um die besten Köpfe zurück.

Nicht nur die Höhe der Deals, auch ihre Anzahl steigt. Etabliert sich in Deutschland langsam eine Finanzierungskultur?

Mit Sicherheit. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Der springende Punkt sind die Late-Stage-Investments. Startkapital bekommen viele, doch hinten raus wird dann das Geld knapp.

Gorillas, Scalable, Forto: Sie alle haben erst kürzlich nach üppigen Finanzierungsrunden Einhorn-Status erreicht, sind also mehr als eine Milliarde US-Dollar wert. Ist diese Auszeichnung überhaupt noch etwas Besonderes?

Klar gibt es immer mehr Unicorns. Weltweit entstehen jeden Tag zwei. Das liegt an der stärkeren Verbreitung von Internetzugängen, der Verfügbarkeit von skalierbaren und globalen Softwarelösungen und natürlich dem massiven Anstieg von VC-Investitionen. Für Deutschland ist jedes Unicorn eine Auszeichnung. Denn Startups und Scaleups sind Jobmotoren! Das Job-Potenzial bei Startups und Scaleups ist gewaltig. In den USA hätte es seit den 1980er-Jahren ohne Gründungen kein Netto-Jobwachstum gegeben. Wenn es gelingt, in Deutschland den Anteil der Mitarbeitenden von Startups und Scaleups an der Gesamtbevölkerung auf das Niveau von Schweden zu bringen, würde sich die Zahl der von Startups und Scaleups geschaffenen Arbeitsplätze hierzulande mehr als verdoppeln; wird das Niveau von den USA erreicht, bedeutet das die Schaffung von mehr als 3 Millionen neuen Arbeitsplätzen.

Werden ihnen in Zukunft noch mehr Firmen folgen?

Das will ich hoffen.

Gorillas hat diesen Meilenstein in einer Rekordzeit von nur neun Monaten geschafft. Wird das die neue Normalität?

Es gibt immer bestimmte Rahmenbedingungen, die schnelles Wachstum begünstigen. Bei Gorillas war es mit Sicherheit die Corona-Pandemie. Ob diese Geschwindigkeit zur Norm wird, bleibt abzuwarten.

Mit Gesa Micaizka sprach Juliane Kipper

Quelle: ntv.de

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