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Es fehlt an es aber an belastbaren Erkenntnissen, dass Polizeibeamten mit Tätowierungen nicht das nötige Vertrauen entgegengebracht wird.
Es fehlt an es aber an belastbaren Erkenntnissen, dass Polizeibeamten mit Tätowierungen nicht das nötige Vertrauen entgegengebracht wird.(Foto: imago/Westend61)
Freitag, 25. August 2017

Gesellschaftlicher Wandel : Darf der Polizei-Bewerber ein Tattoo haben?

Rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind tätowiert. Auch der eine oder andere Polizist lässt sich Tinte unter die Haut jagen. Für Bewerber kann dies aber problematisch sein - je nach Größe und Sitz des Tattoos.

Grundsätzlich gilt: Jedweder Körperschmuck, welcher durch die Kleidung bedeckt ist, hat den Arbeitgeber nicht zu interessieren. Das gilt auch für Tätowierungen. Und auch für Menschen, bei denen die äußere Erscheinung im Berufsalltag eine übergeordnete Rolle spielt - etwa bei Polizeibeamten. Sollen diese doch gleichermaßen Vertrauen und Autorität ausstrahlen.

Schwieriger kann es deshalb für einen Bewerber für den Polizeidienst werden, wenn dieser eine Tätowierung im sichtbaren Bereich seines Körpers aufweist. So auch im Falle eines jungen Mannes, welcher auf der Innenseite seines linken Unterarms einen Löwenkopf  (20 x 14 cm) tätowiert hatte und dennoch gerne beruflich für Recht und Ordnung sorgen wollte.

Denn prompt lehnte das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) den Bewerber ab. Die Begründung: Großflächige Tätowierungen im sichtbaren Bereich stellen einen absoluten Eignungsmangel dar. Sichtbar sind dabei Körperstellen, die beim Tragen der Sommeruniform der Polizeibeamten zu erkennen sind - also etwa die Unterarme. Tattoos, die die durchschnittliche Größe eines Handtellers überschreiten, sind an diesen Körperstellen unzulässig, und zwar unabhängig von dem Motiv.

Gegen letzteres hatte das Land auch keinerlei Bedenken. Aber laut eines Erlasses des NRW-Innenministeriums soll Legitimation und Autorität von Polizeibeamten durch große Tätowierungen nicht beeinträchtigt werden. Zudem kann nach Auffassung des Landes nicht festgestellt werden, dass ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden hätte, nach dem solche Tätowierungen bei Polizeibeamten von der Bevölkerung toleriert werden.

Alles Eischätzungen, die der Bewerber so nicht teilen wollte. Die Meinungsverschiedenheit wurde deshalb Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Genauer: Das Verwaltungsgerichts Düsseldorf war gefragt (Az.: 2 L 3279/17). Und dieses bewertete den Sachverhalt zu Gunsten des Tätowierten und verdonnerte das Land dazu, ihn zum weiteren Auswahlverfahren zuzulassen.

Zur Begründung hieß es, dass es für einen Eignungsmangel nicht ausreichend sei, dass Teile der Bevölkerung großflächige Tätowierungen für unpassend oder unästhetisch hielten. Anders wäre dies, wenn Polizeibeamten aufgrund der Körperbemalung nicht mehr das erforderliche Vertrauen entgegengebracht würde. Hierfür fehle es aber an belastbaren Erkenntnissen. Die auffällige Zunahme von Tätowierungen gerade an den Armen deute vielmehr auf einen gesellschaftlichen Wandel hin, welcher vom Dienstherr bei der Einstellung junger Bewerber berücksichtigt werden müsse, befand das Gericht. 

Quelle: n-tv.de

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