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Sack race - immer noch besser als Sackratten.
Sack race - immer noch besser als Sackratten.(Foto: dpa)

Jetzt is' mal gut, Tom!: Hanks' Lästereien nerven nur noch

Von Sabine Oelmann

Erst stundenlang auf dem Sofa sitzen (huch, es bewegt sich), gute Miene zum bösen Spiel machen und dann ablästern ist irgendwie doof. Auch mit "Augenzwinkern". Selbst, wenn es sich um ein Hollywood-Urgestein wie Tom Hanks handelt. Und Sackhüpfen mag auch die amtierende First Lady Michelle Obama übrigens gerne.

Sorry, man kann auch mal "Nein" sagen, wenn man keine Lust hat auf eine Bremer-Stadt-Musikanten-Mütze. Man muss die Zuschauer auch nicht mit seinen persönlichen Handyschnappschüssen aus Eisenhüttenstadt langweilen (die übrigens nicht mal aktuell waren, er hatte bereits in epischer Breite im Januar bei David Letterman davon erzählt). Jetzt fällt es einem natürlich echt nicht so leicht, etwas Positives über Eisenhüttenstadt zu sagen, aber es gibt bestimmt was! Die Leute, die dort leben, wissen das. Was Sie noch nicht wussten, ist, dass Hollywoodstars neuerdings anscheinend extra dorthin reisen, um so eine Art Grusel-Disney-Tour zu machen: "Seht mal, so scheiße sah es hier früher überall aus, haha, ist das nicht zum Kaputtlachen/Gruseln/Davonrennen, ach nee, ging ja nicht!?" - "It's fascinating", sagt er, aber man merkt deutlich seinen Argwohn gegen dieses Monument der sozialistischen Bauweise. Und das ist ja auch berechtigt, aber Mr. Hanks ist da eigentlich nur hingefahren, um mit seinem zur Verfügung gestellten "Wie-Dabbelju" mal richtig Gas zu geben auf der deutschen Autobahn. Doch genug über Ironhutcity.

Für den guten Zweck sackhüpft sogar Michelle Obama. (Foto: Gegen Jimmy Fallon im Rahmen ihrer "Let's Move"-Kampagne)
Für den guten Zweck sackhüpft sogar Michelle Obama. (Foto: Gegen Jimmy Fallon im Rahmen ihrer "Let's Move"-Kampagne)

Eigentlich sollte man nun den gnädigen Mantel des Schweigens darüber breiten, was sich letzten Samstag bei "Wetten, dass..?" zugetragen hat, aber in der "Bild"-Zeitung wurde in den letzten Tagen das Blättchen, äh, das Fähnchen so in den (West-)Wind Hollywoods gehängt, dass es kaum mehr auszuhalten ist.

Also, festzustellen ist und festzuhalten bleibt und darüber wird zu reden sein: Der Tom Hanks ist ein toller Schauspieler. Gerade tingelt er durch die Lande, um seinen neuen Film "Cloud Atlas" (Regie: "Unser" Tom Tykwer) zu bewerben. Da kann einem der eine oder andere Termin schon mal nicht so locker von der Hand gehen. Und keiner kann uns erzählen, dass niemand Tom Hanks und auch Halle Berry, die von Anfang an auf dem Sofa saß, als hätte sie einen Stock verschluckt, gesagt hätte, dass diese Familienshow zu den längsten in der deutschen TV-Geschichte zählt. Und Tom Hanks war bereits bei "Wetten, dass..?" - anno Dutt, als der Gottschalk das noch gemacht hat: "Ich war schon einmal mit Leo DiCaprio dort. Ich habe die Show damals nicht verstanden, und ich verstehe sie heute noch weniger."

Tom, etwas mehr Entspannung täte gut.
Tom, etwas mehr Entspannung täte gut.(Foto: dpa)

Richtig, die Brüderle-Witze zwischen dem Moderator Markus Lanz und dem Komiker Oliver Welke sind kaum zu verstehen für Nicht-Deutsche oder Nicht-"heute-Show"-Gucker. Und wenn dann auch noch der Simultan-Übersetzer - in bester Absicht - sagt: "Ach, das interessiert Sie jetzt nicht, da kommt so ein Komiker und der sagt so blabla ...", dann ist es kein Wunder, wenn ein Hollywood-Mensch auch mal aufgibt. Seine Profession ist aber, so zu tun als ob. Und da er einen Film promotet und andere für weit weniger Geld viel Schlimmeres machen müssen als Mr. Hanks, ist das Gejammer jetzt recht unterirdisch.

Mäßigen, regeln, lenken

Die Gäste fürs nächste Mal sollten tatsächlich überdacht werden: Geiger müssen grundsätzlich vorher zum Haarewaschen und in die Maske, deutsche Schauspielerinnen bekommen Schnatter-Verbot, wenn sie zu sehr in Fahrt geraten und keiner mehr folgen kann (Jutta Speidel lief einmal hinter Tom Hanks in Rom durch die Kamera, das trägt die Sendung jetzt auch nicht, leider), und Barbara Schöneberger müssen wir nicht schon wieder über den grünen Klee loben. Beth Ditto auch nicht. Die Ansage in den ersten zwanzig Minuten der Sendung - "Heute werden wir wohl kräftig überziehen, weil es so damn awesome ist" - wirkt auch wie eine Drohung und kein Versprechen (daher wohl auch Halles Haltung) und wird sich bei der nächsten Show verkniffen!

Markus Lanz hätte sich überdies nicht auf diese alten Kamellen einlassen sollen: "Sagen Sie mal, Halle, stimmt es wirklich, dass Sie nach einem Einkaufszentrum benannt wurden?" Gähn, das hatten wir nun schon einige Male gehört. Apropos Markus Lanz: Der kann jetzt ruhig mal wieder auftauchen aus seinem Exil. So schlimm isses nun auch wieder nicht. Er lässt nächstes Mal AUF JEDEN FALL den Saalkandidaten gewinnen beziehungsweise das ZDF-Team überdenkt diese "Lanz-Challenge" vielleicht grundsätzlich noch einmal. Denn der Gast und die Wetten sollen im Vordergrund stehen, der Moderator soll moderieren, und das heißt im Klartext und der spätlateinischen Bedeutung nach: "mäßigen, regeln, lenken". Nicht zu verwechseln mit "vorturnen"!

Lanz muss sich das in der "Bild" nicht reinziehen, wir wissen doch, wo es herkommt: Wenn die "Leser-Reporter" schreiben, dass sie sich "im Namen der Deutschen entschuldigen möchten", dann ruft das sicher viel Beifall hervor, aber auch Ablehnung. Und zwar hier: Nein, eine Entschuldigung ist wirklich überflüssig! Anbiedernde Äußerungen wie: "Es tut mir so leid, was Markus Lanz Ihnen angetan hat!", sind geradezu grotesk.

Und jetzt ist Schluss, denn es gibt wirklich wichtigere Dinge.

Die nächste "Wetten, dass..?"-Sendung wird am 8. Dezember aus Freiburg übertragen.

Quelle: n-tv.de

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