Fundsache

Fundsache, Nr. 1410 Leonardo da Vinci war beidhändig

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Die Zeichnung von Leonardo da Vinci von 1473 war wohl mehr eine Skizze als ein Auftragswerk.

(Foto: Leonardo da Vinci, Paesaggio, Galleria degli Uffizi)

Maler, Erfinder, Naturphilosoph: Leonardo da Vinci gehört zu den bekanntesten Universalgelehrten der Welt. Aus diesem Grund interessieren sich Forscher auch 500 Jahre nach seinem Tod für seine Person und entdecken jetzt ein bisher unbekanntes Detail.

Der berühmte Universalgelehrte Leonardo da Vinci war mit beiden Händen gleich geschickt, also ein sogenannter Beidhänder. Das haben Wissenschaftler um die Kunsthistorikerin Cecilia Frosinini vom Kunstmuseum der Uffizien in Florenz entdeckt. Die Forscher stießen bei der Untersuchung einer Zeichnung Leonardos auf dieses Ergebnis.

Bei dem mit modernster Technik untersuchten Gemälde handelt es sich wohl um eine Landschaftszeichnung Leonardos, die der Künstler selbst auf den 5. August 1473 datierte. Die mit der Bestandsnummer "P8" versehene Zeichnung ist das erste datierte Werk des Künstlers und zählt zu dessen ältesten Arbeiten. Das Landschaftsbild trägt zwei Inschriften. Eine befindet sich auf der Vorderseite in Spiegelschrift, die zweite auf der Rückseite in normaler Schrift.

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Selbstbildnis Leonardo da Vincis (1512). Es gibt kein Porträt eines anderen Künstlers, das zu Lebzeiten des Universalgenies gemacht wurde.

(Foto: imago/Westend61)

Auf die Vorderseite soll der Künstler selbst die Wörter "Di a s ta an della neve / addj 5 daghossto 1473" in Spiegelschrift von rechts nach links geschrieben haben. Auf der Rückseite steht von links nach rechts geschrieben: "Io, Morando d'Antoni, sono chontento". Die Forscher wissen, dass beide Schriften mit derselben Tinte auf das Blatt gebracht wurden, mit der auch die Landschaft gezeichnet worden ist.

Handwechsel bei den Schriftzügen

Zur kalligrafischen Untersuchung der beiden Schriftzüge zogen die Forscher weitere Texte Leonardos als Vergleichsproben hinzu. Obwohl sich einige Unterschiede zeigten, konnte vor allem festgestellt werden, dass viele Schlüsselmerkmale, die zu dem einzigartigen Stil Leonardos gehören, übereinstimmten. Die Unterschiede und weitere Merkmale zwischen den beiden Schriften könnten dadurch entstanden sein, dass Leonardo abwechselnd beide Hände beim Schreiben benutzt hat. Die Forscher gehen davon aus, dass er auf der Vorderseite mit links und auf der Rückseite mit rechts geschrieben hat.

Wahrscheinlich ist, dass der geniale Künstler als Linkshänder zur Welt kam und bereits in jungen Jahren zur Rechtshändigkeit erzogen worden war, mutmaßen die Forscher. So konnte er eine große Geschicklichkeit mit beiden Händen entwickeln, die er offenbar auch in seinem Alltag nutzte.

Da sich auf dem Blatt noch weitere Zeichnungen, teilweise im Verborgenen, befinden, glauben die Forscher, dass es sich bei dieser Arbeit um eine Art Fingerübung für Leonardo gehandelt haben muss, und nicht um ein Auftragswerk. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher auf der Seite Galleria degli Uffizi und kündigen an, das untersuchte Bild als Bestandteil der Ausstellung anlässlich des 500. Todestages des Künstlers Interessierten zugänglich zu machen.

Quelle: n-tv.de, jaz

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