Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 560 Kann Dinosaurier-DNA in Fossilien stecken?

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Fossilien werden sogar nachgebaut oder gefälscht, wie dieser versteinerte Protoceratop im Shop einer Ausstellung in Rio de Janeiro beweist.

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Fossilien von Tieren und Pflanzen faszinieren. An den uralten Gewebe- und Knochenresten können Forscher zahllose Dinge ablesen. Aber könnten sie auch verwendbare DNA, zum Beispiel von Dinosauriern enthalten?

Riesige versteinerte Ammoniten, Fußabdrücke im Schlamm, ganze von innen heraus versteinerte Bäume, winzige Tiere in Bernstein: Fossilien ermöglichen faszinierende Einblicke in die Entwicklung unseres Planeten und das Leben vor Millionen von Jahren. Im Film "Jurassic Park" wurden Tiere mit moderner Gentechnologie erneut zum Leben erweckt. Manch einem gefällt diese Vorstellung. Doch könnte man überhaupt verwendbare Dinosaurier-DNA aus Fossilien gewinnen?

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Dinosaurier-Nachbildung in Fukui, Japan. In dem Ort gibt es ein Dinosaurier-Museum.

(Foto: imago/AFLO)

Professor Alexander Schmidt, Geobiologe an der Universität Göttingen, kann über eine solche Frage nur schmunzeln. "DNA ist an sich ein sehr instabiles Molekül. Das sehen Botaniker schon in Herbarien. Abhängig davon, wie gut die Proben nach dem Sammeln aufbewahrt wurden, ist die DNA-Isolation an Material, das älter als 20 Jahre ist, schon sehr schwierig."

Und die Erhaltung von DNA ist in den meisten Fällen alles andere als ideal. Um für molekulare Analysen verwendbar zu sein, müsste die Probe kalt, trocken und vor UV-Licht geschützt konserviert werden. Denn im Allgemeinen hat DNA eine sehr kurze Halbwertszeit, ein Fragment von 200 Basenpaaren zum Beispiel zerfällt nach ungefähr 400 Jahren. "In Maßstäben von DNA ist das nur ein winziger Schnipsel und selbst wenn wir so kurze Fragmente erhalten hätten, würde es das einfach nicht bringen" erklärt Schmidt weiter.

Harz besonders schlecht zur DNA-Erhaltung

Wie schnell DNA selbst bei guter Erhaltung zerfällt, zeigten Forscher aus Neuseeland. Sie gruben die Knochen der vor 10.000 Jahren ausgestorbenen Moa-Vögel aus drei verschiedenen Zeithorizonten aus und bestimmten das Alter sowie die erhaltene DNA. Spätestens nach einer Millionen Jahre ist da nichts mehr übrig. Datieren kann man die Knochen aber noch. Kohlenstoff und andere radioaktive Elemente erhalten sich im Gegensatz zu einem komplexen Molekül wie DNA über Jahrmillionen und erlauben es Wissenschaftlern, das Alter von Gesteinen und Knochenfunden zu bestimmen.

Deswegen sind auch die auf den ersten Blick vielversprechenden Bernstein-Funde mit Vorsicht zu genießen. "Die Euphorie in den 1990er-Jahren, dass DNA alles ist, ist inzwischen etwas verebbt", erklärt Schmidt und bemerkt, dass sich selbst im Baumharz nicht mal die DNA des Baumes befinden muss. So stammt die DNA, die in den 1990er-Jahren aus Bernstein isoliert wurde und die Filmemacher inspirierte, höchstwahrscheinlich von modernen Pilzen und Bakterien, die den Bernstein besiedeln.

Auch der aktuelle Fund im Berliner Naturkundemuseum macht da keine Ausnahme. Die in burmesischen Bernstein eingeschlossene Riesenmilbe könnte zwar gleichzeitig mit einer Reihe von verschiedenen Dinosauriern gelebt haben, die DNA der Urzeit-Tiere wird aber auch in diesem uralten Baumharz nicht zu finden sein. Die Raubmilbe jagte, trotz ihrer für ihre Familie beachtlichen Größe von einem Zentimeter, wohl eher Insekten als Dinosaurier.

Quelle: n-tv.de

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