Frage & Antwort

Fettschicht für den Winter Haben wir mehr Hunger, wenn es kalt ist?

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Dass man im Winter mehr Hunger auf Kohlenhydrate hat als im Sommer, ist evolutionsbedingt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Jetzt, wo die Tage kürzer werden, greift man beim Essen wieder beherzter zu als noch im Sommer. Die lästigen Kilos zu viel auf der Waage machen sich dann besonders nach den Wintermonaten bemerkbar. Sind die sinkenden Temperaturen schuld?

Man hat sich fest vorgenommen, die hart erarbeitete Sommerfigur zu halten. Dieses Jahr hält man den winterlichen Leckereien ganz sicher stand. Doch kaum weicht die Sonne dem Wolkenvorhang und kühleren Temperaturen, sind auch die guten Vorsätze verschwunden. Woran liegt das?

Wissenschaftler der Universität Tampere fanden heraus, dass die Menschen in Deutschland zum Ende der Sommerzeit am leichtesten sind. Wenn es draußen grauer und kälter wird, steigt die Gewichtskurve stetig nach oben. Die Gewichtsschwankungen im Jahr seien biologisch begründet, sagt Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Als Chronobiologe befasst er sich mit der inneren Uhr von Menschen.

"Die Weihnachtsplätzchen haben zwar einen kulturellen Hintergrund, sind streng genommen aber evolutionsbedingt." Wir setzen Fett an, um die kalten Monate zu überstehen. Das kommt aus einer Zeit, als es in den Wintermonaten einfach weniger Nahrung gab. Man könne das mit einem Affen im Park vergleichen, der eine Kiste voller Bananen findet und sie selbstverständlich aufisst, so der Wissenschaftler. "Evolutionsbedingt sind wir noch diese Affen im Park." Trotz eines ständigen Angebots aller Lebensmittel, habe man im Winter instinktiv eher Lust auf Kohlenhydrate.

"Gewichtsschwankungen sind wichtig"

Das würde erklären, warum einem im Sommer der frische Salat mit Hähnchenfleisch so gut schmeckt, man sich im Winter aber eher nach Schweinebraten mit Knödeln sehnt. Die deftige Mahlzeit ist, wie auch die Weihnachtsplätzchen, der perfekte Energielieferant. Im Winter brauchen wir mehr Energie, sagt der Ernährungswissenschaftler Jan Frank von der Universität Hohenheim. "Wenn wir frieren, wird ein Teil der Nahrungsenergie in Wärme umgewandelt, um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten." Der Körper benötige dann zusätzliche Energie für den Stoffwechselprozess. Das könnte den größeren Hunger erklären, so der Ernährungsexperte.

Nicht nur die Kälte, sondern auch der Lichtmangel im Winter soll eine Ursache für Heißhungerattacken sein. Auf diese These stößt man bei der Suche nach Gründen für den Winterspeck immer wieder. Die Begründung dazu lautete: Der Körper produziert in der dunklen Jahreszeit weniger Glücksbotenstoff Serotonin. Kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Schokolade enthalten hohe Mengen der Aminosäure Tryptophan, aus der unser Gehirn das Glückshormon bildet. Um schlechter Stimmung vorzubeugen, greifen wir also instinktiv zu den Kalorien.

Diese Erklärung sei jedoch viel zu einfach, um die Gewichtsschwankungen im Jahreszyklus zu begründen, sagt Roenneberg. "Wenn der Körper einen Mangel an Serotonin hat, kann er das Hormon auch aus anderen Quellen bekommen." Allerdings habe der Lichtmangel im Winter eine andere Folge. Der Körper schüttet vermehrt das Hormon Melatonin aus. "Man schläft daher im Winter länger", so der Wissenschaftler. Dieses Zeichen unseres Körpers sollten wir auch im Sinne der Sommerfigur akzeptieren. Denn wer zu wenig schläft und müde ist, wird schneller hungrig. "Wir wollen immer energiegeladen, schlank und fröhlich sein", sagt Roenneberg. Die Schwankungen im Jahreszyklus liegen allerdings in unserer Natur. "Wir brauchen sie, um im Frühling mit viel Energie loslegen zu können."

Feiertage machen dick

Kann man sich Glühwein, Kassler und Schokopudding nun also ohne schlechtes Gewissen hingeben, weil evolutionsbedingt ohnehin nichts gegen den Winterspeck zu machen ist? Nicht ganz. Die Wissenschaftler der Universität Tampere fanden auch heraus, dass Menschen besonders an den Feiertagen an Gewicht zulegen. Nach Weihnachten wogen sie im Schnitt 0,8 Kilogramm mehr als zuvor.

Dass man die Sommerfigur im Frühjahr neu formen muss, liegt also mehr an der Adventszeit als an den Minusgraden. Auf Weihnachtsmärkten und Familienfeiern ist das Angebot an deftigen und süßen Speisen größer als im feiertagsarmen Sommer. Um die Strandfigur zu halten, hilft es wohl am meisten, standhaft zu bleiben und sein Sportprogramm auch in den kalten Monaten durchzuziehen.

Übrigens:

Die Psychologin Shira Gabriel von der New York State University fand heraus, dass Frust- oder Trostessen typabhängig ist. Menschen, die grundsätzlich in soziale Bindungen vertrauen, versetzen sich bei Stress eher in die elterliche Küche zurück als Menschen, die Probleme mit Vertrauen haben. Sie greifen daher schneller zu Milchreis und Schokolade, um sich zu trösten.

Quelle: ntv.de