Wissen
Den heute noch existierenden Verwandten von T. Rex begegnen wir täglich, fast überall.
Den heute noch existierenden Verwandten von T. Rex begegnen wir täglich, fast überall.(Foto: imago/Science Photo Library)
Dienstag, 17. Oktober 2017

Frage & Antwort, Nr. 503: Gibt es noch Dinosaurier?

Von Andrea Schorsch

Ob im Museum, Freizeitpark oder Film: Dinosaurier sind stets eine Attraktion. Knochenfunde und Fußabdrücke haben viel über die Urzeit-Echsen verraten. Denn dass es längst keine Dinosaurier mehr gibt, ist weithin bekannt. Aber es stimmt nicht ganz.

Blöde Frage, könnte man meinen. Dass die riesigen Landlebewesen seit rund 66 Millionen Jahren ausgestorben sind, weiß doch schließlich jedes Kind. Aber es stimmt nicht so ganz. Auch wenn wir sicher sein können, niemals einem T. Rex aus Fleisch und Blut über den Weg zu laufen, gibt es noch immer Dinosaurier. Fast überall. Und sie sind sogar mit T. Rex verwandt.

Viele von ihnen sind Fleischfresser - wie T. Rex. Allerdings begnügen sie sich oft mit Würmern und Insekten. Die größeren aber jagen Nagetiere und Kaninchen, manche auch Frösche, Schlangen oder Fische. Sie gehen auf zwei Beinen - wie T. Rex. Doch üblicherweise bewegen sich viele von ihnen anders fort: Sie haben nämlich Flügel. Die heute noch existierenden Dinosaurier sind die Vögel.

Theropoden haben überlebt

Die gefiederten Maniraptoren sind die engsten Verwandten der Vögel. Hier zu sehen: Velociraptor mongoliensis.
Die gefiederten Maniraptoren sind die engsten Verwandten der Vögel. Hier zu sehen: Velociraptor mongoliensis.(Foto: ArthurWeasley/Wikipedia/CC BY 2.5)

"Die Forschung hat in den letzten 30 Jahren überzeugend gezeigt, dass unsere heutigen Vögel direkt von der Dinosaurier-Gruppe der Theropoden abstammen", sagt Prof. Dr. Oliver Rauhut, Oberkonservator der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, zu n-tv.de. "Im Sinne der biologischen Systematik kann man Vögel daher mit Recht als Dinosaurier bezeichnen."

Es waren vor allem Fossilien-Funde in China, die Paläontologen viel über die Evolution der Vögel verrieten. In der Provinz Liaoning nämlich fand man in den vergangenen 20 Jahren viele gefiederte Dinosaurier. Manche von ihnen waren neun Meter lang, andere nur etwa so groß wie ein Hund. Mehr als 20 verschiedene Arten machten die Wissenschaftler aus. Sie alle hatten Federn, nicht aber unbedingt Flügel. Die Federn waren in der Evolution lange vor den Flügeln da.

Nachdem die Forscher – einer von ihnen Stephen Brusatte von der University of Edinburgh – diese Funde sortiert hatten, war klar: Vögel gehören zu den Theropoden; ihre nächsten Verwandten unter den Dinosauriern sind die kleinen, wendigen Raptoren - wie etwa der Velociraptor. Brusatte schreibt darüber unter anderem in Spektrum der Wissenschaft (9/2017).

Flügel entstanden nicht zum Fliegen

Auch der Velociraptor hatte Federn – ohne dass er fliegen konnte. Und viele andere, fernere Dinosaurier-Vorfahren der Vögel ebenfalls. Doch wofür? "Federn sind multifunktional", sagt Brusatte. Mit ihrem Federflaum hätten die Dinosaurier vor Geschlechtspartnern oder Rivalen geprotzt, sie hätten mit den Federn ihren Nachwuchs warmgehalten und ihn zum Eierausbrüten genutzt. Bloß zum Fliegen eigneten sich diese Federn nicht. Dafür mussten erstmal Flügel her.

Und selbst die befähigten nicht von Anfang an zur Fortbewegung in der Luft. Dass sich die Federn nach und nach umgestalteten und daraus Flügel entstanden, geschah offenbar nicht zum Fliegen. "Nach neuesten Erkenntnissen", sagt Brusatte mit Blick auf geflügelte, aber flugunfähige Dinosaurier, "könnten Flügel zunächst vielmehr dazu gedient haben, sich zur Schau zu stellen." Die Federn geflügelter Dinosaurier schillerten dem Forscher zufolge nämlich in den verschiedenste Farben. Brusatte geht davon aus, dass sich Flügel vorrangig zur Signalgebung entwickelten. "Fliegen wäre dann rein durch Zufall erfunden worden und vielleicht mehr als einmal, als die verschiedenen Maniraptoren beim Herumhüpfen große Sätze vollführten, Bäume hinaufhuschten oder von Ast zu Ast sprangen." Erst mit der Zeit, so der Paläontologe, hätten sich kleinere Maniraptoren entwickelt mit überlangen Armen, starken Brustmuskeln und ohne den langen Schwanz. Sie wurden zu Vögeln.

"Die Vögel sind einfach ein besonderer Typ von Dinosauriern", resümiert Brusatte. Ein besonders anpassungsfähiger noch dazu. Schließlich sind sie die einzigen Dinosaurier, die den Asteroideneinschlag am Ende der Kreidezeit überlebten. Deswegen also sind die Theropoden auch heute noch stark auf der Erde vertreten: Mehr als 10.000 existierende Vogelarten repräsentieren sie. Die Dinosaurier sind unter uns.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen